So baut Dacia den Spring in Europa billig
Der Dacia Spring soll auch als Europa-Modell ein Billig-E-Auto bleiben – trotz Fertigung in der EU. Entscheidend ist eine Mischung aus Plattform-Strategie, Werksauslastung und Details, die Reparaturen und Bedienung einfach halten.
Der neue Dacia Spring wird im slowenischen Werk Revoz Novo Mesto gebaut und teilt sich dort die Basis mit dem Renault Twingo E-Tech. Statt lange Lieferketten per Schiff aus China zu managen, rückt die Fertigung näher an die europäischen Kunden.
Für die Kosten zählt vor allem die Auslastung des Werks. Aktuell laufen dort im Ein-Schicht-Betrieb etwa 300 Fahrzeuge pro Tag vom Band, hochgerechnet rund 75.000 pro Jahr. Die theoretische Kapazität liegt bei 150.000 Einheiten im Mehrschichtbetrieb – also etwa dem Doppelten.
Damit die Fixkosten pro Auto sinken, wird Revoz vom reinen Renault-Standort zum Mehrmarken-Hub. Neben Renault Twingo E-Tech und Dacia Spring ist auch ein kompaktes Nissan-Modell auf derselben AmpR Small Plattform angekündigt. Erst diese Stückzahlen sind die Grundlage, um Einstiegspreise unter 18.000 Euro anpeilen zu können.
AmpR Small und E-Auto-Logik
Die AmpR Small Plattform ist das technische Gleichteil-Konzept hinter Spring und Twingo E-Tech. Vereinfacht gesagt: Viele Bauteile und Prozesse sind identisch, obwohl am Ende unterschiedliche Modelle entstehen. Das spart Entwicklung, Einkauf und Fertigungsaufwand.
Im Werk hilft außerdem, dass die Endmontage eines Elektroautos in vielen Schritten ähnlich läuft wie bei einem Verbrenner. Karosserie, Türen, Sitze und Cockpit folgen denselben Grundabläufen. Der E-Antrieb hat aber weniger Einzelteile als ein Verbrennungsmotor mit Getriebe, was Umrüstungen in der Fertigung eher zu Programmierung und Anpassungen an Fertigungszellen macht.
Revoz bringt zudem Erfahrung aus der Serienfertigung von Stromern mit: Von 2016 bis 2021 lief dort der elektrische Smart Fortwo. Beim Tempo der Industrialisierung zeigt das Wirkung, denn der Twingo E-Tech wurde in nur 21 Monaten zur Serienreife gebracht.
Einfach gebaut, robust gedacht
Beim Spring steckt viel Kostenlogik im Detail, nicht im großen Technik-Feuerwerk. Außen setzt Dacia auf große, unlackierte Kunststoff-Schutzflächen an den Stoßfängern. Kleine Kratzer fallen dort weniger auf als bei Lack, und teure Lackreparaturen werden seltener.
Innen bleibt Dacia bei einfacher, direkter Bedienung. Die Klimaanlage hat echte Regler statt Touchscreen-Menüs, was auch günstiger zu realisieren ist und im Alltag schneller funktioniert. Dazu kommt eine modulare Mittelkonsole, die mit Einsätzen und Trennwänden unterschiedlich genutzt werden kann.
Praktikabilität ersetzt Luxus: Unter der Fronthaube sitzt ein 18-Liter-Frunk, also ein kleines Zusatzfach wie ein Handschuhfach vorn. Dort passt etwa das Ladekabel hinein, das für die Haushaltssteckdose serienmäßig dabei ist. Am Ladeanschluss sitzen zudem zwei Tasten, eine davon entriegelt den Stecker direkt, ohne Umweg über Menüs.
Qualität trotz Sparpreis
Niedriger Preis heißt im Werk nicht, dass ohne Kontrolle gebaut wird. Revoz setzt auf digitale Überwachung mit Hunderten Messpunkten, die jedes Fahrzeug während der Montage prüfen. Dafür kommen Laser, Ultraschall und Kameras zum Einsatz, die Daten werden in Echtzeit von KI-Systemen ausgewertet.
Parallel soll der Standort bei der Energie sauberer werden. Die Lackiererei wurde effizienter gestaltet, Prozesse werden schrittweise elektrifiziert, und fossile Energieträger werden durch Biogas ersetzt. Ab 2027 ist außerdem eine großflächige Photovoltaikanlage geplant, die eigenen Grünstrom liefern soll.
Damit verbindet Dacia zwei Ziele, die sich oft beißen: niedrige Stückkosten durch hohe Auslastung und gleichzeitig stabile Qualität über engmaschige Mess- und Datenkontrolle. Gerade bei einem Einstiegsmodell entscheidet das mit, ob "günstig" als Vorteil oder als Risiko wahrgenommen wird.
