Das Spaßmobil für ernste Angelegenheiten
Der Can-Am Maverick X3 ist ein klassisches Spaßmobil, ein Buggy für Dünen, Sand und schnelle Fahrten abseits befestigter Straßen. Doch aus Spaß wird Ernst.
Denn der offene Offroader mit bis zu 200 PS dient inzwischen auch als Basis für ein Militärfahrzeug. Als V2X Tempest geht der Can-Am auf Drohnenjagd und trägt dafür sogar Hellfire-Raketen.
Maverick X3 als Basis
Der Maverick X3 stammt aus dem Freizeitprogramm von Can-Am, einer Marke des kanadischen Herstellers BRP. Die Modellfamilie gehört zu den sogenannten Side-by-Side-Fahrzeugen. Beim X3 MAX sitzen vier Personen in zwei Reihen unter einem Überrollkäfig. Die Karosserie bleibt weitgehend offen.
In den stärkeren Versionen arbeitet ein 900 Kubikzentimeter großer Rotax-Dreizylinder mit Turboaufladung. Er leistet bis zu 200 PS und ist mit einem stufenlosen CVT-Getriebe kombiniert. Die Kraft wird über ein Allradsystem übertragen.
Große Federwege, Geländereifen und bis zu rund 40 Zentimeter Bodenfreiheit gehören ebenfalls zum Konzept. Der X3 MAX ist je nach Ausführung rund 4,2 Meter lang. Die breiten Versionen kommen auf etwa 1,85 Meter. Einzelne Varianten bleiben beim Trockengewicht unter einer Tonne.
V2X kauft die Can-Am über Drittanbieter
Mit der militärischen Nutzung seines Freizeitbuggys hat Can-Am selbst nichts zu tun. Das hat BRP auf Anfrage von www.auto-motor-und-sport.de bestätigt. "Der Tempest wurde nicht in Zusammenarbeit mit BRP/Can-Am entwickelt und BRP war weder an der Entwicklung noch an der Modifikation dieses Produkts beteiligt", erklärt BRP-Sprecherin Emilie Proulx.
BRP liefert auch keine Fahrzeuge direkt an V2X. Nach Kenntnis des Herstellers kauft V2X handelsübliche Can-Am-Fahrzeuge über Drittanbieter. Der anschließende militärische Umbau erfolgt ohne Beteiligung von BRP oder Can-Am.
Zwei Hellfire machen aus dem Buggy einen Drohnenjäger
Äußerlich bleibt der Maverick auch nach dem Umbau gut zu erkennen. V2X ergänzt das Fahrzeug vor allem um die Technik, die es für seine neue Aufgabe braucht. Auf der bisher gezeigten Tempest-Version sitzen zwei AGM-114L Longbow Hellfire sowie ein RADA RPS-42 Radar. Damit soll der Buggy größere Drohnen der Klassen 2 und 3 bekämpfen.
Die Hellfire kennt man vor allem als Bewaffnung von Kampfhubschraubern wie dem Apache. Beim Tempest wird die Longbow-Version gegen Ziele in der Luft eingesetzt. Ihr eigener Radarsuchkopf ermöglicht es dem Flugkörper, ein erfasstes Ziel nach dem Abschuss selbstständig weiterzuverfolgen. Zwei Raketen stehen am Fahrzeug unmittelbar zum Einsatz bereit. Das RPS-42 übernimmt die Erfassung von Luftzielen. Tempest kann darüber hinaus Informationen von anderen Sensoren erhalten. Dadurch lässt sich das Fahrzeug in eine größere Drohnenabwehr einbinden, ohne sämtliche dafür notwendige Technik selbst mitführen zu müssen.
Der Tempest ist auf Beweglichkeit ausgelegt
Eine Panzerung wie bei einem klassischen Militärfahrzeug besitzt der Tempest nicht. Die offene Konstruktion des Maverick bleibt weitgehend erhalten. Nach einem Abschuss kann das Fahrzeug deshalb seine ursprüngliche Stärke ausspielen und schnell die Position wechseln. Das Einsatzszenario: Der Tempest wartet zunächst geschützt, erhält Zieldaten, fährt für den Abschuss zu seiner Feuerposition und geht wieder in Deckung.
US Marines erhalten zehn Tempest
Jetzt wird aus dem ungewöhnlichen Umbau auch ein Beschaffungsprojekt für die US-Streitkräfte. Das US Marine Corps erhält zunächst zehn Tempest.
Der Vertrag hat ein Volumen von 19,06 Millionen US-Dollar und umfasst neben den Fahrzeugen unter anderem Ersatzteile, Softwaremanagement, Ausbildung und weitere Unterstützungsleistungen. Ein Stückpreis für einen einzelnen Tempest lässt sich daraus deshalb nicht ableiten. Die Arbeiten sollen bis August 2027 abgeschlossen werden.
