Einige Details trüben das Fazit zum LMC-Topmodell
Der Flugplatz Hahnweide und die Burg Teck in Kirchheim nahe Stuttgart bilden die Kulisse für den Test des LMC Videro.
Der Videro, Caravan-Flaggschiff von LMC, pflegt den modern-minimalistischen Auftritt. Reicht das, um im Test zu brillieren?
Seit knapp drei Jahren hört die gehobene Wohnwagenbaureihe aus dem Hause LMC auf den Namen Videro. Den Komfort auf ein neues Niveau heben, so lautete das vollmundige Versprechen aus Sassenberg. Einher ging der Modellwechsel mit einer deutlichen Modernisierung des Designs – LMC spricht vom Japandi-Stil, der japanischen Minimalismus mit skandinavischer Gemütlichkeit kombinieren soll. Technisch punktet der Videro mit GfK-Boden samt feuchtigkeitsresistenter XPS-Isolierung, Combi-Heizung, Kompressor-Kühlschrank und Gas-/Induktionskochfeld.
Besonders beliebt bei Paaren: der 510 E mit Einzelbetten und Rundsitzgruppe auf knapp 7,5 Meter Gesamtlänge. Dieser Grundriss muss im Test zeigen, ob der mindestens 34.900 Euro teure Caravan sein Komfort-Versprechen einlösen kann.
Schon von außen beeindruckend, doch Details stören
Nähern wir uns von außen. Die glatten GfK-Wände machen einen wertigen Eindruck, unterstützt von den serienmäßigen Rahmenfenstern. Schwarze 17-Zoll-Alufelgen stehen dem Videro gut, vergrößern die Einstiegshöhe jedoch auf happige 55 Zentimeter – da geht Optik vor Funktion. Löblich sind die separaten Opferecken am Heckleuchtenträger, die bei einer Beschädigung die Reparaturkosten gering halten.
Der Deichselkasten gefällt mit Riffelblechboden und niedriger Schwelle. Allerdings verbaut LMC auch beim Topmodell einen einfachen Klappdeckel, der beim Öffnen schnell mit einem Fahrradträger auf der Deichsel kollidiert. Der Testwagen fiel zudem mit unschön hervortretender Dichtmasse an manchen Aufbaukanten auf.
Möbelbau beeinträchtigt das wohnliche Ambiente
Hinein geht es durch eine mit 62 Zentimetern angenehm breite Aufbautür, die mit Fliegengitter, Fenster und Mülleimer ausgestattet ist. Rechter Hand befinden sich zwei Haken zum Aufhängen von Jacken. Die sind so auch von draußen schnell griffbereit, baumeln allerdings mehr oder weniger frei vor dem rechten Sofa der U-Sitzgruppe. Alternativ ist der beleuchtete Kleiderschrank gegenüber dem Eingang nicht weit.
Die Gestaltung wird dem minimalistisch-gemütlichen Anspruch gerecht, der Möbelbau indes geriet mit geraden Klappen und sichtbaren Möbelverbindern sowie Kunststoff-Abdeckkappen auf den Verschraubungen ziemlich einfach – erst recht in Anbetracht des aufgerufenen Preises. Unschön sind auch die weit hervorstehenden Scharniere der Badtür. Aber: An Stabilität und Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen.
Untermauert wird das Design vom gelungenen Lichtkonzept mit umfangreicher Ambientebeleuchtung auf mehreren Ebenen. Die Bedienung mit den teils doppelt belegten und unklar definierten Lichtschaltern ist aber wenig eingängig. Als Leselampen kommen verschiebbare Spots in den Stromschienen über Sitzgruppe und Betten zum Einsatz – eine gute Lösung. Auch je ein Würfel mit USB-A-Steckdose ist in den Leisten flexibel platzierbar, es sind jedoch die beiden einzigen USB-Anschlüsse im Videro.
Große Sitzgruppe mit Stauraum
Die Sitzgruppe im Bug hält viel Platz rund um den stabilen Einsäulen-Tisch bereit. Die Polster sind straff, die Rückenlehnen angenehm ausgeformt. Zum Lümmeln mit hochgelegten Beinen stattet LMC die Bugpolster rechts und links mit erhöhten Kopfteilen aus. An sich eine gute Idee, doch gemütliches Zurücklehnen verhindern die schräge Bugwand und der Rahmen des Fensters. Dazu baumelt der Vorhang selbst in hochgezogenem Zustand störend herum. Das gilt auch, wenn man mittig auf dem Bugsofa sitzt.
