Wie Solartaschen mehr Ertrag bringen
promobil hat zwei identische 160-Watt-Module über Wochen parallel gemessen und zeigt, wann sich Aufständern lohnt – und wann nicht.
Solartaschen liefern unterwegs kostenlosen Strom – doch viele Camper verschenken Ertrag, weil sie das Modul einfach flach hinlegen und nicht mehr umstellen. Wer sein Panel mehrmals täglich neu ausrichtet, kann bei Sonnenschein bis zu 30 Prozent mehr Energie ernten.
Mobile Solarpanel haben wichtige Vorteile
Ein mobiles Solarpanel oder eine Solartaschen stellt auf unkomplizierte Art den Energienachschub auf Reisen sicher. Sie laden Bordbatterie oder Powerstation mit kostenloser Sonnenenergie und tragen spürbar zu mehr Unabhängigkeit beim Campen bei. Brauchbare Module gibt es schon ab rund 250 Euro – deutlich günstiger als eine fest installierte Dachanlage, zumal die aufwendige Montage entfällt. Wie gut sie funktionieren, hat promobil erst kürzlich in einem großen Test von Solartaschen fürs Wohmobil aufgezeigt, bei dem sich unter zehn faltbaren Solarpanels als Testsieger das Jackery Solarsaga 200 W durchgesetzt hat.
Der größte Vorteil portabler PV-Module liegt in ihrer Flexibilität: Während das Wohnmobil im Schatten parkt, wo der Ertrag geringer wäre, kann die Solartasche ein paar Meter weiter in der Sonne aufgestellt werden. Außerdem lässt sich der Einfallwinkel des Sonnenlichts optimieren. Denn je direkter – idealerweise um 90 Grad – die Strahlen auf die Photovoltaikzellen treffen, desto effizienter arbeiten diese.
Wie stellen Camper Solartaschen am besten auf?
Doch wie stellt man ein mobiles Solarpanel tatsächlich am besten auf, damit es den größten Ertrag liefert? Macht es bei so einer vergleichsweise kleinen Anlage überhaupt einen Unterschied, ob man das Modul aufgeständert oder flach hinlegt? Und wie wirken sich wechselnde Wetterbedingungen auf die Ladestrategie aus? promobil hat es getestet.
Szenario 1: Mehrmals täglich neu ausrichten
Am ertragreichsten Tag im Messzeitraum, dem 24. April (Tageslicht 14 h 13 min, durchgehend sonnig), generiert das stehende Modul 840 Wh (ca. 70 Ah), das liegende 650 Wh (ca. 54 Ah). Die Differenz beträgt bemerkenswerte 190 Wh bzw. knapp 16 Ah. Das aufgeständerte Modul wurde an diesem Tag viermal neu ausgerichtet: morgens steil nach Osten, am späten Vormittag nach Südost, nachmittags nach Südwest, abends wieder steil nach Westen.
Ein ähnliches Bild zeigt sich am 17. April, überwiegend sonnig mit gelegentlicher Bewölkung am Nachmittag. Das liegende Modul speist 490 Wh (ca. 41 Ah) ein, das stehende 670 Wh (ca. 56 Ah) – wiederum rund 180 Wh (ca. 15 Ah) Differenz. Das stehende Modul wurde über den Tag nach drei Himmelsrichtungen (Ost, Süd, West) neu positioniert.
Weil an bewölkteren Tagen das Sonnenlicht stärker gestreut wird und weniger direkt auftrifft, könnte man vermuten, dass Aufständern unter solchen Bedingungen kaum ein Effekt hat. Unsere Messungen bestätigen diese Annahme nur eingeschränkt. Am zur Hälfte bewölkten, zur Hälfte sonnigen 15. April geht der Vergleich mit 430 Wh (ca. 36 Ah) zu 380 Wh (ca. 32 Ah) ebenfalls zugunsten des aufgeständerten Moduls aus – bei zwei Neuausrichtungen (drei Positionen). Der insgesamt niedrigere Ertrag bei Bewölkung relativiert den Effekt allerdings: Der Mehrertrag beträgt nur noch 50 Wh (ca. 4 Ah).
Szenario 2: Dauerhaft nach Süden – kontraproduktiv
Ganz anders fällt der Vergleich aus, wenn das Modul den ganzen Tag über unverändert nach Süden ausgerichtet bleibt. Am 28. März, überwiegend bewölkt mit insgesamt vier Stunden direktem Sonnenschein, fördert das liegende Modul 330 Wh (ca. 28 Ah), das stehende nur 210 Wh (ca. 17,5 Ah). Am durchgehend stark bewölkten 12. April fällt der Vergleich mit 120 Wh (10 Ah) zu 70 Wh (ca. 6 Ah) ebenfalls deutlich zugunsten der liegenden Solartasche aus.
Die Messungen belegen eindeutig: Eine Aufständerung mit unveränderter Ausrichtung ist kontraproduktiv. Logische Erklärung: Während die Sonne auf das liegende Modul stetig – wenn auch in suboptimalem Winkel – scheint, wandert sie im Tagesverlauf um das stehende Modul herum und bescheint es so mehrere Stunden lang gar nicht.
Morgens und abends lohnt sich das Aufstellen besonders
Situative Kontrollmessungen zeigen, wann im Tagesverlauf die Aufständerung den höchsten Mehrertrag bringt.
- Die tiefstehende Morgensonne nutzt ein nach Osten aufgestelltes Modul erheblich effizienter als ein flach ausgelegtes. Eine Momentaufnahme vom 17. April weist für das in diesem Fall recht steil angestellte Panel mit 86 W eine doppelt so hohe Leistung auf wie für das liegende (43 W).
- Mittags, wenn die Sonne höher steht und die Strahlen steiler einfallen, relativiert sich der Vorteil; die Momentwerte differieren mit 71 zu 65 W nur noch geringfügig. In diesem Fall empfiehlt es sich, das Panel etwas flacher anzustellen.
- Abends zeigt sich ein ähnliches Bild wie morgens: Auch hier lohnt wieder ein steilerer Anstellwinkel zur tiefer stehenden Sonne. Mit 65 W (stehend) zu 21 W (liegend) spricht der Leistungsunterschied klar für das Aufständern.
