Viel Fahrspaß, Abstriche beim Campingkomfort
Der Citroën Holidays ist dank seiner kompakten Maße ein prima Alltagsfahrzeug. Aber eignet er sich, wie der Name es verspricht, auch für den Urlaub? Wir haben es getestet.
Keine Frage: Der Fahrspaß im Citroën Holidays ist ziemlich hoch. Vor allem in der Version mit 180-PS-Motor, wie er zum Test bereitstand (Aufpreis 3000 Euro). Dann hat der Kompaktcamper auf Spacetourer-Basis reichlich Power für Beschleunigungs- und Überholmanöver – und dank Achtgang-Wandlerautomatik kann man sich auch das Schalten sparen. Serienmäßig kommt der Holidays mit 150 PS und manuellem Sechsgang-Getriebe. Für 600 Euro Aufpreis gibt es das Drive-Assist-Paket mit Abstandsregeltempomat und beheiztem Lenkrad. Die LED-Scheinwerfer sind aufpreisfrei dabei. Dank knapp unter fünf Meter Länge passt er auf fast jeden Parkplatz. So weit die Vorzüge des Holidays beim Fahren und im Alltag. Aber wie schlägt er sich auf Campingreisen?
Citroën Holidays
- Gurte/Schlafplätze: 4/4
- Zul. Gesamtgewicht: 3100 kg
- Länge/Breite/Höhe: 4,98/2,01/1,99 m
- Grundpreis ab: 50.290 Euro
Mit seiner Küchen- und Möbelzeile auf der linken Fahrzeugseite besitzt der Citroën einen für Kompaktcamper typischen Grundriss. Die zweite Schiebetür gehört standardmäßig zur Ausstattung, obwohl man durch sie weder ein- noch aussteigen kann, weil die Küchenzeile fast bis zur Rücklehne des Fahrersitzes reicht. Auch das Öffnen der Tür ist von innen nur schwierig möglich. Mehr stört allerdings, dass keine der beiden Schiebetüren durch ein Fliegengitter geschützt ist.
Enge Küchenzeile mit wenig Stauraum
Die Küchenzeile ist mit einem kleinen Spülbecken, einem Zweiflamm-Gaskocher und einer von oben beladbaren Kühlbox ausgestattet. Letztere fällt mit 16 Litern Volumen selbst für Kompaktcamper-Verhältnisse ziemlich klein aus. Sparsam bemessen ist auch der Stauraum im Küchenblock. Ein Frisch- und ein Abwasserkanister mit je zehn Litern sowie das Gasflaschenfach blockieren ziemlich viel des wertvollen Platzes.
Töpfe muss man mühsam irgendwo noch dazwischenstopfen, für Besteck bleibt immerhin noch eine eigene Schublade. Die lässt sich allerdings nicht mehr öffnen, wenn die Sitzbank zu weit nach vorne geschoben ist. Praktisch ist dagegen die offene Ablage mit einer hohen Umrandung über der Kühlbox – hier können Kleinigkeiten auch während der Fahrt liegen bleiben, ohne dass sie im Fahrzeug umherfliegen.
Als Teil des Max-Pakets (Aufpreis 6800 Euro) ist die Küche flexibel ausgeführt und damit für den Außeneinsatz geeignet. Zum Ausbau müssen zunächst drei Schrauben entfernt werden, welche die Küche mit dem Boden verbinden. Für das anschließende Herausheben der Küche sollte man zu zweit sein, für eine Person ist sie zu schwer und zu unhandlich. Hat man den Kraftakt gemeistert, dann steht dem Kochvergnügen unter freiem Himmel nichts mehr im Weg. Fürs Essen draußen kann der Tisch aus dem Innenraum ebenfalls verwendet werden. Passende Campingstühle dazu muss man sich dagegen selbst organisieren.
Die Sitzgruppe als Schlaffläche
Drinnen im Bus ist Platz für vier Personen. Zwei sitzen auf den Fahrerhaussitzen, die sich leicht drehen und gut in die Sitzgruppe einbinden lassen. Zwei weitere Personen nehmen auf der Zweiersitzbank Platz. Die lässt sich nach vorn und hinten verschieben, kann allerdings nur in bestimmten Positionen in den Bodenschienen arretiert werden. Am Abend wird die Sitzbank dann zu einem Schlafplatz für bis zu zwei Personen. Dazu wird die zweigeteilte Rücklehne waagrecht gelegt und zwei Beinverlängerungen vorn angebracht.
Die Schlaffläche ist mit einer Länge von 1,80 Metern und einer Breite von maximal einem Meter für zwei Erwachsene schon sehr knapp. Da auf der konturierten Sitz- und Lehnenfläche der Bank geschlafen wird, ist auch der Komfort nicht besonders hoch. Besser schläft, wer zusätzlich einen Topper auflegt. Für helligkeitsempfindliche Schläfer: Die Seiten- und Heckscheiben im Wohnraum sind im Paket Max zwar getönt, besitzen aber keine Rollos, Vorhänge oder Verdunklungsmatten – Letztere gibt es ab Werk nur für die Fahrerhausfenster.
Schlafstätte und Einrichtung im Aufstelldach
Wesentlich bequemer als auf der umgebauten Sitzbank schläft man im Aufstelldach. Die etwa vier Zentimeter dicke Kaltschaummatratze liegt auf Tellerfedern. Mit einer Länge von 1,85 Metern und einer Breite von 1,01 Metern ist aber auch die obere Liegefläche nicht gerade üppig. Rechts und links besitzt die Matratze zwar jeweils noch einen etwa zehn Zentimeter breiten Erweiterungsstreifen. Der ist allerdings ungepolstert und somit als Schlafstätte nicht zu rechnen.
