So klappt der autarke Familienurlaub im Alkoven
Funktioniert der Alkoven im echten Familienalltag? Neun Nächte zu viert im Ahorn Camp A 690 geben eine klare Antwort.
"Oh, meine neuen Freunde gehen schon wieder", sagt die Kleine traurig. Sie meint die beiden Mädchen, von der Parzelle nebenan, die sie auf dem Stellplatz am Bauernhof gestern kennengelernt hat. Sie reisen mit ihrer Familie schon wieder ab, was wir eine Stunde später auch tun werden. Von abgelegenem Stellplatz zu abgelegenem Stellplatz zu reisen, ist für Kinder auf Suche nach neuen Freunden natürlich nicht optimal. Am Ende werden wir alle trotzdem froh sein, dass wir es gemacht haben – aus gutem Grund.
Wir sind vier: die Eltern, und zwei Töchter (fünf und neun Jahre). Wohnmobilerfahrung bringen wir mit, auch auf Familienreisen. Der Ahorn Camp A 690 ist trotzdem Neuland, denn einen Alkoven hatten wir davor nie. Unsere Route führte vom Schluchsee über den Südschwarzwald an den Zürichsee und weiter ins Entlebuch. Neun Nächte, sieben Stellplätze, davon die meisten privat auf Wiesen an Bauernhöfen oder Ortsrändern – teilweise auf Alp-Wiesen. Ein bewusster Kontrapunkt zu den großen Campingplätzen und klassischen Stellplätzen. Der Testauftrag ist klar: Funktioniert der A 690 als Familienmobil im echten Alltag?
Zuladung im Ahorn Camp A 690: Proviant oder Ausrüstung
Die Ernüchterung kommt schon vor der ersten Kurve. Vier Campingstühle, ein Campingtisch, eine Kabeltrommel, ein CEE-Adapter, ein Grill, Proviant für die komplette Reise, Kleidung und Handtücher, Badausstattung, Campinggeschirr, ein Drittel Frischwasser im Tank, alle Mitreisenden: mehr steht nicht auf der Ladeliste. Trotzdem zeigte die Waage nur knapp unter 3,5 Tonnen. Die Fahrräder bleiben also daheim.
Die große Heckgarage und die beiden großen Stauschränke unter den Betten des A690 lassen den Spielraum unbegrenzt erscheinen. In der Praxis nehmen die Zuladungsreserven schnell ab, sobald eine vierköpfige Familie einsteigt und die Basisausrüstung einpackt. Vor die Wahl gestellt, ob wir die Fahrräder mitnehmen oder Proviant für die ganze Reise einpacken, entschieden wir uns für die Voll-Verpflegung. Lieber alles an Bord haben, als zwischendurch mit dem Wohnmobil beim Supermarkt vorzufahren oder mit dem Rad einkaufen zu müssen. Ein wenig spielt auch die Angst vor Schweizer Preisen mit, die im Supermarkt gar nicht so viel höher sind. Vierköpfige Familien, die über den Kauf eines Alkoven in der 3,5-Tonnen-Klasse nachdenken, sollten die Auflastung auf vier Tonnen nicht als Option, sondern auf jeden Fall einkalkulieren.
Stauraum im Ahorn Camp: Heckgarage als Allzweckwaffe
Die Heckgarage des A690 ist riesig, von beiden Seiten bequem zugänglich und vielseitig nutzbar. Wir stellen dort zeitweise einen offenen Wäscheständer unter und trocknen Handtücher über Nacht, wenn schlechtes Wetter gemeldet ist. Campingstühle, Kabeltrommel und Schuhe verschwinden hier, ohne dass im Wohnraum etwas umgeräumt werden muss.
