Der Verbrenner ist wieder auf dem Vormarsch
Die Deutsche Umwelthilfe hat 249 Dienstwagen von Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitikern untersucht. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Der Anteil reiner Elektroautos sinkt nämlich. Die Vorbildwirkung könnte verheerend sein.
Die Dienstwagen deutscher Politiker werden wieder stärker von Verbrennungsmotoren geprägt. Zu diesem Ergebnis kommt der 20. Dienstwagen-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH), für den zwischen Januar und Juni 2026 insgesamt 249 Fahrzeuge von Regierungsmitgliedern auf Bundes- und Landesebene ausgewertet wurden.
Nur 90 der untersuchten Dienstwagen sind vollelektrisch. Das entspricht einem Anteil von 36 Prozent und damit etwas weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig stellen Plug-in-Hybride mit 42 Prozent inzwischen die größte Gruppe. Rechnet man sie zusammen mit konventionellen Verbrennern, haben damit rund zwei Drittel der untersuchten Fahrzeuge weiterhin einen Verbrennungsmotor an Bord.
Plug-in-Hybride schneiden deutlich schlechter ab
Gerade die Entwicklung bei den Plug-in-Hybriden ist für die DUH ein wesentlicher Grund für ein schlechtes Auswertungs-Ergebnis. Nach ihrer Berechnung kommen die Fahrzeuge im realitätsnäher angesetzten Betrieb auf durchschnittlich 179 Gramm CO₂ pro Kilometer. Damit liegen sie nur wenig unter reinen Verbrennern, die auf durchschnittlich 193 Gramm kommen. Zum Vergleich: Die untersuchten batterieelektrischen Dienstwagen kommen auf durchschnittlich 62 Gramm CO₂ pro Kilometer. Die DUH berücksichtigt dabei auch die Emissionen des deutschen Strommixes.
Der große Unterschied zwischen den Antriebskonzepten entsteht vor allem durch die tatsächliche Nutzung der Plug-in-Hybride. Die DUH geht für ihre Berechnung davon aus, dass Dienstwagen dieser Art lediglich rund elf Prozent ihrer Fahrten elektrisch zurücklegen. In den übrigen 89 Prozent der Fahrten läuft demnach der Verbrennungsmotor. Damit unterscheiden sich die theoretischen CO₂-Werte eines Plug-in-Hybrids erheblich von dem Emissionsniveau, das im tatsächlichen Dienstwagenbetrieb angenommen wird.
Wechsel vom Elektroauto zum Plug-in-Hybrid
Besonders bemerkenswert sind einige konkrete Fahrzeugwechsel. Die Staatsminister Serap Güler, Gunther Krichbaum und Florian Hahn aus dem Auswärtigen Amt sind laut DUH von Elektroautos auf Plug-in-Hybride umgestiegen. Auch Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank, Finanzsenator Andreas Dressel und Sachsens Umweltstaatsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch haben ihre bisherigen Elektrofahrzeuge durch Plug-in-Hybride ersetzt.
Damit verschlechtert sich die rechnerische CO₂-Bilanz ihrer Dienstwagen teilweise deutlich. Die DUH bezeichnet diese Entwicklung deshalb als "Rückwärtsgang" beim Klimaschutz. Dass der Wechsel in die andere Richtung ebenfalls erhebliche Auswirkungen haben kann, zeigt das Beispiel der Hamburger Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Karen Pein. Nach Angaben der DUH sank der CO₂-Ausstoß ihres Dienstwagens durch den Wechsel auf ein Elektroauto von 134 auf 50 Gramm pro Kilometer.
Alabali-Radovan fährt den sparsamsten Bundes-Dienstwagen
Innerhalb der Bundesregierung liegt Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan mit einem von der DUH ermittelten Wert von 64 Gramm CO₂ pro Kilometer an der Spitze. Bei den Ministerpräsidenten der Länder erreicht Baden-Württembergs Regierungschef Cem Özdemir mit 66 Gramm den niedrigsten Wert. Auf der anderen Seite stehen mehrere deutlich emissionsintensivere Fahrzeuge. Justizministerin Stefanie Hubig und Bildungs- und Familienministerin Karin Prien kommen laut DUH jeweils auf 196 Gramm CO₂ pro Kilometer. Bei den Länderchefs bilden Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst, Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner mit jeweils 262 Gramm das Ende des Rankings.
Allerdings ist der Vergleich nicht vollständig. Mehrere besonders geschützte Fahrzeuge wurden nicht in die Gesamtwertung einbezogen. Dazu gehören unter anderem die Dienstwagen des Bundeskanzlers sowie des Vizekanzlers und Finanzministers, des Verteidigungs-, Innen- und Außenministers. Wegen der besonderen Panzerung lassen sich diese Fahrzeuge laut DUH nicht sinnvoll mit normalen Dienstwagen vergleichen.
Berlin bei den Landesregierungen vorn
Auch bei der Betrachtung kompletter Regierungsflotten gibt es erhebliche Unterschiede. Berlin liegt im Ländervergleich an der Spitze. Dahinter folgen Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein. Diese drei Landesregierungen erhalten von der DUH eine gelbe Karte. Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern bilden dagegen das Schlusslicht. Beide Länder setzen laut Untersuchung vollständig auf Dienstwagen mit Verbrennungsmotor und haben 2026 keinen batterieelektrischen Dienstwagen in der untersuchten Regierungsflotte.
Bei den Bundesministerien schneiden das Umweltministerium, das Innenministerium, das Entwicklungsministerium und das Arbeitsministerium am besten ab und erhalten eine grüne Karte. Auch beim Parteienvergleich ergibt sich ein klares Bild: Als einzige Partei erreichen die Grünen eine grüne Karte. Die FDP bildet nach Bewertung der DUH das Schlusslicht.
Problem mit der Übergangstechnologie
Der Dienstwagen-Check zeigt damit weniger einen generellen Abschied vom Elektroauto als vielmehr eine Verschiebung innerhalb der elektrifizierten Antriebe. Zwar bleiben batterieelektrische Fahrzeuge mit 36 Prozent ein wichtiger Bestandteil der untersuchten Flotte. Gleichzeitig haben Plug-in-Hybride mit 42 Prozent die größte Gruppe gebildet.
Genau diese Entwicklung ist aus Sicht der DUH problematisch. Plug-in-Hybride können zwar im täglichen Betrieb einen Teil ihrer Strecke elektrisch zurücklegen, ihre tatsächlichen Emissionen hängen aber stark davon ab, wie häufig die Batterie geladen und wie lange elektrisch gefahren wird. Bei Dienstwagen mit hohen Jahresfahrleistungen und langen Strecken kann der Verbrennungsmotor entsprechend häufig zum Einsatz kommen.
