Große Boxer macht kleinen Wiesel platt
Der Schwere Waffenträger Infanterie ist eines der neuen Gefechtsfahrzeuge der Bundeswehr und soll den Wiesel ablösen. Damit er das kann, überprüfen die künftigen Ausbilder aktuell Bedienung, Fahren und Schießen. Das kann der "sWaTrgInf".
Der 38,5 Tonnen schwere Radpanzer kombiniert eine 30-Millimeter-Maschinenkanone mit dem Panzerabwehrsystem MELLS und übernimmt bei den Jägern Aufgaben, für die bisher der erheblich kleinere Waffenträger Wiesel eingesetzt wird. Der Unterschied zum Wiesel ist erheblich.
Schwerer Waffenträger wiegt 38,5 Tonnen
Technische Grundlage ist der Boxer CRV Recon II der australischen Streitkräfte. Die Bundeswehr übernimmt das dort bereits eingeführte Fahrzeug mit vergleichsweise geringen Änderungen. Angepasst werden unter anderem Funk- und Führungsausstattung. Auch der bemannte Turm unterscheidet den Waffenträger von zahlreichen anderen Boxer-Versionen der Bundeswehr.
Mit 8,9 Metern Länge, drei Metern Breite und 3,6 Metern Höhe ist der Schwere Waffenträger ein großes Fahrzeug. Das Gefechtsgewicht beträgt 38,5 Tonnen. Die Besatzung besteht aus drei Soldaten.
710 PS treiben den Boxer an
Für den Antrieb gibt die Bundeswehr eine Leistung von 530 kW beziehungsweise 710 PS an. Daraus ergibt sich ein Leistungsgewicht von rund 18,4 PS pro Tonne. Der schwere Vierachser erreicht auf der Straße bis zu 100 km/h.
Der Antrieb sitzt im Fahrmodul des Boxer. Die Plattform nutzt einen Dieselmotor aus der MTU-Baureihe 199 und überträgt die Leistung auf alle Räder. Das Fahrmodul trägt neben dem Antriebsstrang auch Fahrwerk, Lenkung und weitere Komponenten, während Waffen und einsatzspezifische Ausrüstung im Missionsmodul untergebracht sind.
Die 30-mm-Kanone schießt bis 3.000 Meter
Im bemannten Lance-Turm sitzt die MK30-2 ABM im Kaliber 30 × 173 Millimeter. Die Maschinenkanone wird auch beim Schützenpanzer Puma verwendet. Anders als beim Puma befinden sich beim Schweren Waffenträger jedoch Soldaten im Turm. Die Bundeswehr nennt für die Maschinenkanone eine Kampfentfernung von 3.000 Metern.
Als Sekundärwaffe trägt der Turm ein koaxiales Maschinengewehr im Kaliber 7,62 Millimeter. Dazu kommt die Nebelmittelwurfanlage ROSY. Sie erzeugt einen Sichtschutz um das Fahrzeug und soll dadurch die Aufklärung und Bekämpfung des Waffenträgers erschweren.
MELLS übernimmt die Panzerabwehr
Gegen schwer gepanzerte Fahrzeuge reicht die 30-Millimeter-Maschinenkanone nicht aus. Dafür trägt der Boxer das Mehrrollenfähige Leichte Lenkflugkörpersystem MELLS. Die Bundeswehr gibt für das System beim Schweren Waffenträger eine Kampfentfernung von 4.000 Metern an.
Damit deckt ein Fahrzeug zwei wesentliche Aufgaben ab. Die Maschinenkanone ist unter anderem für Infanterie, Stellungen und leichtere Gefechtsfahrzeuge vorgesehen, MELLS für schwer gepanzerte Ziele. Bei der aktuellen Ausbildung in Bergen wurde mit der 30-Millimeter-Kanone und dem Maschinengewehr geschossen. MELLS kam dort noch nicht zum Einsatz.
Die ersten acht Boxer schießen bereits
Die ersten acht fabrikneuen Fahrzeuge dienen beim Jägerbataillon 413 zunächst der Ausbildung der künftigen Ausbilder. Sechs Wochen lang wurden die Soldaten mit Fahrzeug, Waffen, Aufklärungs- und Zielsystemen vertraut gemacht. Anschließend folgten zwei Wochen praktische Schießausbildung auf dem Truppenübungsplatz Bergen.
Geschossen wurde im Stand und während der Fahrt sowie auf stehende und bewegliche Ziele. Im nächsten Schritt übernimmt die Truppe die Einsatzprüfung. Dabei sollen unter anderem die Stabilität der Waffenanlage, die Belastung des Turms beim Verschießen großer Munitionsmengen und die Wirkung verschiedener Munitionsarten untersucht werden.
Große Boxer statt kleiner Wiesel
Der Schwere Waffenträger ersetzt nicht die gesamte Wiesel-Familie. Er übernimmt bei der Jägertruppe Aufgaben der Waffenträger. Neben dem ursprünglichen Wiesel 1 existiert mit dem größeren Wiesel 2 eine weiterentwickelte Plattform, die bei der Bundeswehr für verschiedene Spezialaufgaben eingesetzt wird. Der Wechsel zum Boxer betrifft deshalb eine bestimmte Rolle und bedeutet nicht das generelle Ende des kleinen Kettenfahrzeugs.
Die Unterschiede zwischen beiden Konzepten sind erheblich. Der Wiesel wurde als sehr kleines und leichtes Kettenfahrzeug entwickelt. Er ist im Gelände wendig, besitzt eine niedrige Silhouette und lässt sich schwerer aufklären.
Der Boxer setzt andere Schwerpunkte. Er bietet mehr Schutz und kann größere Munitionsvorräte mitführen. Vor allem kann er längere Strecken zusammen mit anderen Radfahrzeugen auf eigener Achse zurücklegen. Genau diese Eigenschaft ist für seine Rolle innerhalb der Mittleren Kräfte entscheidend.
123 Schwere Waffenträger Infanterie für die Bundeswehr
Bei der Panzerbrigade 21 werden die Jägerverbände auf die Mittleren Kräfte umgestellt. Weitere Systeme wie die Radhaubitze RCH 155 und der Radmörser Patria NEMO sollen diesen Fahrzeugbestand ergänzen.
Die Bundeswehr beschafft insgesamt 123 Schwere Waffenträger Infanterie. Die Fahrzeuge sollen bis 2030 ausgeliefert werden. Die Beschaffung erfolgt über einen Regierungsvertrag mit Australien. Ein großer Teil der Produktion findet deshalb bei Rheinmetall in Australien statt.
