Der CBWP ist so richtig schwer
Polen entwickelt einen eigenen Schützenpanzer mit einem Gefechtsgewicht von bis zu 50 Tonnen. Der CBWP, der auf der Rüstungsmesse MSPO 2026 gezeigt wurde, trägt seine Masse im Namen: "Ciężki Bojowy Wóz Piechoty" bedeutet schlicht, "schwerer Schützenpanzer".
Bei dem ausgestellten Fahrzeug handelt es sich zunächst um einen Technologiedemonstrator. Er soll zeigen, wie Fahrgestell, Schutz, Bewaffnung und Transportraum miteinander kombiniert werden können. Die ersten Prototypen sollen 2027 entstehen, die Serienreife ist für 2029 geplant. Einige technische Daten können sich bis dahin noch ändern.
Mehr Schutz als beim Borsuk
Mit dem CBWP entwickelt Polen einen stärker geschützten Gegenpart zum leichteren Borsuk. Während der Borsuk schwimmfähig ist, verzichtet der CBWP auf diese Fähigkeit. Das höhere Gewicht kann dadurch für Panzerung und weitere Schutzsysteme genutzt werden.
Der Demonstrator wiegt laut dem staatlichen Rüstungskonzern PGZ mehr als 40 Tonnen. Mit zusätzlichen Schutzmodulen könnte das Gefechtsgewicht auf rund 50 Tonnen steigen.
8 Soldaten im Heck, drei Waffensysteme
Die Besatzung besteht aus Fahrer, Kommandant und Richtschütze. Im hinteren Kampfraum sollen je nach Ausführung sechs oder acht Infanteristen Platz finden. Ein- und Ausstieg erfolgen über eine große Heckrampe.
Als unbemannten Turm verwendet der CBWP den unbemannten ZSSW-30. Polen setzt ihn bereits beim Borsuk und bei bestimmten Versionen des Radpanzers Rosomak ein.
Die Hauptwaffe ist eine 30-mm-Maschinenkanone vom Typ Mk44S Bushmaster II. Hinzu kommen ein koaxiales Maschinengewehr UKM-2000C im Kaliber 7,62 Millimeter und ein Doppelstarter für Spike-Panzerabwehrlenkflugkörper. Die Kanone ist gegen Infanterie, Stellungen und leicht gepanzerte Fahrzeuge vorgesehen, während die Lenkflugkörper schwer gepanzerte Ziele bekämpfen sollen.
Programmierbare Munition ist noch keine Drohnenabwehr
Die Mk44S kann programmierbare Airburst-Munition verschießen. Der Detonationspunkt wird dabei vor dem Abschuss festgelegt. Das Geschoss explodiert vor oder über dem Ziel und verteilt dort seine Splitter. Dadurch lassen sich auch Ziele hinter Deckungen erreichen.
Ein Einsatz gegen kleine Drohnen ist grundsätzlich möglich. Dafür benötigt der CBWP allerdings geeignete Sensoren, eine schnelle Zielverfolgung und eine entsprechend angepasste Feuerleitung. Dass der Technologiedemonstrator bereits über eine vollständige Ausstattung zur Drohnenabwehr verfügt, ist nicht bestätigt.
Laserwarnsystem löst Nebelgranaten aus
Das polnische Laserwarnsystem Obra-3 erkennt, wenn der CBWP mit einem Laserentfernungsmesser oder einem Laserzielbeleuchter erfasst wird. Es warnt die Besatzung und kann automatisch Nebelgranaten auslösen. Der Nebel soll gegnerische Sicht- und Zielsysteme behindern.
Obra-3 zerstört keine anfliegenden Geschosse und ist daher kein Hard-Kill-System. Das Fahrzeug soll jedoch für die Integration eines aktiven Schutzsystems vorbereitet sein.
Zusätzliche Panzerung bis 50 Tonnen
Der CBWP soll passive und reaktive Schutzmodule tragen können. Explosive Reaktivpanzerung bewegt beim Treffer Metallplatten, die den Hohlladungsstrahl einer Panzerabwehrwaffe stören und dessen Wirkung verringern können. Zu Motor, Getriebe und Fahrleistungen liegen keine offiziellen Werte vor. Auch die konkrete Herkunft des Antriebs wurde nicht genannt.
Mit den für 2027 angekündigten Prototypen sollen die bisher offenen Baugruppen festgelegt und erprobt werden. Dazu gehören der Antrieb, die endgültige Panzerung und ein mögliches aktives Schutzsystem.
