9 kreative Camper statt teutonischem Einheitsbrei
Während deutsche Wohnmobil-Marken vorwiegend auf Bewährtes setzen, kommen die kreativsten Grundriss-Ideen aus Frankreich, Italien und Spanien.
Hinten ein Querbett im Heck oder Einzelbetten längs, in der Mitte Bad und Küche und die Halbdinette vorn. Wer die Neuheiten deutscher Wohnmobilhersteller durchblättert, stößt Saison für Saison auf sehr viele ähnliche Grundrisse. Die Verpackung ändert sich, das Layout selten. Innovation findet bei Technik und Materialien statt, bei Batterien, Apps und Assistenzsystemen. Beim Grundriss, also dort, wo der Wohnalltag tatsächlich passiert, herrscht wenig Abwechslung. Wer echte Überraschungen sucht, muss den Blick auf französische, italienische und spanische Marken richten.
Im Westen und Süden Europas trauen sich Entwickler der Wohnmobilhersteller eher, Konventionen zu brechen: Sie tauschen Küche und Sitzbank, erfinden den Kleiderschrank neu oder packen ein Queensbett in einen Kastenwagen. Zwölf Modelle in fünf Kategorien zeigen, wie Grundrissgestaltung auch funktionieren kann.
Clevere Raumnutzung schafft Flexibilität für zwei
Wer zu zweit reist, braucht kein Raumschiff. Aber clevere Lösungen, die den vorhandenen Platz maximal ausnutzen. Diese fünf Modelle beweisen, dass modulare Möbel, verstellbare Betten und schmale Aufbauten typische Platzprobleme elegant lösen.
1. Roller Team Kronos Fit 235 TL
Wer dachte, ein vollwertiges Wohnmobil auf sechs Metern Länge sei ein Ding der Unmöglichkeit, wird vom Roller Team Kronos Fit 235 TL eines Besseren belehrt. Das Geheimnis liegt im Hubbett über der Sitzgruppe, das sich elektrisch nach oben fahren lässt und so tagsüber wertvollen Wohnraum freigibt. Für eine richtig große Heckgarage bleibt auf sechs Meter Länge kein Platz, dafür ersannen die Entwickler eine ausziehbare Heckbühne, die stabil genug ist, um einen Motorroller oder zwei E-Bikes zu transportieren.
2. Chausson X650 und X640
Mit 6,36 Metern so lang wie ein großer Kastenwagen, bietet der Chausson X650 mehr Wohn- und Verstaukomfort als ein handelsüblicher Campingbus-Ausbau. Im Heck bringt er einen "Smart Dressing Room" unter: ein Kleiderschrank mit höhenverstellbarem Regalsystem, dessen Boden sich elektrisch so weit hochfahren lässt, dass in der darunterliegenden Heckgarage bis zu zwei Fahrräder Platz finden. Stauraum oben, Mobilität unten: ein typisch französischer Doppelnutzen. Den X650 gibte es nur noch aktuell als Auslaufmodell und als gebrauchten. Zum Glück wird er von einem Nachfolger ersetzt, dessen Raumnutzung genauso kreativ erscheint, dem Chausson X640.
Die X-Modelle von Chausson besetzen eine Nische, die immer mehr Fans findet: Sie sind schmaler und kompakter als klassische Teilintegrierte, fahren sich fast wie ein Kastenwagen, bieten aber deutlich mehr Wohnkomfort und Raumgefühl. Auf einem Fiat-Chassis mit 140 PS und manuellem Getriebe misst der X640 6,55 Meter in der Länge bei nur 2,10 Meter Breite. Für das Modelljahr 2027 erweitert Chausson diese Baureihe um den X640, der den bisherigen X650 ablöst.
3. Giottiline Siena 340
Giottiline holt mit dem Siena 340 die fast vergessene Hecksitzgruppe zurück in einen Teilintegrierten. Insgesamt sechs Sitzplätze im Stand stehen bereit, darüber befindet sich mit einem Hubbett der einzige vollwertige Schlafplatz für zwei Personen. Sonst passen in den 5,99 Meter langen Teilintegrierten nur noch Das Bad auf der Beifahrerseite und der Küchenblock links. Paare müssen das Hubbett trotzdem nicht immer nach oben fahren, wenn sie es sich im Wohnmobil gemütlich machen wollen. Vorne gibt e nämlich einen Schwenktisch, den Camperinnne zwischen die beiden Cockpit-Sitze drehen können, um zusammen einen Kaffee zu trinken oder abends zu lesen, wenn die zweite Person schon im Bett ist. Für Paare, die viel Zeit im Wohnmobil verbringen eine gute Lösung.
