Diese drei Systeme können teuer werden
Ein Volkswagen Tiguan II als 2.0 TDI kann ein starker Gebrauchtkauf sein, aber Diesel-Nebenaggregate können teuer werden. Wer AGR, DPF und AdBlue richtig prüft, reduziert das Risiko großer Rechnungen deutlich.
Beim EA288 ist die Abgasrückführung ein häufiger Kostentreiber. AGR steht für Abgasrückführung, sie führt Abgas zurück in den Motor, um Stickoxide zu senken. Typische Symptome für Schäden sind Ruckeln, Leistungsverlust, Notlauf und ein Kühlmittelverlust ohne sichtbares Leck.
Genau dieses Muster ist bei einer Tiguan-Probefahrt leicht zu übersehen, wenn außen nichts tropft. Sinkt der Stand im Ausgleichsbehälter, ist das ein Warnsignal. Kommt dazu unruhiger Motorlauf, sollte die AGR-Einheit gezielt geprüft werden.
Beim EA288 werden für AGR-Ventil und AGR-Kühler als grobe Richtwerte mehrere hundert Euro genannt. Kritisch wird es, wenn Kühlmittel in den Abgastrakt gelangt. Dann droht im Extremfall ein Wasserschlag, also Flüssigkeit im Brennraum, die Bauteile mechanisch beschädigen kann.
DPF und Kurzstrecken-Spuren
Der Dieselpartikelfilter, kurz DPF, sammelt Ruß wie ein sehr feines Sieb im Auspuff. Damit er sich reinigt, muss er regelmäßig regenerieren, also den Ruß bei hoher Temperatur abbrennen. Für diese Regeneration werden im Betrieb etwa 550 bis 650 Grad Celsius im Abgasstrang genannt.
Das Problem beginnt bei vielen kurzen Fahrten, wie sie in Deutschland im Alltag typisch sind. Die Regeneration wird dann oft abgebrochen, weil die Temperatur erst nach rund 15 bis 20 Kilometern Autobahnfahrt erreicht wird. Häufen sich Abbrüche, drohen Warnleuchten, Notprogramm und im nächsten Schritt Werkstattmaßnahmen.
Wichtig für den Gebrauchtkauf ist auch die Fehlerabgrenzung. In der Diagnosesoftware ODIS lassen sich berechnete und gemessene Rußmasse vergleichen; weichen beide stark ab, kann statt eines vollen Filters auch ein Differenzdrucksensor defekt sein. Eine stationäre Zwangsregeneration wird als sinnvoll bis etwa 60 Gramm Beladung beschrieben, darüber ist der Nutzen begrenzt.
AdBlue und SCR-Fehlerbilder
Viele Tiguan-II-Diesel nutzen für die Stickoxidminderung ein SCR-System mit AdBlue. SCR steht für selektive katalytische Reduktion, dabei wird eine Harnstofflösung in den Abgastrakt dosiert. AdBlue ist diese 32,5-prozentige Harnstofflösung, die bei minus 11 Grad Celsius gefriert und deshalb Heizung und Sensorik im System braucht.
Typische Fallen sind hier weniger "kein AdBlue", sondern Bauteil- und Sensorfehler. Als häufige Ursachen werden Kristallbildung am Dosierventil, schwächelnde Pumpen im Fördermodul und alternde NOx-Sensoren genannt. Fehlercodes wie P20EE (Wirkungsgrad) oder P229F (NOx-Sensor) tauchen dabei regelmäßig auf.
Für Käufer heißt das: Warnmeldungen zur Abgasreinigung sind nicht automatisch mit einfachem Nachfüllen erledigt. Sinnvoll ist eine klare Diagnose, weil hinter demselben Fehlercode auch ein Sensor statt eines Katalysators stecken kann. Bei Systemen mit Twin-Dosing, also zwei SCR-Stufen, wird die Auswertung zusätzlich komplexer, weil beide Stufen getrennt beurteilt werden müssen.
