Politik-Posse um neuen Bundesverkehrsminister
Der neue Bundesverkehrsminister schien bereits gefunden. Patrick Schnieder (CDU) hatte sich intern von seinen Kollegen verabschiedet. Doch wenige Stunden vor der offiziellen Vorstellung änderte sich alles.
Am Ende stand Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ohne den angekündigten Nachfolger für Patrick Schnieder da. Was war passiert?
Donnerstag: Abholung vom Campingplatz
Nach Informationen der "Bild" ließ das Kanzleramt den CDU-Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler während seines Urlaubs von einem Campingplatz mit einer Regierungslimousine nach Berlin bringen. In einem persönlichen Gespräch bot Merz dem Finanzpolitiker das Amt des Bundesverkehrsministers an.
Mehrere Medien berichten übereinstimmend, dass Güntzler das Angebot zunächst annahm. Er sollte die Nachfolge von Patrick Schnieder antreten, dessen Ablösung bereits vorbereitet wurde.
Donnerstag: Schnieder bereitet seinen Abschied vor
Patrick Schnieder war nach Medienberichten bereits am Donnerstag über seine bevorstehende Entlassung informiert worden. Er ging davon aus, dass Bundeskanzler Merz diese Entscheidung am Freitagvormittag öffentlich bekannt geben würde.
In einer SMS an die Verkehrspolitiker der Unionsfraktion, über die zunächst das "Handelsblatt" berichtete und deren Inhalt inzwischen von mehreren Medien bestätigt wurde, verabschiedete sich Schnieder bereits von seinen Kollegen und bedankte sich für die Zusammenarbeit.
Freitag, 4:00 Uhr: Die SMS
In der Nacht änderte sich die Lage völlig. Nach Informationen der Bild sagte Güntzler dem Bundeskanzler gegen 4:00 Uhr per Textnachricht wieder ab. Reuters, dpa, "Zeit" und weitere Medien bestätigen die kurzfristige Absage, nennen jedoch keine Uhrzeit.
Als Grund soll Güntzler angegeben haben, seine politische Erfahrung liege im Bereich Finanzen und Steuern. Für das Verkehrsministerium sehe er sich fachlich nicht ausreichend qualifiziert.
Freitag, 9:00 Uhr: Wo ist der neue Verkehrsminister?
Eigentlich sollte Merz die Personalie am Freitagvormittag vorstellen. Als der Bundeskanzler um 9:00 Uhr vor die Presse trat, verkündete er zwar mehrere personelle Veränderungen innerhalb der Bundesregierung. Einen neuen Bundesverkehrsminister präsentierte er jedoch nicht.
Stattdessen erklärte Merz lediglich, dass es weitere Veränderungen im Kabinett geben werde. Einen Zeitpunkt für die Nachfolge nannte er nicht.
Wer ist jetzt Bundesverkehrsminister?
Politisch ist die Situation ungewöhnlich, rechtlich dagegen eindeutig. Patrick Schnieder bleibt Bundesverkehrsminister, bis seine Entlassung offiziell vollzogen und gleichzeitig ein Nachfolger ernannt wird. Auch wenn seine Ablösung intern bereits vorbereitet war, befindet er sich weiterhin im Amt.
Sollte Schnieder vor der Ernennung eines Nachfolgers entlassen werden, könnte Bundeskanzler Merz die Leitung des Bundesministeriums für Verkehr vorübergehend einem anderen Bundesminister kommissarisch übertragen. Eine solche Entscheidung wurde bislang jedoch nicht bekannt.
Schwieriges Ressort mit großen Baustellen
Wer das Verkehrsministerium übernimmt, muss sich schnell mit mehreren Großprojekten befassen. Dazu gehören die Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur, der Zustand zahlreicher Brücken, die Sanierung des Schienennetzes, der Ausbau von Straße und Schiene sowie die Verteilung der Mittel aus dem Infrastruktur-Sondervermögen.
Hinzu kommen milliardenschwere Finanzierungsfragen im Bundeshaushalt, die bereits in den vergangenen Monaten zu Diskussionen über verschobene Verkehrsprojekte geführt hatten.