In der linken Sitztruhe steckt der 44-Liter-Frischwassertank. Die Stauräume in den übrigen Truhen sind dank geteilter Polster passabel erreichbar, nur spart sich LMC eine Klappe in der Stirnseite der rechten Truhe, die sie auch von außen leicht zugänglich machen würde.
In der Küche wartet ein besonderes Herzstück
Der Küche mangelt es wie so häufig an Arbeitsfläche. Stauraum für Geschirr und Vorräte gibt es in drei breiten Schubladen sowie einem mehrfach unterteilten Hängeschrank dafür ausreichend. Die Schubladen verriegeln sicher mit – im Testwagen leicht hakeligen – Push-Locks. Dem Hängeschrank sowie seinen Pendants an Sitzgruppe und Betten spendiert LMC Verschlüsse mit elegant versteckten Griffen.
Ein Highlight im Videro stellt das Kombi-Kochfeld mit einer Induktionsplatte und zwei Gasbrennern dar. Hier ist genug Platz auch für größere Töpfe und Pfannen. Die auf die Glasplatte aufgesetzten Gasbrenner sind schick, die Glasfläche muss aber ständig sauber gehalten werden. Die Rundspüle nebendem Herd hat eine vernünftige Größe.
Eine Flächenlampe unterm Hängeschrank sorgt für eine gut beleuchtete Küchenplatte. Die weiße Schaltfläche auf dem weißen Rahmen ist jedoch kaum zu erkennen – man drückt ständig daneben. Der große Kühlschrank gegenüber der Küche arbeitet mit effizienter Kompressor-Technik, das Brummen bleibt aber stets hörbar und die Bedienung des aus vielen Fahrzeugen der Hymer-Gruppe bekannten China-Modells erfordert etwas Eingewöhnung – warum zum Beispiel muss man die Taste zum Ausschalten zehn Sekunden lang – gefühlt eine Ewigkeit – gedrückt halten?
Kein Bad für große Menschen
Gegenüber der Küche befindet sich das Bad mit überschaubaren Platzverhältnissen. Der Unterschrank des Waschtisches schränkt den Knieraum auf der Toilette ein. Das Waschbecken fällt an sich schön groß aus, doch bei geschlossener Tür bleibt zu wenig Platz, um sich beim Zähneputzen vornüber zu beugen.
Offene und geschlossene Fächer nehmen Kosmetika und Co. auf. Es gibt einen Handtuchbügel unterm Schrank hinter der Toilette, allerdings weder einen weiteren Haken noch einen Klorollenhalter. Die Duschausstattung mit Vorhang verbaut LMC optional. Es bleibt jedoch wenig Platz unter der Brause. Somit ist die Dusche eher eine Notlösung, zumal der Bodenwanne eine Abdichtung fehlt.
Gut: die Belüftung des Bades mittels 40er-Dachluke und Fenster – für das LMC allerdings Aufpreis verlangt.
Große Betten mit viel Schlafkomfort
Viel Komfort bietet dafür das Schlafzimmer des Videro 510 E. Satte 16 Zentimeter dicke Kaltschaummatratzen liegen auf Tellerfedern und schaffen exzellenten Schlafkomfort. Dazu sind die Einzelbetten mit 200 und 208 Zentimetern ungewöhnlich lang – gut für groß gewachsene Camper. Die kleine Kommode zwischen den Betten, in der sich auch der Rollrost für die Erweiterung zum Doppelbett verbirgt, baut jedoch etwas höher als der Unterbau der Liegeflächen. Ergebnis: Die Matratzen liegen im Kopfbereich nicht eben auf, sondern steigen zur Mitte leicht an – das sollte LMC unbedingt ändern.
Gut erreichbar sind die Stauräume unter den Betten, die zudem frei von Technik bleiben und somit voll nutzbar sind. Die Warmluftschläuche sind hier – anders als in den Sitztruhen vorn – gut vor verrutschender Ladung geschützt. Eine Außenklappe verbaut LMC serienmäßig nur zum rechten Stauraum.
Eine gute Nachricht zum Schluss: Der leer 1.375 Kilogramm schwere Testcaravan bietet dank maximaler Auflastung (zwei Tonnen zulässige Gesamtmasse) Zuladung satt. Mit der 1,6-Tonnen-Serienachse dürfte es mit gewichtigen Extras wie Rangierhilfe oder Dachklimaanlage aber schnell knapp werden.
Das fiel uns auf
(+)Vorn stehen die Aufnahmen der Kurbelstützen leicht hervor und sind so ohne Kniefall sehr gut erreichbar.
(+)Die 62 Zentimeter breite Aufbau- tür erleichtert den Ein- und Ausstieg insbesondere mit Gepäck.
