Ein China-Transporter ist der Mängelkönig
Rund 2,4 Millionen Hauptuntersuchungen des TÜV zeigen, welche Nutzfahrzeuge besonders häufig mit erheblichen Mängeln auffallen.
Der TÜV hat den Nutzfahrzeuge-Report 2026 vorgestellt. Darin listet die Prüforganisation detailliert die Mängelquoten einzelner Marken und Modelle in vier Gewichtsklassen auf. Demnach ist in den letzten beiden Jahren rund jedes fünfte Nutzfahrzeug (20,3 Prozent) bei der Hauptuntersuchung durchgefallen – und zwar mit "erheblichen" oder gar "gefährlichen" Mängeln. Wir haben den Report durchforstet und einen besonderen Blick auf die leichten Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen geworfen, in denen sich Modelle wie der VW Caddy oder der Opel Vivaro tummeln. Und ein chinesischer Newcomer, der mit einer enormen Mängelquote für Überraschung sorgt.
Ein Fünftel mit Mängeln
Der Report basiert auf rund 2,4 Millionen Hauptuntersuchungen, die von den TÜV-Organisationen in den Jahren 2024 und 2025 durchgeführt wurden. Erfasst sind Nutzfahrzeuge in vier Gewichtsklassen: Transporter bis 3,5 Tonnen, leichte Lkw von 3,5 bis 7,5 Tonnen, mittelschwere Lkw von 7,5 bis 18 Tonnen sowie schwere Lkw ab 18 Tonnen. Ausgewertet wird, wie häufig bei den Hauptuntersuchungen erhebliche oder gefährliche Mängel festgestellt wurden. Die Ergebnisse werden nach Gewicht und Fahrzeugalter differenziert.
Über alle Klassen hinweg lag die Mängelquote bei 20,3 Prozent. Damit blieb sie gegenüber dem Vorjahresreport nahezu unverändert und sank lediglich um 0,1 Prozentpunkt. Die häufigsten Beanstandungen betrafen die Beleuchtung, Ölfeuchte beziehungsweise Ölverlust an Motor und Antrieb sowie die Achsaufhängungen. Mit zunehmendem Fahrzeugalter steigen die Mängelquoten deutlich.
Bei den schweren Lkw ab 18 Tonnen wurde mit 21,8 Prozent die höchste Quote erheblicher Mängel ermittelt. Im Vorjahr waren es 21,9 Prozent. Bei zehn Jahre alten Fahrzeugen dieser Gewichtsklasse lag die Quote bereits bei 28,5 Prozent. Bei den Fahrzeugen von 3,5 bis 7,5 Tonnen wurden 19,8 Prozent mit erheblichen Mängeln festgestellt, nach 20,0 Prozent im Vorjahr. Die mittelschweren Lkw zwischen 7,5 und 18 Tonnen kamen mit 16,3 Prozent auf die niedrigste Mängelquote der vier Gewichtsklassen.
Transporter bis 3,5 Tonnen
Bei den leichten Transportern bis 3,5 Tonnen lag die Mängelquote mit 21,5 Prozent exakt auf dem Niveau des Vorjahres. Damit gehört diese Fahrzeugklasse zu den Bereichen mit den höheren Beanstandungsraten. Die Auswertung zeigt zugleich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen und Altersklassen.
Die Nutzfahrzeuge mit den geringsten Quoten erheblicher Mängel (EM-Quote) bei der Hauptuntersuchung unterscheiden sich je nach Altersklasse:
- 1–2 Jahre: Der Ford Transit / Tourneo Courier belegt mit einer EM-Quote von 7,8 % den ersten Platz, gefolgt vom Toyota Hilux (8,2 %), dem Ford Ranger (8,3 %), dem VW Crafter (8,3 %) und dem Peugeot e-Expert (8,4 %).
- 3–4 Jahre: Der Toyota Hilux führt die Spitzengruppe mit 10,6 % an. Dahinter folgen der VW Caddy (11,5 %), der MAN TGE (12,1 %) sowie der Ford Ranger und der Ford Transit / Tourneo Courier (jeweils 12,7 %).
- 5–6 Jahre: Die ersten Plätze werden von Volkswagen-Modellen dominiert: Der VW Amarok liegt mit 13,5 % auf Platz 1, gefolgt vom VW Caddy (14,1 %), dem VW Transporter (14,5 %), dem VW Crafter (15,2 %) und dem MAN TGE (16,4 %)
Auf der anderen Seite der Auswertungen zeigen sich die Mängelkönige mit teis sehr hoher Durchfallquote. Bemerkenswert ist hier vor allem der Maxus Deliver 9, bei dem bereits bei der ersten Hauptuntersuchung jedes dritte Modell durchfällt.
- 1–2 Jahre: Das schlechteste Ergebnis erzielt der Maxus Deliver 9 mit einer historisch hohen Mängelquote von 33,6 % (Platz 27). Dahinter folgen der Mercedes-Benz eVito (19,7 %), der Peugeot Boxer (15,8 %) und der Citroën Jumper (14,9 %).
- 3–4 Jahre: Der Streetscooter bildet das Schlusslicht mit 26,4 %. Ebenfalls am Ende der Tabelle liegen der Peugeot Expert (21,0 %), der Fiat Ducato (20,7 %) und der Peugeot Boxer (20,4 %).
- 5–6 Jahre: Der Opel Vivaro liegt mit 27,1 % auf dem letzten Platz (Platz 30). Auf den Plätzen davor rangieren der Renault Trafic (26,3 %), der Fiat Ducato (26,0 %) und der Fiat Doblo Cargo (25,1 %)
Erstmals berücksichtigt der Report drei Elektro-Transporter in der Klasse bis 3,5 Tonnen. Neben dem Peugeot E-Expert und Mercedes-Benz eVito ist dies der Streetscooter. Die Ergebnisse unterscheiden sich deutlich. Beim Peugeot E-Expert wurden bei den ein bis zwei Jahre alten Fahrzeugen 8,4 Prozent erhebliche Mängel festgestellt. Beim eVito lag die Quote mit 19,7 Prozent wesentlich höher. Auffällig waren dort unter anderem Beanstandungen an Feststellbremse, Antriebswellen und Abblendlicht. Der drei bis vier Jahre alte Streetscooter erreichte 26,4 Prozent. Mängel wurden dabei über verschiedene Baugruppen hinweg festgestellt.
Ölverlust immer noch ein Thema
Auch einzelne Komponenten zeigen einen klaren Alterseffekt. Ölfeuchte und Ölverlust wurden bei 5,2 Prozent der fünf Jahre alten und bei 8,0 Prozent der zehnjährigen Nutzfahrzeuge beanstandet. Bei der hinteren Beleuchtung stieg die Mängelquote von 6,7 Prozent nach fünf Jahren auf 11,3 Prozent nach zehn Jahren. Bei den Achsaufhängungen erhöhte sie sich von 1,5 Prozent bei fünfjährigen Fahrzeugen auf 5,0 Prozent bei zehnjährigen Fahrzeugen.
Der Nutzfahrzeugbestand in Deutschland lag nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes zum 1. Januar 2026 bei rund 3,9 Millionen Fahrzeugen. Gegenüber 2017 entspricht das einem Zuwachs von 34 Prozent. Der Bestand leichter Nutzfahrzeuge wuchs dabei besonders stark. Gleichzeitig verändert sich die Zusammensetzung der Neuzulassungen: Von Januar bis Juli 2026 hatten reine Elektrofahrzeuge einen Anteil von 13 Prozent, nach 8,7 Prozent im Vorjahreszeitraum.
