Ein Fan spricht über JP Kraemer
JP Kraemer räumt häusliche Gewalt gegen Julia Meck ein und kündigt die Schließung seiner Firmen an. Ein Fan beschreibt im Interview, was das in ihm auslöst – zwischen Enttäuschung, Entfremdung und Konsequenzen.
Jean Pierre "JP" Kraemer räumt häusliche Gewalt gegen seine Noch-Ehefrau Julia Meck ein und kündigt die Schließung all seiner Unternehmen an. Viele Fans ringen seitdem mit Wut, Enttäuschung und der Frage, was aus der Szene wird. Wir haben einen langjährigen Zuschauer gefragt, wie er die Tage seit den Veröffentlichungen erlebt. Weil im Umfeld des Falls Drohungen gegen Kraemers Firmen und gegen Julia Meck kursieren, schützen wir seine Identität; seinen Namen kennt die Redaktion.
auto motor und sport: Wie und wo hast du von den Vorwürfen und dem anschließenden Rückzugsvideo erfahren?JP-Fan: Der YouTube-Algorithmus hat mir das erste Statement-Video direkt oben angezeigt – obwohl ich in letzter Zeit nur noch unregelmäßig zugeschaut habe.
ams: Was war dein erster emotionaler Impuls, als das von Kraemer geteilte Überwachungsvideo und das finale Statement online gingen?JP-Fan: Durch das Überwachungsvideo ist die Bombe geplatzt. Die Relativierungen aus dem ersten Video waren damit wertlos. Die Emotionen beim finalen Statement habe ich ihm zwar abgekauft, allerdings war spürbar, dass sein Fokus stark auf den wirtschaftlichen Auswirkungen für die Firma lag – weniger auf der menschlichen Ebene.
ams: Viele Fans reagierten im ersten Moment milde, bevor sich die Stimmung durch weitere Details, das Statement von Julia Meck sowie das zweite Statement von Jean Pierre Kraemer drehte. Wie hat sich deine Wahrnehmung in den Tagen nach den ersten Enthüllungen verändert?JP-Fan: Auch ich war nach dem ersten Video noch einigermaßen milde gestimmt und hatte das Thema eher als Privatangelegenheit eingeschätzt, die nur durch Mediendruck nach außen gelangt ist. Aber selbst wenn es wechselseitige Konflikte gegeben haben sollte: Der auf dem Video dokumentierte Übergriff ist deutlich JP als alleinigem Aggressor zuzuschreiben.
Eindrücke als Fan
ams: Wie bist du Fan von JP geworden?JP-Fan: Nach und nach durch die regulären YouTube-Videos.
ams: Hast du seine Erlebniswelt in Dortmund besucht?JP-Fan: Bei einem Besuch im Ruhrgebiet haben wir auch den Burgerladen besucht. Die Schlange ging bis zur Tür, in dem Laden war alles streng durchgetaktet. Mir hat der Burger geschmeckt. JP war damals nicht da, aber ich habe Restaurantchef Julian Francis gesehen (Anm. d. Red.: Francis hat im März 2026 seinen Job im Restaurant einvernehmlich gekündigt, um sich neuen Aufgaben zuzuwenden).
ams: Was hat dich bei JP positiv beeindruckt?JP-Fan: Die Eigenschaft, genau zu verstehen, was die YouTube-Zuschauer sehen wollen – und das dann auch perfekt umzusetzen.
ams: Was hat dich schon damals nachdenklich gestimmt?JP-Fan: Man konnte schon länger zwischen den Zeilen lesen, dass die Stimmung in der Firma manchmal nicht so positiv war, wie es in den Videos wirkte. Beispielsweise wurde vermeintliches Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter teilweise öffentlich in Videos thematisiert – wenn auch anonymisiert.
Die Trennung von Content und Privatperson
ams: JP Kraemer galt über ein Jahrzehnt als der "nahbare, große Bruder" der Tuning-Szene. Wie schwer wiegt die Erkenntnis, dass hinter dieser Fassade die von ihm eingeräumte häusliche Gewalt stand?JP-Fan: Selbst wenn der Burgerladen und Co. wieder öffnen sollten: Der Beigeschmack würde im wahrsten Sinne des Wortes bleiben. Für mich wäre ein Besuch dort keine Option mehr.
ams: Wirst du seine alten Videos weiterhin anschauen können, oder ist das Format für dich nun emotional zu stark belastet?JP-Fan: Ich werde aktiv keine Videos mehr aufrufen. Für mich war schon damals die Geschichte mit den 140 km/h innerorts im Porsche Taycan ein erster Knackpunkt (Anm. d. Red.: Kraemer fuhr in einer Ortschaft nachweislich 140 km/h und filmte dabei die Tachoanzeige). Danach habe ich mir immer seltener Videos von ihm angesehen. Bei eventuellen weiteren Statements würde ich aus Neugierde aber wahrscheinlich reinklicken.
Das Aus des Firmenimperiums & die Konsequenzen
ams: Kraemer schließt radikal alle Betriebe wie JP Performance oder das PACE-Museum – rund 80 Mitarbeiter verlieren dadurch voraussichtlich ihre Jobs. Hältst du diesen Schritt für eine konsequente Übernahme von Verantwortung oder für eine Überreaktion?JP-Fan: Dadurch, dass es direkt nach den Videos zwei unversöhnliche Lager aus Pro und Contra gab, ist es wahrscheinlich der einzig richtige Schritt. Bezogen auf die Mitarbeiter ist es natürlich tragisch – wobei JP die finanziellen Mittel für bezahlte Freistellungen ja eigentlich haben sollte.
ams: Kooperationspartner wie der BVB oder MontanaBlacks Marke Gönrgy haben die Zusammenarbeit sofort beendet. Findest du diese Distanzierung der Industrie richtig?JP-Fan: Das ist durch die enorme Vernetzung in der Social-Media-Welt für Marken wahrscheinlich unumgänglich.
Zukunft der Tuning-Communityams: JP Performance hat die deutsche Autokultur auf YouTube maßgeblich geformt. Hinterlässt dieser plötzliche, tiefe Fall ein Vakuum in der Szene?JP-Fan: Vielleicht finden dadurch Auto-Fans Gefallen an anderen YouTubern. Vor allem in der Autobranche gibt es da sehr viele noch relativ kleine, aber hochinteressante Kanäle.
ams: Hat dieser Fall dein Vertrauen in andere Automobil-Influencer nachhaltig verändert?JP-Fan: Eher nicht.
ams: Was erwartest du jetzt von JP kurz- und langfristig?JP-Fan: Ich denke, er wird alles Juristische privat und ohne Öffentlichkeit klären, soweit das möglich ist. Ein Comeback oder ein Neustart, zum Beispiel in den USA, halte ich aber langfristig für denkbar.
ams: Herzlichen Dank dafür, dass du uns deine Sicht der Dinge geschildert hast.
