Die nagelneue Luxusbaureihe von Knaus
Im 660 PXB kommen Bugküche, Rundsitzgruppe, Couch, quer eingebautes Queensbett und wagenbreites Heckbad zusammen – plus Alde-Warmwasserheizung.
Mit der Baureihe Nordwind etabliert Knaus nicht nur ein neues Topmodell oberhalb des Südwind, sondern bekennt sich auch klar zum Caravan. Mehr noch: Mit neu gezeichnetem und konstruiertem Bug und frisch modelliertem Heck bereitet der Nordwind den Boden für das schrittweise Remake der heutigen Baureihen Südwind und Sport. Der Nordwind zeige, so Markenchef Jürgen Thaler, wie Knaus-Caravans in die Zukunft gehen werden.
Dass sich der Wind bei Knaus gedreht hat, zeigt auch das Topmodell deutlich. Zwar spricht der Hersteller davon, seine Innovationskraft weiter auszubauen, doch passiert das im Nordwind dosiert und ohne die großen Versprechen der Vergangenheit. Will sagen: Der Nordwind ist ein klassischer Caravan mit konventionellem Alu-Styropor-Sandwich geblieben, zeigt sich aber in etlichen Details sinn- und stilvoll überarbeitet und vor allem im Interieur recht aufwendig gestaltet.
Neue Features und Design
Zu den Neuerungen am Aufbau gehört der Gaskasten. Schwenkt die im Prototyp ziemlich schwere Bugklappe senkrecht nach oben, gibt sie eine riesige Öffnung frei, durch die sich nicht nur die Gasflaschen und ein mobiler Abwassertank leicht ein- und ausladen lassen sollen, sondern auch ein Ersatzrad auf einer optionalen 17-Zoll-Alufelge – serienmäßig rollt der Nordwind übrigens auf 14-Zoll-Alurädern. Links und rechts neben der großen Klappe versteckt sich eine tiefgreifendere konstruktive Neuheit. Die beiden sichtbaren schwarzen Kunststoff-Blenden mit den integrierten vorderen Positionsleuchten sind Teil zweier sogenannter wasserführender Schichten, die den Sandwichaufbau unter der weißen ABS-Bugverkleidung vor Gischt- und Regenwasser abschirmen und es gezielt nach unten ableiten.
Zum stimmigen Erscheinungsbild des Nordwind tragen auch die neuen flachen Alu-Kantenprofile bei, die das mit GfK belegte Dach mit den auf Wunsch auch silber lackierten Alu-Glattblechwänden harmonisch verbinden. Auch am Heck spielt eine Aluleiste eine zentrale Rolle: Zwischen Dach und dem für Knaus typischen, nach außen gewölbten und dadurch einige Zentimeter Innenlänge generierenden Fold-X-Pand-Heck nimmt sie das wagenbreite dritte Bremslicht auf. Im nur dezent aufragenden neuen Stoßfänger tun getönte Voll-LED-Rückleuchten Dienst. Schick geworden sind auch die in die vorderen und hinteren senkrechten Kantenprofile eingearbeiteten Rangiergriffe. Richtig anpacken konnten wir die allerdings noch nicht – für den Prototyp sind sie im 3D-Drucker gewachsen.
Innenausstattung und Komfort
Serienmäßig wird der Nordwind Ausstellfenster mit Alurahmen und Plissee-Rollos bekommen. Im Musterwagen waren es noch PU-Rahmenfenster mit schlichteren Rastrollos, die dem Anspruch von Knaus und der anvisierten Kundschaft nicht genügen würden. Bei der Aufbaukonstruktion selbst bleibt Knaus konservativ: Doch mit 33 Millimetern Wand- und Dach- sowie 48 Millimetern Bodenstärke ist der Nordwind vor allem am Boden besser gedämmt als sein Schwestermodell Südwind. Mit der serienmäßigen Warmwasserheizung von Alde, die ihr Heizmedium auch durch den Boden schickt und sowohl mit Gas als auch mit Strom betrieben werden kann, sollte das Topmodell gut für die kalte Jahreszeit gerüstet sein.
Die komfortsuchende Kundschaft bedient Knaus mit drei Grundrissen. Sie alle sind 2,50 Meter breit, doch nur der 590 EU mit Einzelbetten im Bug und Rundsitzgruppe im Heck rollt auf einer Einzelachse. Die beiden 660er-Modelle UDF (Rundsitzgruppe, Seitendinette und französisches Bett im Heck) und der hier gezeigte PXB setzen auf ein 2,5-Tonnen-Doppelachs-Chassis von Alko, das in beiden Fällen einen 7,39 Meter langen Aufbau trägt.
