Das wissen wir über den Militär-Amarok
Der in Osnabrück entwickelte Militär-Amarok könnte nach der Vorstellung des ersten Prototyps in Serie gehen. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" wird am künftigen Rüstungsstandort neben der Zusammenarbeit mit dem israelischen Unternehmen Rafael über ein weiteres Projekt unter Beteiligung der polnischen WB Group gesprochen.
Dabei könnten mehrere Tausend – Gerüchten zufolge rund 4.000 – VW Amarok zu Militärfahrzeugen umgebaut werden. Weder VW noch die WB Group haben diese Zahl noch einen Auftrag bestätigt.
Amarok MV.1 entstand bereits in Osnabrück
Befeuert wird dies auch dadurch, dass Volkswagen bereits einen Militär-Amarok im März 2026 auf der Enforce Tac in Nürnberg gezeigt hatte. Der MV.1 wurde im Werk Osnabrück entwickelt und basiert auf dem aktuellen Amarok. Anders als das Serienmodell besitzt er eine modulare Ladeplattform, auf der sich unterschiedliche Aufbauten befestigen lassen. Das ausgestellte Fahrzeug transportierte dort ein Quad.
Für militärische Aufgaben erhielt der Pick-up getrennte Stromkreise mit zwölf und 24 Volt, Anschlüsse für Funk- und Computertechnik, Tarnbeleuchtung und Blackout-Schalter. Hinzu kommen Unterbodenschutz, Geländereifen und eine angepasste Mittelkonsole. Den Antrieb übernimmt der drei Liter große V6-TDI in Verbindung mit Zehn-Gang-Automatik und Allradantrieb.
Die aktuelle Generation des Amarok wird gemeinsam mit dem Ford Ranger im südafrikanischen Ford-Werk Silverton gebaut. Bei einem Auftrag für Osnabrück dürften deshalb zunächst zivile Grundfahrzeuge angeliefert werden. Der Standort könnte anschließend die militärischen Umbauten und die Endmontage übernehmen. Auch der Ford Ranger ist bereits für eine militärische Version vorgesehen.
WB Group liefert Technik für vernetzte Einsätze
Die WB Group entwickelt Drohnen, Funktechnik sowie Führungs- und Aufklärungssysteme. Zu ihren Produkten gehören die Drohnen FlyEye und Warmate sowie das System Gladius. Dessen Bodeneinheiten umfassen Start-, Führungs-, Auswertungs-, Munitions- und Unterstützungsfahrzeuge.
Der Amarok käme innerhalb eines solchen Verbunds vor allem als leichtes Führungs-, Verbindungs- oder Transportfahrzeug infrage. Welche Technik von WB Group tatsächlich für den Pick-up vorgesehen sein könnte, ist nicht bekannt.
Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters könnten in Osnabrück nicht nur Amarok-Pick-ups militärisch umgebaut werden, sondern auch Fahrzeuge der Volkswagen-Tochter MAN.
Vom MAN TGE bis zum schweren Lastwagen
Ein konkretes MAN-Modell wird nicht genannt. Für mobile Führungsstellen, Funktechnik oder kleinere Drohnensysteme wäre der MAN TGE eine mögliche Basis. Er ist technisch eng mit dem VW Crafter verwandt und wird gemeinsam mit ihm im polnischen Volkswagen-Werk Września gefertigt.
Volkswagen hatte parallel zum Amarok MV.1 bereits den Crafter-Prototyp MV.2 entwickelt. Der Transporter verfügt über Allradantrieb, Tarnbeleuchtung und eine erweiterte Stromversorgung. Sein Innenraum kann als Führungsstelle, medizinischer Arbeitsplatz oder Transportabteil ausgebaut werden. Ein vergleichbares Fahrzeug mit MAN-Emblem wäre technisch möglich, wurde aber nicht vorgestellt.
Für größere Startanlagen, Container, Generatoren und Versorgungssysteme kämen dagegen schwere MAN-Lkw infrage. Welche Fahrzeugklasse die WB Group im Blick hat, lässt sich aus den bisherigen Angaben nicht ableiten.
Autoproduktion endet 2027
Das T-Roc Cabriolet soll noch bis zum Sommer 2027 in Osnabrück gebaut werden. Danach soll der Standort schrittweise auf Sicherheits- und Verteidigungstechnik umgestellt werden. Volkswagen nennt eine Beschäftigungsperspektive für mehr als 1.200 Mitarbeiter. Nach Angaben des Betriebsrats könnten rund 1.400 der etwa 1.800 Arbeitsplätze erhalten bleiben.