Die Stauschränke unter den Heckeinzelbetten sind ebenfalls großzügig. Auf der Fahrerseite helfen Regalböden bei der Struktur, auf der Beifahrerseite bleibt ein offenes Podest über dem Wassertank. Anfangs habe ich die fehlenden Ordnungssysteme kritisiert. Im Lauf der Reise ändert sich meine Meinung. Wir packen da einfach Staukisten rein: zwei für Kinderklamotten, eine für Proviant. Das ist flexibler als eingebaute Regale und aus meiner Sicht besser. Die Stauschränke im Wohnmobil lassen sich so nämlich angepasst auf die Besatzung bestücken. Zusätzliche Einlegböden würden diesen Spielraum nehmen.
Statt Klappkisten würde ich in Zukunft aber Euroboxen mit Seitentür nehmen. Wer ein Wohnmobil besitzt und oft damit in den Urlaub fährt, weiß hochwertige Boxen zu schätzen.Zwei Dinge würde ich an den großen Stauschränken trotzdem ändern: Die Radkastenverkleidungen in den Stauschränken sind rund geformt. Auf der gewölbten Fläche steht nichts stabil, obwohl der Platz darüber theoretisch nutzbar wäre. Eine eckige Verkleidung würde aus totem Raum echten Stauraum machen. Außerdem fehlt auf dem Wasserkastenpodest auf der Fahrerseite eine Rausfallschutzleiste, wie sie sonst an allen Regalböden montiert sind. Eine Kleinigkeit, die während der Fahrt den Unterschied machen kann. Die ältere Tochter hat übrigens angekündigt, einen eigenen Reisebericht zu schreiben. Ihr erster Kritikpunkt: die klemmenden Push-Locks an den großen Stauschränken.
Solaranlage und Autarkie: Die beste Überraschung im Familientest
Vom größten Frustpunkt zur größten Überraschung. Die Solaranlage auf dem Dach des A 690 übertrifft unsere Erwartungen deutlich. Ein Sonnentag im Hochsommer reicht, dass die Aufbaubatterie abends voll geladen ist. Über die ganze Reise hinweg sinkt der Ladestand selbst ohne Landstromanschluss nie unter ein Drittel, obwohl wir abends Licht, Handys und Tablet nutzen. Den echten Härtetest liefern zwei Nächte auf einem Stellplatz mitten auf der Alm im Entlebuch. Kein Landstrom, kein Haus in der Nachbarschaft, nur ein Solarpanel zur Stromversorgung. Im Hochsommer liefert das eine Solarmodul schon ziemlich viel Strom. Für eine Familie, die autark stehen will, ist das ein entscheidendes Argument.
Der wahre Flaschenhals ist nicht die Energieversorgung, sondern der 90-Liter-Frischwassertank. Bei 35 ° Celsius im Wanderurlaub ist nämlich für alle vier Familienmitglieder jeden Tag Duschen angesagt, obendrauf kommt noch zweimal spülen. Wir gehen im Entlebuch effizient damit um und kommen zwei Tage durch. Langduscher müssten wahrscheinlich nach 1,5 Tagen aufgeben. Wer mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern mehr als zwei Tage im Nirgendwo stehen will, braucht zumindest eine Frischwasserquelle.
Schlafen im Alkoven: Das beste Konzept für Familien
Der Alkoven ist das Alleinstellungsmerkmal dieses Wohnmobiltyps. Und nach neun Nächten steht für uns fest: Als Schlafkonzept für Familien schlägt er alles, was wir bisher gefahren haben. Im Integrierten mit Hubbett hängen zwei der vier Schlafplätze über der Sitzgruppe. Die ist dann einfach nicht nutzbar, wenn das Bett belegt ist. Im Campingbus mit dem Etagendoppelbett ist die Kopfhöhe an beiden Schlafplätzen bescheiden und unten schlafen unzumutbar. Der Campervan mit Aufstelldach hat zwar zwei Schlafplätze, die vom Wohnraum getrennt sind. Oben wird es bei schlechtem Wetter aber ungemütlich. Und der Ahorn Camp A 690? Vier feste Betten im Innenraum, keins davon hängt irgendwo im Weg oder ist zu eng. Im Alkoven bleibt der Wohnbereich nutzbar, egal wer wann schläft. Die getrennten Schlafbereiche sind für die Kids sogar Rückzugsräume, wenn sie mal genug voneinander haben.
