VW raus, 1.100 Jobs auf der Kippe, Flecktarn kommt
Im VW-Werk Osnabrück sollen nach dem Ende des T-Roc Cabriolet Komponenten für Luftverteidigungssysteme entstehen. Volkswagen hat sich mit dem Land Niedersachsen und der Investmentgesellschaft Aurelius Capital auf die Eckpunkte eines Verkaufs verständigt. Als erster Industriepartner steht der israelische Rüstungskonzern Rafael bereit.
Aurelius soll die Mehrheit an der Volkswagen Osnabrück GmbH übernehmen, Niedersachsen will sich ebenfalls beteiligen. Volkswagen würde sich als Eigentümer zurückziehen, den Übergang aber mit seiner Erfahrung in Entwicklung, Produktion und Industrialisierung begleiten. Der Verkauf ist noch nicht abgeschlossen und steht unter dem Vorbehalt der erforderlichen Verträge, Gremienbeschlüsse und behördlichen Prüfungen.
Rafael wird erster Industriepartner
Rafael Advanced Defense Systems soll in Osnabrück Systeme und Komponenten für die Luftverteidigung fertigen. Welche Produkte vorgesehen sind und wann die Produktion beginnen könnte, geht aus der Vereinbarung nicht hervor. Schon lange gibt es die ziemlich konkreten Spekulationen, dass es sich um das Luftverteidigungssystem Iron Dome handelt – interne Quellen bestätigen das auch. Genannt wurden unter anderem mobile Startgeräte, Transportfahrzeuge und Stromgeneratoren.
Mit Aurelius kommt eine Investmentgesellschaft zum Zuge, die ihren Hauptsitz in Tel Aviv hat und sich auf Verteidigung, Cybersicherheit, Künstliche Intelligenz und kritische Infrastruktur konzentriert. Wie groß der Anteil Niedersachsens ausfallen soll, ist noch nicht bekannt. Auch zum Kaufpreis machten die Beteiligten keine Angaben.
Die neue Gesellschaft soll weitere Partner und Aufträge aus der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie nach Osnabrück holen. Der Umbau soll sich an konkreten Projekten orientieren. Damit hängt auch der zeitliche Ablauf davon ab, wann weitere Verträge geschlossen und Produktionsaufträge erteilt werden.
Fahrzeugbau endet im Sommer 2027
Volkswagen hatte 2024 beschlossen, die Fahrzeugproduktion in Osnabrück im Sommer 2027 einzustellen. Der T-Roc Cabriolet ist das letzte Modell, das dort gebaut wird. Ein Nachfolger aus dem Volkswagen-Konzern ist nicht vorgesehen.
Das Werk geht auf den früheren Karosserie- und Cabriospezialisten Karmann zurück, den Volkswagen 2009 nach dessen Insolvenz übernahm. Osnabrück ist auf Kleinserien, Spezialfahrzeuge und wechselnde Produktionsaufträge ausgelegt. Diese Strukturen sollen künftig für die Fertigung von Verteidigungstechnik genutzt werden.
Für rund 1.100 Beschäftigte fehlt noch eine Lösung
Derzeit arbeiten rund 2.300 Menschen am Standort. Mehr als 1.200 von ihnen sollen nach Angaben des Betriebsrats eine Perspektive in der neuen Gesellschaft erhalten. Damit ist die Zukunft von rund 1.100 Beschäftigten noch offen.
"Über die jetzt vereinbarten Punkte hinaus arbeiten wir weiter an einer Lösung, um am Ende für die gesamte Stammbelegschaft eine Perspektive am Standort sicherzustellen", sagte die Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo. IG-Metall-Chefin Christiane Benner forderte ebenfalls verlässliche Lösungen für die Mitarbeiter, die nicht in die neue Gesellschaft wechseln können.
Volkswagen und Niedersachsen begründen den Schritt
Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume verwies auf die industrielle Erfahrung der Belegschaft. "Mit der heutigen Vereinbarung gehen wir einen wichtigen Schritt, um dem Standort eine neue industrielle Zukunft zu eröffnen", erklärte Blume in der Mitteilung des Konzerns.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies begründete die Beteiligung des Landes auch mit dem gestiegenen Bedarf an Verteidigungstechnik. Deutschland und Europa müssten ihre Fähigkeiten stärken und unabhängiger werden. Osnabrück könne nach seinen Worten dabei eine Rolle übernehmen und zugleich industrielle Arbeitsplätze erhalten.
