Geely-Marken wollen bald mit 1.500 kW laden
Geely arbeitet an einer 1.000-Volt-Technik und könnte damit Ladeleistungen bis 1,5 Megawatt ermöglichen. Doch die Konkurrenz schläft nicht und ist teilweise sogar schon weiter.
Geely setzt bei seinen aktuellen Elektroautos zunehmend auf 800 Volt. Dabei umfasst die Hochvoltarchitektur nicht nur Batterie und Elektromotor, sondern auch Leistungselektronik, Ladegerät, Verkabelung und weitere Komponenten. Nun arbeitet der Konzern nach eigenen Angaben an einer 1.000-Volt-Architektur und gleichzeitig an Antriebssystemen für noch höhere Spannungen.
Konkrete technische Daten zur neuen Plattform nennt Geely bislang nicht. Offen ist damit auch, welche maximale Ladeleistung künftige Serienmodelle erreichen werden. Das Ziel lässt sich jedoch aus der bereits vorhandenen Infrastruktur ableiten: Geely hat nach eigenen Angaben mehr als 2.100 Zeekr-Ladepunkte errichtet, die mit bis zu 1.500 kW arbeiten können.
Lynk & Co 10 lädt schon heute extrem schnell
Wie weit Geely mit der aktuellen 800-Volt-Technik bereits gekommen ist, zeigt der Lynk & Co 10. Die Elektro-Limousine mit 95-kWh-Batterie soll in einem Ladetest lediglich 5:32 Minuten für den Sprung von zehn auf 80 Prozent benötigt haben. Von zehn auf 97 Prozent dauerte der Vorgang 8:42 Minuten. Interessant ist dabei die tatsächliche Spannung der Batterie. Der Lynk & Co 10 wurde teilweise als Fahrzeug mit 900-Volt-Technik bezeichnet. Die Nennspannung der Batterie beträgt laut den vorliegenden technischen Angaben jedoch 772,8 Volt. Damit handelt es sich technisch um ein 800-Volt-System.
Trotzdem erreichte der Lynk & Co 10 an einer Zeekr-Schnellladestation kurzzeitig eine Ladeleistung von bis zu 1.100 kW. An einer Flash-Charging-Station von BYD wurden dagegen lediglich maximal 430 kW erreicht. Das zeigt zugleich, wie stark die tatsächlich mögliche Ladeleistung vom Zusammenspiel aus Fahrzeug und Ladesäule abhängt. Entscheidend ist zudem der Unterschied zwischen Spitzenleistung und durchschnittlicher Ladeleistung. Die genannten 1.100 kW wurden nur kurzfristig erreicht. Für die tatsächliche Ladezeit ist deshalb die gesamte Ladekurve wichtiger als ein einzelner Peak.
Die 1.500-kW-Säulen sind bereits vorhanden
Geely könnte mit der 1.000-Volt-Technik deshalb vor allem die Lücke zwischen Fahrzeugen und eigener Ladeinfrastruktur schließen. Die vorhandenen Zeekr-Ladesäulen können bereits bis zu 1.500 kW bereitstellen, die aktuellen Fahrzeuge können diese Leistung noch nicht vollständig nutzen. Ob künftige Geely-Modelle tatsächlich mit 1,5 MW laden, ist allerdings noch nicht bestätigt. Eine höhere Spannung allein reicht dafür nicht aus. Auch Batteriechemie, Zellaufbau, Thermomanagement, Leistungselektronik und vor allem die Ladekurve müssen für derart hohe Leistungen ausgelegt sein.
Der Vorteil höherer Spannung liegt dabei auf der Hand: Für eine bestimmte elektrische Leistung kann bei steigender Spannung ein geringerer Strom fließen. Das reduziert die Verluste und erleichtert die Auslegung von Kabeln und weiteren Hochvolt-Komponenten. Für Ladeleistungen im Megawattbereich wird diese Kombination zunehmend wichtig.
BYD ist bereits einen Schritt weiter
Beim Wettlauf um das extrem schnelle Laden ist Geely allerdings nicht der Vorreiter. BYD setzt die 1.000-Volt-Technik bereits in Serienfahrzeugen ein. Die 2025 vorgestellte Super e-Platform kommt unter anderem im Han L EV und Tang L EV zum Einsatz. BYD nennt Ladeleistungen von mehr als 1.000 kW und verspricht, innerhalb von fünf Minuten Energie für rund 400 Kilometer nach dem chinesischen CLTC-Zyklus nachladen zu können.
Auch bei der Ladeinfrastruktur geht BYD mit seinen Megawatt Flash Chargern in diese Richtung. Die Technik ist auf bis zu 1.360 kW ausgelegt. Damit konkurrieren die beiden chinesischen Konzerne nicht nur bei Batterien und Fahrzeugplattformen, sondern zunehmend auch beim Aufbau eines passenden Schnellladenetzes. Hinzu kommt CATL. Der Batteriehersteller arbeitet an einer zweiten Generation seiner Shenxing-Batterie, die Ladeleistungen von bis zu 1,3 MW ermöglichen und in fünf Minuten Energie für bis zu 520 Kilometer CLTC-Reichweite nachladen soll. Das Rennen um extrem kurze Ladezeiten ist damit längst mehr als ein Duell zwischen Geely und BYD.
Für Europa sind solche Ladezeiten noch weit entfernt
Für europäische Autofahrer bleiben Ladeleistungen von 1.000 kW und mehr vorerst eine Randerscheinung. Selbst wenn entsprechende Geely-Modelle künftig auf den europäischen Markt kommen, fehlt vielerorts die Infrastruktur, um die möglichen Ladeleistungen auszuschöpfen. Die leistungsfähigsten öffentlich zugänglichen Schnelllader in Europa liegen derzeit meist deutlich unterhalb der Megawattklasse.
Geelys 1.000-Volt-Architektur ist deshalb vor allem ein Blick auf die nächste Entwicklungsstufe des Elektroautos. Bemerkenswert ist weniger die reine Ankündigung als die Kombination mit der bereits aufgebauten 1,5-MW-Infrastruktur. Geely entwickelt nun die Fahrzeuge, die diese Leistung künftig nutzen könnten.