Grundrisse und Raumaufteilung
Der Erstgeborene, ein Nordwind 660 PXB, transportiert das Thema Komfort und Weitläufigkeit mit Bugküche, Rundsitzgruppe, Couch, quer eingebautem Queensbett und wagenbreitem Heckbad wahrscheinlich am konsequentesten. Schon der Einstieg in den PXB ist dank der 60 Zentimeter breiten, mit Fenster, Tasche und Kleiderhaken ausstaffierten Tür ein Leichtes – trotz der durch die 17-Zoll-Optionsräder verursachten gesteigerten Schwellenhöhe.
Drin angekommen, steht man auf der großen Fläche zwischen Winkel-Bugküche und Sitzlandschaft. Sechs Schubladen, zwei mehrstöckige Apothekerauszüge, allesamt von soliden, selbsteinziehenden Auszügen geführt, sowie ein zweistöckiger Schrank lassen keinen Zweifel, dass man hier alles Erdenkliche zur Selbstversorgung unterbringt. Der Schrank zwischen Arbeitsplatte und Tür zeigt sich zudem variabel: Wird der untere Teil von zwei Einlegeböden befreit, dient er als beheizte Garderobe mit Kleiderstange.
Küche und Ausstattung
Mahlzeiten bereitet man im Nordwind auf zwei Gasbrennern und einer 230-Volt-Induktionskochplatte zu. Während im 590 EU und im 660 UDF der Kochdunst per Abzug ins Freie befördert wird, kommt im PXB ein Aktivkohlefilter zum Einsatz. Das in allen Nordwind serienmäßige Panoramafenster lässt sich zum Lüften nicht öffnen. Rechts neben der Spüle, die in Serie noch deutlich wächst, bleibt Platz genug zum Arbeiten und für eine Kaffeemaschine.
Erstmals ab Werk wird auch eine Kombination aus Backofen mit Mikrowelle und Airfryer angeboten. Damit kein toter Raum im Küchenkorpus entsteht, ist der hintere Teil zwischen Kühlschrank und Bugwand durch eine Seitenklappe rechts vorn erreichbar – aber eben auch nur von dort. Ebenfalls dort installiert wird der als Extra erhältliche 40-Liter-Fest-Abwassertank, der mit Spüle und Waschbecken verbunden ist – der tief liegende Duschwannenabfluss mündet dann ins Freie.
Wohnbereich und Stauraum
Der Kühlschrank mit beidseitig öffnender Tür arbeitet mit einem 12-Volt-Kompressor. Doch die Bordbatterie, die für den lückenlosen Betrieb des 153-Liter-Gerätes auch in Fahrpausen sowie der Heizungssteuerung nötig ist, steht nur in der Aufpreisliste. Die Sitzlandschaft besteht aus einer Rundsitzgruppe und einem 1,92 Meter breiten Seitensofa. Für Letzteres hat Knaus einen besonders weichen Schaum ausgesucht, der zusammen mit dem auffällig strukturierten Bouclé-Stoff für ein wirklich flauschiges Sitzgefühl sorgt. Optional baut Knaus anstelle des Sofas ein Sideboard mit Ablagen statt Oberschränken ein, an dem sich nicht nur ein Großbildschirm befestigen lässt, sondern das auch eine offene, beheizte Garderobe am Eingang bereitstellt.
Im Sitzrund, in dessen Mitte ein 90 × 90 cm großer Tisch steht, sind die Polster nicht unangenehm hart. Mit zwei frei positionierbaren Nackenpolstern lässt sich der Komfort nochmals steigern. Auf dem der Küche zugewandten Sitzplatz fehlt zum Wohle des Durchgangs eine Rückenlehne. Richtung Bett ist eine da. Um an die vorderen Sitztruhen zu gelangen, hebt man die Sitzpolster einfach ab; Richtung Heck mitsamt der fest verbundenen Rückenlehne. Wer sich das sparen möchte, bekommt als Option Auszüge für beide Schenkel der Sitzgruppe. Viel Platz ist dort aber nicht.
Technik und Stauraum
In den Sitztruhen an der Außenwand, die über klappbare Polster mit eingenähter Verstärkung zugänglich sind, breiten sich die Elektrik und der 45-Liter-Wassertank aus. Unter dem Sofa bzw. dem optionalen Sideboard arbeitet die Alde-Heizung, daneben bleibt Raum für Gepäck. Der Hauptstauraum, für optimale Zirkulation der Innenluft zu den Heizungskonvektoren mit einem Einlegeboden versehen, befindet sich von innen und über eine Außenklappe zugänglich unter dem Queensbett.
Das lässt sich, wie in etlichen anderen Caravans mit diesem Grundriss (z. B. von Kabe und Polar oder beim Adria Alpina 663 HT), tagsüber komprimieren, wobei sich das Kopfteil aufstellt. Nachts zieht man es auf volle zwei Meter Länge aus, die Breite beträgt 1,48 Meter. Mit einer 16 cm dicken Matratze und Tellerfederrost dürfte der Schlafkomfort auch höheren Ansprüchen gerecht werden. Links und rechts des Bettes stehen zwei schmale Kleiderschränke Spalier. In deren Unterbau bringt Knaus je zwei Auszüge unter.
