Dacia Spring kommt aus Slowenien
Der neue Dacia Spring soll künftig in Novo Mesto in Slowenien vom Band laufen – in einem Werk, das seit Jahrzehnten Verbrenner baut. Das Beispiel zeigt, warum E-Auto-Produktion nicht automatisch einen kompletten Fabrik-Neubau braucht.
Der entscheidende Punkt ist die Endmontage, also das Zusammenbauen von Karosserie, Innenraum und Antrieb am Band. In Novo Mesto laufen Türen, Cockpit, Sitze und Karosserie grundsätzlich nach denselben Abläufen wie bei einem Verbrenner.
Der große Unterschied steckt im Antrieb: Ein Elektroantrieb besteht aus weniger Einzelteilen als ein Verbrennungsmotor mit Getriebe. Deshalb muss das Werk nicht neu erfunden werden, sondern vor allem seine Abläufe anpassen.
Konkret heißt das: Roboter werden neu programmiert und Fertigungszellen umgebaut, statt eine komplett neue Halle hochzuziehen. Genau diese Logik macht "Umbau statt Neubau" für kleine E-Autos wie den Spring überhaupt erst wirtschaftlich.
Erfahrung spart Zeit und Risiko
In Novo Mesto kommt ein Vorteil dazu, den viele Standorte nicht haben: Revoz hat dort bereits von 2016 bis 2021 den elektrischen Smart Fortwo gebaut. Diese Praxis hilft, wenn Hochvolt-Bauteile in die Serienfertigung integriert werden müssen.
Wie schnell ein umgerüstetes Werk ein neues E-Auto stemmen kann, zeigt das Schwesterprojekt im Haus. Der Renault Twingo E-Tech wurde nach Werksangaben in 21 Monaten zur Serienreife gebracht.
Für Europa ist das mehr als eine nette Randnotiz. Kurze Anlaufzeiten senken die Kosten und reduzieren das Risiko, dass ein Einstiegsstromer durch lange Industrialisierung zu teuer wird.
Auslastung drückt die Stückkosten
Umbau allein reicht aber nicht, wenn die Fabrik danach halb leer läuft. In Novo Mesto liegt die aktuelle Auslastung deutlich unter dem, was im Mehrschichtbetrieb möglich wäre.
Der Standort kommt derzeit im Ein-Schicht-Betrieb auf rund 300 Fahrzeuge pro Tag, also etwa 75.000 pro Jahr. Die theoretische Maximalkapazität beträgt 150.000 Einheiten, wenn mehrere Schichten laufen.
Genau hier passt die Strategie mit mehreren Modellen: Spring und Twingo teilen sich die technische Basis, und zusätzlich soll ein kompaktes Nissan-Modell auf der gemeinsamen AmpR-Small-Plattform folgen. Höhere Stückzahlen verteilen die Fixkosten auf mehr Autos und sind damit eine Voraussetzung, um in Europa Einstiegspreise von unter 18.000 Euro darzustellen.