(+)Kombi-Kochfeld mit Gas und Induktion und Platz für größere Töpfe/Pfannen. Glasfläche schmutzempfindlich.
(+)Tellerfedern und 16 Zentimeter dicke Kaltschaummatratzen sorgen für sehr hohen Schlafkomfort ...
(-)... doch liegen die Matratzen im Kopfbereich wegen der höher bauenden Ablage in der Mitte nicht eben auf.
(-)Viele sichtbare Verbinder, Abdeckkappen und hervorstehende Scharniere trüben das Bild des soliden Möbelbaus.
(-)Weißer Schalter auf weißem Grund: Das Ein- und Ausschalten des Küchenlichts erfordert Fingerspitzengefühl.
(-)Die stylischen 17-Zoll-Alufelgen gehen mit einer unkomfortablen Einstiegshöhe von 55 Zentimetern einher.
Preise und Ausstattung
Grundpreis: 34.900 Euro/Testwagenpreis: 36.995 Euro
- Auflastung auf 2.000 kg zul. Gesamtmasse (6 kg): 545 Euro ✘✔
- Duschpaket (10 kg): 890 Euro ✘
- Fenster im Bad (2 kg): 270 Euro ✘
- Außensteckdose Gas, TV (1 kg): 390 Euro ✘
- Schiebefenster Küche (3 kg): 260 Euro ✔
- Digitales Bedienteil für Combi-Heizung (0 kg): 130 Euro ✔
- Autarkie-Paket mit 95-Ah-AGM-Akku (33 kg): 890 Euro
- Elektronische Stabilisierung Alko ATC (4 kg): 1.020 Euro
- Aufstelldach mit Dachbett (120 kg): 4.990 Euro
- Dachklimaanlage (35 kg): 2.380 Euro
✘im Testwagen enthalten; ✔empfehlenswert
Fahrzeugdetails LMC Videro 510 E
- Grundpreis ab: 34.900 Euro
- Länge/Breite/Höhe: 7,58/2,33/2,66 m
- Zul. Gesamtgewicht: 1.600–2.000 kg
- Schlafplätze: 2+2
Karosserie
- Aufbau: Sandwichbauweise mit EPS- und XPS-Schaumisolierung. Dach GfK (30 mm), Seitenwände GfK (30 mm), Bug/Heck GfK. Boden GfK-Sandwich (40 mm). Deichselkasten aus ABS, einfacher Klappdeckel mit Gasdruckdämpfer. Einteilige Aufbautür 164 x 62 cm mit Fenster, Einstiegshöhe 55 cm. Serviceklappe 98 x 40 cm.
- Anbauteile: einteiliger Heckleuchtenträger mit Opferecken, Rangierstange. Bugelemente aus ABS, integrierte Rangiergriffe.
- Fenster/Hauben: 7 Ausstellfenster mit Rastaufstellern und Duoplissee-Verdunkelung, 1 große (66 x 47 cm) und 3 kleine (36 x 36 cm) Dachluken.
Möbel
- Material/Beschläge: Sperrholzmöbel mit Metallscharnieren, integrierten Federaufstellern und Softclose-Funktion an Hängeschränken. Schubladen und Kleiderschrank mit Pushlock-Verriegelung. Hängeschränke mit Hakenschnäppern. Schubladen mit Selbsteinzug. Fallenschloss Badtür.
Bordtechnik
- Gas/Heizung: Gasheizung Truma Combi 6 mit manuellem Bedienteil, 12-Volt-Gebläse, 4 Ausströmer (1 x Sitzgruppe, 1 x Eingang, 1 x Bad, 1 x Bett).
- Wasseranlage: 44-Liter-Frischwassertank in der Sitztruhe, Tauchpumpe. Elektrik: Umformer Dometic SMP 301-01, 400 W. 6 Steckdosen (3 x Sitzgruppe, 2 x Küche, 1 x Bett). 2 x USB-A (verschiebbar in Stromschienen vorn und hinten).
- Beleuchtung: Deckenlicht in Lukenrahmen (Sitzgruppe und Bad), je 2 Lesespots Sitzgruppe/Betten, Ambientelicht über/unter Hängeschränken, Flächenlampe als Küchenarbeitslicht, Vorzeltleuchte.
- Küchenausstattung: Kombi-Kochfeld mit 1 Induktionsplatte und 2 Gasbrennern mit Zündhilfe, Rundspüle mit abgesetztem Hebelmischer. Kompressor-Kühlschrank mit 132 Liter Nutzinhalt und 15 Liter Gefrierfach.
- Sanitär:Thetford-Drehtoilette C200S. Aufgesetztes Waschbecken mit Hebelmischer. Duschausstattung mit Brause und Vorhang.