Die letzten 80 cm des Aufbaus sind für das Bad reserviert, das neben einer eher einfach gestalteten separaten Duschkabine einen gut nutzbaren Waschtisch und die Toilette beherbergt, deren Kassette über einen sehr gut abgedichteten Schacht herausgezogen wird. An Stauraum und Ausstattung herrscht auch hier kein Mangel. Ein zweites Fenster ersetzt in der Duschkabine einen elektrischen Dachlüfter.
Gemütlichkeit und Beleuchtung
Insgesamt fällt der große Wille auf, den Nordwind gemütlich und hochwertig erscheinen zu lassen. Dazu tragen die Wandverkleidungen aus mit Stoff bezogenem und geprägtem Filz bei, der zudem etwas Schall schluckt. Wandfluter und zwei Leuchtstreifen in der Decke ergänzen die in Schienen dreh- und frei positionierbaren Lese- und die insgesamt sechs kleinen Deckenspots. Letztere sind ein Gestaltungselement, das man so auch von Adria-Caravans kennt. Deren gute Lichtausbeute steht dem Fakt entgegen, dass große Camper mit dem Kopf daran streifen können. Die Stehhöhe selbst ist mit 1,96 Meter passabel. Positiv ist auch, dass alle vier Lesespots eine USB-C-Buchse im Fuß haben.
Selbst der Bettkasten sowie die Sitztruhen tragen außen gepolsterten Stoff. Etwas nackt ist nur die Wand gegenüber dem Fußende des Bettes. Doch lässt sich dieser kleine Kritikpunkt mit dem Schließen des Vorhangs beheben. Die Klappen der Dachstauschränke werden von wuchtigen Scharnieren geführt, schließen überall mit mechanischen Hakenschnappverschlüssen und verbergen auch Ablagen im unteren Schrankteil.
Technische Daten und Ausstattung
- Schlafplätze: 2+1
- Zul. Gesamtgewicht: 2500 kg
- Länge/Breite/Höhe: 8,65/2,50/2,62 m
- Grundpreis ab: ca. 49.000 Euro
Aufbau und Technik
- Aufbau: Sandwichbauweise mit EPS-Dämmung. GfK-Dach (33 mm), Alu-Glattblech-Seitenwände (33 mm) in Weiß oder Silber. Boden Sperrholz-EPS-Sandwich (48 mm). Integrierter Flaschenkasten mit Parallelogrammöffnung. Einteilige Aufbautür (60 cm breit) mit Fenster, Moskitoschutz, Tasche, Kleiderhaken und Schirmfach.
- Ausbau: Sperrholzmöbel mit Metallscharnieren mit integrierten Aufstellern, Metall-Hakenschnäpper mit Tasten an Oberschränken, Schubladen und Auszüge mit Selbsteinzug.
- Bordtechnik: Warmwasser-Heizung Alde Compact 3020 mit integriertem Boiler und Fußbodenheizung, Frischwassertank 45 L. Fester Abwassertank 40 L vorn unter Küche, Kompressor-Kühlschrank 153 L mit doppeltem Türanschlag, Gasflaschen 2 x 11 kg. 4 230-V-Steckdosen.
- Chassis: Alko-Chassis mit Schräglenkerachsen, selbstnachstellende Bremsen, Schlingerdämpfer Alko AKS 3004, elektr. Fahrstabilitätssystem Alko ATC. Schwerlastkurbelstützen.
- Maße und Gewichte: Länge × Breite × Höhe 865 × 250 × 262 cm, Aufbaulänge 739 cm, Stehhöhe 196 cm. Zulässiges Gesamtgewicht 2.500 kg. Queensbett: 200 × 148 cm, Tischplatte 90 × 90 cm. Bad: 152 × 196 × 90 cm, separate Duschkabine: 71 × 195 × 80 cm. Badausstattung: Kleiderstange, elektr. Lüfter, Wandhalterung für Brause, Toi.-Papierhalter Küche: 187,5 × 95 × 95–72 cm.
- Ausstattungen (Auszug ohne Preise): Grundpreis unter 50.000 Euro, Serie: Bluetooth-Soundsystem, beheizte Abwasserleitungen. Optionen: Deichselabdeckung, Auflastung von 2.500 auf 2.800 kg, 17-Zoll-Alufelgen, Reserverad in 14 oder 17 Zoll, innenliegender Abwassertank, 142-L-Absorber- statt Kompressor-Kühlschrank mit einseitiger Öffnung, Backofen mit Airfryer und Mikrowelle, Sideboard mit Garderobe statt Seitensofa, 27-Zoll-TV mit Seitensofa bzw. 32-Zoll mit Sideboard.