Für Bücher oder Handys ist im Aufstelldach links und rechts jeweils eine Ablageschale vorhanden. Rechts ist zudem eine Schwanenhalsleuchte mit USB-Anschluss in die Ablage integriert. Die Leuchte ist die einzige Lichtquelle im Aufstelldach. Etwas mehr Helligkeit, etwa in Form von Spots oder LED-Leisten am Dachhimmel, würde dem Schlafbereich insgesamt guttun.
Vielseitigkeit zum kleinen Preis
Für Klamotten und Gepäck stehen in der Möbelzeile zwei Schränke zur Verfügung, die jeweils mit Zwischenböden unterteilt sind. Zusätzlich gibt es hinten quer an der Decke über der Sitzbank ein Staufach, auf das man vom Wohnbereich aus guten Zugriff hat. Für sperrige Gegenstände bleibt, wie bei dieser Fahrzeugklasse üblich, der Heckstauraum hinter der Sitzbank. Wer ganz viel Platz im Fahrzeug benötigt, etwa für den Transport von Fahrrädern, kann die Sitzbank auch komplett ausbauen und hat dann eine Durchlademöglichkeit bis zu den Fahrerhaussitzen.
Ein großes Plus des Holidays, den Citroën beim Campingbus-Spezialisten Bravia Mobil in Slowenien ausbauen lässt und über seine eigenen Nutzfahrzeughändler vertreibt, ist sein attraktiver Preis. Mit Serienausstattung ist er für 50.290 Euro erhältlich. Im Paket Max ist neben der bereits erwähnten Zusatzausstattung auch noch eine Außendusche fürs Heck mit separatem 18-Liter-Wassertank sowie eine mobile Toilette enthalten. Letztere muss aufgrund des begrenzten Platzes in der Möbelzeile offen im Wohnbereich bzw. im Heckstauraum mitreisen.
Zum Paket Max gehört zudem ein flexibles Solarmodul mit 120 Wp Leistung, das auf dem Dach klebt. Mit diesem Modul kommt der Holidays laut Hersteller auf 2,01 Meter Höhe. Parkhäuser und Tiefgaragen mit zwei Metern Maximalhöhe sind darum nur mit großer Vorsicht nutzbar. Ohne Solar bleibt der Kompaktcamper mit 1,99 Metern dagegen knapp unter der kritischen Zwei-Meter-Marke. Zum Max-Paket gehört außerdem noch je eine Kederleiste auf beiden Seiten, um daran ein Sonnensegel oder Vorzelt anzudocken.
Das fiel uns auf
(+) Zusätzliche Ablagefläche auf einer zweiten Ebene: das Brett mit seitlicher Begrenzung über der Küchenzeile.
(+) Die drei LED-Stablampen an der Wohnraumdecke sind dimmbar. Sie dienen als Hauptlichter im Holidays.
(+) (-) Im Aufstelldach gibt es auf beiden Seiten eine Ablagefläche – eine Lampe mit USB-Buchse nur rechts.
(-) Kein Zugriff möglich: Ist die Sitzbank bis an den Tisch herangefahren, blockiert sie die Küchenschublade.
(-) Der Schließmechanismus des SCA-Aufstelldachs erfordert Fingerspitzengefühl – und manchmal auch Kraft.
(-) An den Cockpitsitzen gibt es jeweils nur eine Armauflage. Gut zum Drehen der Sitze, aber unbequem beim Fahren.
Daten und Preise
Aufbau: Stahlblechkarosserie mit GfK-Aufstelldach, Innenverkleidung Textil- und Kunststoffformteile, 5 Einscheiben-Fenster mit getöntem Echtglas, keine Verdunkelung.
Ausbau: Möbel aus Sperrholz, Sitzbank mit zwei Dreipunktgurten, Bankbreite 1000 mm, Umbaubett 1800 × 900–1000 mm, Dachbett 1850 × 1010 mm, Außendusche (Paket Max), Küche mit Zweiflammkocher und Kompressorkühlbox 16 L.
Bordtechnik: Diesel-Gebläseheizung Webasto Air Top 2000 STC, 2 kW (Paket Max), Frisch-/Abwasserkanister jeweils 10 L, Dusche 18 L, Bordbatterie Blei-AGM 95 Ah, Gasflasche 1 × 2,75 kg.
Basisfahrzeug: Citroën Spacetourer, Vierzylinder-Turbodiesel, Hubraum 2184 cm³, Leistung 132 kW/180 PS, Achtgang-Wandlerautomatikgetriebe (Serie: 150 PS, Sechsgang-Schaltgetriebe).
Maße und Gewichte: Länge × Breite × Höhe 4981 × 2010 × 2010 mm, Radstand 3275 mm, zulässiges Gesamtgewicht 3100 kg.
Preise: Grundpreis 50.290 Euro, Testwagenpreis 60.790 Euro, Achtgang-Automatik/180 PS 3000 Euro, Metallic-Lackierung All-Terrain-Grün 550 Euro, Drive-Assist-Paket 600 Euro, Paket Max 6800 Euro, Ersatzrad auf Stahlfelge 150 Euro.
Wertung
- Betten: 2 von 5 Punkten
- Sitzgruppe: 3 von 5 Punkten
- Küche: 2 von 5 Punkten
- Möbelbau: 3 von 5 Punkten