4. Rapido 666F
Der Rapido-Konzern fährt hier kein Wohnmobil für Satanisten vor, rollt aber sein Alleinstellungsmerkmal der höhenverstellbaren Einzelbetten breiter aus. Nach der ersten Präsentation bei Schwestermarke Itineo kommt das Feature nun serienmäßig im beliebten Teilintegrierten Rapido 666F. Auf Knopfdruck lassen sich die Betten um 20 Zentimeter anheben oder absenken, die Garagenhöhe variiert dadurch von 100 bis 120 Zentimeter. Sind die Betten oben, passen problemlos Fahrräder hinein. Der Preis liegt bei 88.200 Euro.
Das erste Queensbett im Campingbus
Ein echtes Queensbett im Campingbus galt bislang als unmöglich. Rapido und Schwestermarke Dreamer beweisen das Gegenteil.
5. Dreamer D64 / Rapido V64
Als erster Hersteller wagt sich die französische Marke Rapido im V63 bzw. Dreamer im D64 an ein Queensbett im Campingbus. Um im Heck Platz dafür zu schaffen, sortieren die Franzosen die Raumaufteilung komplett neu: Die Küche wandert auf die linke Fahrzeugseite hinter den Fahrersitz, statt wie üblich an die Schiebetür. Der Grundpreis liegt bei 71.000 Euro, als Dreamer Saphir mit nahezu Vollausstattung bei 79.000 Euro.
Endlich getrennte Wohnbereiche: Familien-Grundrisse, die funktionieren
Viele Familien-Wohnmobile bieten Schlafplätze für fünf, aber nur einen einzigen Wohnbereich. Italienische, französische und spanische Hersteller denken weiter und schaffen zwei getrennte Zonen, damit Kinder spielen können, während Erwachsene entspannen.
6. Benimar Mileo 282 First Light Edition
Die spanische Marke Benimar liefert mit dem Mileo 282 First Light Edition einen Hecksitzgruppen-Teilintegrierten. Den ungewöhnlichen Grundriss kennen manche noch von früher. Stilgebend ist die Hecksitzgruppe: Dort fehlt zwar ein festes Bett, dafür lassen sich die Bänke zur Liegefläche umbauen, während der Hauptschlafplatz als Hubbett über der Face-to-Face-Sitzgruppe vorn wartet. Nebeneffekt des Grundrisses: Es entstehen zwei Wohnbereiche, wovon sich einer als "Kinderzimmer" nutzen lässt. So geht Familienmobil.
7. Giottiline Siena 396
Nur 7,40 Meter lang und trotzdem genug Platz für fünf Betten, zwei Wohnbereiche und ein variables Heck, das wahlweise als Kinderzimmer oder Laderaum taugt. Mit dem Siena 396 zeigt Giottiline, wie sich Grundriss-Design und Familienalltag vereinen lassen. Giottiline öffnet den Heckraum für mehrere Nutzungen: Schlafen, Spielen, Sitzen, Essen oder Verstauen. Der wandelbare Aufbau inklusive klappbarer Betten und integrierbarem Tisch stellt sich auf wechselnde Tagesabläufe ein.
8. Itineo Famili SB740
Eine Besonderheit an des Itineo Famili SB740 ist der Grundriss mit Kinderzimmer im Heck, den es so sonst eher selten gibt. Itineo baut Integrierte, die für Familien gemacht sind. Der Famili kostet ab 74.600 Euro. Damit bleiben sich die Franzosen dem Kern der Marke treu: integrierte Wohnmobile für Familien zu gemäßigten Preisen.
Face-to-Face: Ein französischer Exportschlager
Zwei Längsbänke, die sich gegenüberstehen: Das ist in Frankreich längst Standard, in Deutschland erst im Kommen. Die Face-to-Face-Sitzgruppe schafft ein großzügiges Raumgefühl, besonders in Integrierten und schmalen Teilintegrierten. Außerdem erspart sie Paare das Eindrehen der Cockpitsitze, wenn sie sich beim essen gegenübersitzen möchten.
9. Challenger 3048
Der Challenger 3048 ist zurück. Er soll sein, was viele Wohnmobile gern behaupten: Hotelkomfort auf vier Rädern. Die Face-to-Face-Sitzgruppe lässt sich zum Bett umbauen, über dem Fahrerhaus wartet ein Hubbett für zwei Personen. Mit 7,47 Metern Länge und 2,16 Metern Innenhöhe bietet er selbst großen Personen genug Bewegungsfreiheit.