Das Konzept mit den Heckeinzelbetten, die sich bei Bedarf zum breiten Bett zusammenbauen lassen, erweist sich für uns als guter Familiengrundriss. Die beiden Kids halten es nicht zusammen im Alkoven aus. Auf der anderen Seite ist die Große mittlerweile so alt, dass wir ihr nicht zumuten wollen, sich mit Mama oder Papa ein Bett zu teilen. Also schläft sie auf einem der Einzelbetten und daneben ein Elternteil. Die Kleine kriecht Nacht für Nacht mit dem zweiten Elternteil in ihre Alkoven-Höhle. Das geht im A690 auf, weil das Alkovenbett breit genug ist und ausreichend Kopffreiheit bietet. Jede Tochter hat ihr eigenes Reich, ihren eigenen Bereich zum Kuscheln, Lesen, Schlafen.
Die Leiter nervt mich: Steht sie am Alkoven, blockierte sie den Durchgang zum Fahrerhaus. Hängt sie nicht da, kommt niemand hoch. Morgens weg, abends wieder ran, zwischendurch zur Seite stellen, weil jemand nach vorne muss. Am fünften Tag will ich sie loswerden, das geht aber nicht.
Die Temperaturregulierung ohne Klimaanlage hat uns überrascht. Auf heißen Stellplätzen im Schwarzwald genügen offene Fenster und Dachluken mit Fliegengitter für ein angenehmes Schlafklima. Auf der Alp, wo es nachts unter 15 Grad fiel, blieben die Seitenfenster zu, die Dachluken auf.Küche im Ahorn Camp A 690: Nudeln, Pesto geht immer, schnippeln meisten draußen
Meine Frau bringt es auf den Punkt: "Mehr als Nudeln mit Pesto ist hier nicht drin, ohne ständig Sachen hin- und herzuschieben oder eine Sauerei zu machen." Das beschreibt die Realität einer Zweiflammen-Küche mit relativ kleiner Arbeitsfläche für vier Personen ziemlich genau. Unser bester Hack: Gemüse schneiden wird zur Familienaktivität im Außentisch. Die Kinder helfen mit, die Arbeitsfläche (Glasplatte über den Gaskochern) drinnen blieb frei, und am Ende hat es allen mehr Spaß gemacht als das Hantieren in der engen Küche.
Was sehr gut funktioniert: die tiefe Rundspüle, in die auch größere Töpfe passen. Beim Spülen steht bei uns immer eine Geschirrwanne daneben, in der das saubere Geschirr landet, weil auf der Ablage das schmutzige steht. Das lässt sich bei einem Wohnmobil mit nur sieben Metern Länge einfach nicht vermeiden und ist völlig ok. Der Wasserhahn sitzt in Kaltstellung so, dass die Glasklappe über dem Spülbecken beim Hochklappen dagegen stößt und den Hahn auslöst. Das Wasser sprudelt dann auf die Arbeitsfläche.
Raumbad im Alkoven: Für Kinder top, für Erwachsene eng
Die Dusche im A 690 macht aus mir einen Wohnmobilduscher. Die Schwenkwand trennt den Nassbereich sauber ab, der Duschraum ist überraschend geräumig, ich kann mich vernünftig bewegen. Duschen im Wohnmobil kann so komfortabel sein. Wünschen würde ich mir eine Schwenkwand, die die Toilette komplett abtrennt (unten fehlt ein Stück) und zwei Handtuchalter hinter der Klappe, die Schwenkwand und Tür verbindet. Dann hätten wir die Handtücher nach dem Duschen nämlich griffbereit.
