Wie viel Druck braucht der Reisemobil-Reifen?
Die Bedeutung des Reifendrucks wird oft unterschätzt. Dabei entscheidet er nicht nur über die Sicherheit, sondern auch über den Fahrkomfort.
Mal ehrlich, wie oft prüfen Sie den Reifendruck bei Ihrem Reisemobil? Alle 14 Tage, wie es etwa die DEKRA empfiehlt? Das machen wohl die wenigsten. Vielleicht muss es nicht ganz so ambitioniert sein, aber einen regelmäßigen Check sollte man den Pneus und der Luft darin schon gönnen.
Schließlich sind die Reifen die einzige Kontaktfläche zur Straße, über die alle Kräfte übertragen werden müssen. Zudem ist der häufigste Grund für technische Fahrzeugmängel und daraus resultierende Unfälle laut Statistischem Bundesamt zurückzuführen auf: Probleme mit der Bereifung.
Einfluss auf Komfort und Fahrverhalten
Der Reifenluftdruck ist nicht nur sicherheitsrelevant, sondern beeinflusst auch den Fahrkomfort. Gerade bei den Transporterfahrgestellen, die als Reisemobilbasis dienen, werden Fahrbahnunebenheiten relativ ungefiltert an die Insassen weitergegeben. Transporter- und Campertaugliche Reifen besitzen stabilere Flanken, um höhere Lasten zu tragen, haben deshalb aber weniger Eigendämpfung. Speziell für Reisemobile gibt es sogenannte CP-Reifen (Camping), während C-Reifen (Commercial) für Transporter gedacht sind.
CP-Reifen sind stärker auf dauerhaft hohe Radlasten und längere Standzeiten ausgelegt und weniger auf hohe Laufleistung. Die vom Basisfahrzeughersteller empfohlenen Luftdrücke orientieren sich dabei meist an den maximal möglichen Reifentraglasten und sind konservativ gewählt, um bei verschiedensten Aufbaukonstellationen und Beladungszuständen Sicherheitsreserven zu gewährleisten.
Zu viel oder zu wenig Druck: die Folgen
Ein höherer Luftdruck führt zu einer kleineren Reifenaufstandsfläche, was den Rollwiderstand verringert und damit den Kraftstoffverbrauch leicht senkt. Unnötig hoher Luftdruck hat aber auch Nachteile: Der Reifen dämpft schlechter, das Fahrgefühl ist härter und die Lauffläche nutzt sich auf Dauer ungleichmäßig ab.
Noch problematischer ist allerdings zu geringer Luftdruck. Der Reifen verformt sich stärker, reagiert empfindlicher auf Bordsteinkanten oder Schlaglöcher und verliert an Stabilität. Die Folgen sind schlechtere Spurtreue, unpräzises Lenkverhalten und längere Bremswege. Zudem walkt der Reifen stärker. Die zusätzliche Reibung erzeugt Hitze, die die Karkasse schädigt und im Extremfall zu einem Reifenausfall führen kann.
Doch was ist der optimale Druck?
Entscheidend ist zunächst, die Daten des montierten Reifens zu kennen. Eine zentrale Kennzahl ist der Lastindex (LI), der die maximale Tragfähigkeit eines Reifens angibt und auf der Reifenflanke zu finden ist. Ein typischer Reifen für den Fiat Ducato trägt beispielsweise die Bezeichnung 225/75 R 16 CP 118. Dabei steht 225 für die Reifenbreite in Millimetern, 75 für das Verhältnis von Flankenhöhe zu Breite in Prozent, R für die Radialbauweise und 16 für den Felgendurchmesser in Zoll.
Der Lastindex 118 entspricht einer maximalen Tragfähigkeit von 1320 Kilogramm pro Reifen – entsprechende Lastindex-Tabellen finden sich im Internet. Der von Fiat empfohlene Luftdruck zu diesen Ducato-Serienreifen steht auf einem Aufkleber an der B-Säule der Fahrertür. In der Regel ist dort für beide Achsen 5,5 bar angegeben – das ist der Maximaldruck für diesen Reifen, bei dem er die höchste Tragfähigkeit aufweist.
Warum Herstellerangaben oft nur Richtwerte sind
Pkw-Hersteller geben dagegen an dieser Stelle meist unterschiedliche Druckwerte für Vorder- und Hinterachse sowie für unterschiedliche Beladungszustände an. Reisemobilbasis- und -aufbauhersteller machen es sich dagegen leicht und belassen es einfach beim Maximalwert. Obwohl schon aufgrund der zulässigen Achslasten – zumal an der Vorderachse – die maximale Tragfähigkeit der Reifen bei weitem nicht ausgenutzt werden darf.
Wer zu einem auf das Fahrzeug und seine Beladung abgestimmten Reifendruck kommen möchte, muss das tatsächliche Fahrzeuggewicht kennen, und zwar am besten radweise, mindestens jedoch pro Achse. Verlässliche Wiegemöglichkeiten finden sich bei größeren technischen Prüfstellen von TÜV, DEKRA oder GTÜ. Alternativ kommen Entsorgungsbetriebe, Recyclinghöfe, Kieswerke oder Speditionen mit Fahrzeugwaagen für eine grobe Einschätzung infrage.
Am besten nimmt man den Gewichtscheck nicht nur einmal, sondern vor jeder größeren Reise vor – komplett beladen mit allen Passagieren, dem Gepäck und für die Fahrt gefüllten Tanks und Gasvorrat. Unterschreiten die gewogenen Rad- bzw. Achslasten die entsprechenden Maximalangaben deutlich, kann der Luftdruck gegebenenfalls reduziert werden. Aber um wie viel?
Renommierte Reifenhersteller stellen für ihre Pneus entsprechende Tabellen bereit, aus denen sich der passende Luftdruck für die tatsächliche Rad- bzw. Achslast herauslesen lässt. Diese Tabellen sind meist über den Reifenhersteller selbst oder über Fachhändler erhältlich oder einsehbar.
Größere Reifenformate richtig einschätzen
Umsicht ist geboten beim Umstieg auf ein größeres 17″- oder 18″-Format. Für entsprechende Reifen gelten eigene Drücke, die meist niedriger sind und daher Komfortgewinn versprechen. Oft haben die Reifen jedoch weniger Traglastreserve als CP-Reifen. Deshalb sollte man dabei besonders sorgfältig auf einen ausreichenden Lastindex, Herstellerfreigaben und den richtigen Luftdruck achten.
Aus Sicherheitsgründen sollte der Luftdruck stets ein Stück höher gewählt werden als nach Tabelle mindestens erforderlich. Denn: bei diesen Angaben handelt es sich um rechnerische Optimalwerte. Zumal Reifen konstruktionsbedingt kontinuierlich an Luft verlieren, meist 0,1 bis 0,3 bar pro Monat. Außerdem schwankt der Druck in Abhängigkeit von der Außentemperatur, also auch zwischen Sommer- und Winterbetrieb.
Reifendruck richtig messen und einstellen
Darum ist regelmäßiges Prüfen unabdingbar, wenn man den Luftdruck individuell anpassen möchte. Und zwar mit kalten Reifen, vor Fahrtantritt – nur so erzielt man vergleichbare Werte, denn die Pneus erwärmen sich während der Fahrt. Da Tankstellen immer seltener Luftdruckmessgeräte bereitstellen, lohnt sich eventuell ein eigenes Gerät, am besten auch gleich ein Kompressor. Damit ist das Druckprüfen und -einstellen schnell erledigt.