Das Bad selbst ist etwas enger: Zum Zähneputzen, Rasieren und Waschen fehlt mir schlicht der Platz. Der Waschtisch ragt so weit in den Raum, dass die Bewegungsfreiheit spürbar eingeschränkt ist. Wir Erwachsenen haben uns damit beholfen, die Badtür offenzulassen. Das schafft Luft, funktioniert aber nur mit einem Rucksack oder einer Kiste als Türstopper. Ein einfacher Haken oder eine Arretierung würde hier reichen. Für die Kinder sieht die Sache komplett anders aus. Beide Töchter bewegen sich im Bad problemlos, insofern ist die Enge vor allem ein Erwachsenenproblem.
Fahren mit dem Alkoven: Bergstraßen, Viehsperren und das ÖPNV-Roulette
Die Höhe war mein größter Respektfaktor vor der Reise. Das erweist sich als unbegründet. Kein einziges Mal wird es wegen der Fahrzeughöhe wirklich eng. Die Breite des A 690 führt selbst auf schmalen Bergstraßen ebenfalls nie zu Problemen. Nicht einmal auf der 4,5 Kilometer langen Landwirtschaftsstraße hinauf zur Alp im Entlebuch mit engen Kurven, Ausweichbuchten und Viehsperren. Der A 690 kam problemlos hoch und wieder runter. Durch die tiefen Rinnen, die Bergbäche über die Straße führen, muss ich beim Fahren wegen des langen Überhangs hinten aber langsam drüber rollen.
Was uns stärker beschäftigtet als die Fahreigenschaften: die Mobilität vor Ort. Ohne Fahrräder, die wegen der Zuladung zu Hause blieben, sind wir vollständig auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. In der Schweiz funktioniert das hervorragend, im Hochschwarzwald sieht das anders aus. Diesen Unterschied mussten wir bei jedem Stellplatzwechsel neu recherchieren, was das Spothopping zusätzlich aufwendig machte.Zusätzliche Trittstufe als Pflichtausstattung für Familien
Der Einstieg über die Aufbautür ist für eine Fünfjährige hoch. Sie schafft es, aber eine Trittstufe würde den Einstieg deutlich beschleunigen. Das ist kein Fehler des Fahrzeugs, sondern ein Ausstattungsthema. Wer mit kleinen Kindern reist, sollte eine klappbare Trittstufe als ebenso selbstverständlich einplanen wie Isofix-Halterungen. Familiencamping beginnt bei der Konfiguration.
Stellplatz Sörenberg als Überzeugungshilfe
Vor der Auffahrt auf den abgeschiedensten Stellplatz auf der Alp Ober Mueshütten in Flühli kommen wir am offiziellen Wohnmobilstellplatz in Sörenberg vorbei. Blanke Fläche, zwölf Wohnmobile eng nebeneinander, die Sonne knallt auf den Asphalt, dafür ist die Infrastruktur komplett und trotzdem kostet die Nacht 15 bis 25 Franken weniger als unsere privaten Plätze ohne Vollversorgung.
Beim Blick auf die Asphaltfläche denke ich mir trotzdem: "Die mindestens 80.000 Euro Anfangsinvestition für ein familientaugliches Wohnmobil würde ich lieber in 20 Familienurlaube auf Malle stecken, als mir die 15 Euro pro Nacht zu sparen und dort zu übernachten." Unser Urlaub wäre nicht annähernd so schön gewesen, hätten wir abends auf einen Stellplatz mit asphaltierten Parzellen übernachten müssen. Das können sich Camper sparen, weil es mittlerweile unzählbar viele naturbelassenen und legale Stellplätze gibt.
Die beiden nächsten Nächte auf der Alp im Entlebuch werden mir recht geben. Einen so klaren Sternenhimmel haben meine Töchter noch nie gesehen. Die Kinder können dort in Bergbächen spielen, neben Kühen aufwachen und durch unberührte Natur wandern. Nichts davon wäre so schön gewesen, hätten wir abends auf einen Stellplatz mit asphaltierten Parzellen übernachten müssen. Das können sich Camper sparen, weil es mittlerweile unzählbar viele naturbelassenen und legale Stellplätze gibt.
