Gebiete, Fahrzeuge, Wintertests
Waymo bringt seine Robotaxis nach Deutschland und setzt München als EU-Premiere auf die Karte. Noch 2026 beginnen Testfahrten mit Sicherheitsfahrern, Ende 2027 will Waymo den Dienst für alle öffnen.
Waymo wählt beim EU-Start seines vollautonomen Fahrdiensts München – dort sollen Kunden die Ride-Hailing-Angebote ab Ende 2027 buchen können. Seinen Europastart hat Waymo bereits in diesem Jahr in London. Und obwohl der Dienst anscheinend auch schon in Berlin Testfahrer gesucht hat, macht er zu einem Fahrdienst-Angebot in der deutschen Hauptstadt aktuell keine Angaben. Als frei zugänglichen Dienst "Waymo One" gibt es das Angebot bereits seit Dezember 2018 im Großraum Phoenix im US-Bundesstaat Arizona.
In den kommenden Wochen schickt das Unternehmen Fahrzeuge auf Münchens Straßen, zunächst noch manuell und mit geschulten Test- und Validierungsfahrern.Ab 2027 mit Fahrgästen
Waymo startet mit Kartierung und Erprobung im Realverkehr und setzt dabei auf einen schrittweisen Hochlauf. Für 2027 plant das Unternehmen dann den Übergang zum fahrerlosen Betrieb mit Fahrgästen. Waymo arbeitet dafür mit dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), zuständigen Landesbehörden und der Stadt München zusammen und richtet den Prozess am deutschen Rechtsrahmen für Level 4 aus.
Jaguar I-Pace in kleiner Flotte
Waymo setzt in der ersten Phase auf eine kleine Anfangsflotte vollelektrischer Jaguar I-Pace. Die Produktion des vollelektrischen Crossovers beim Fertigungspartner Magna Steyr in Graz hat Jaguar zum Ende 2024 eingestellt – allerdings nutzt Waymo das Modell bereits in einigen US-Städte, darunter in der Waymo-Vorzeigestadt San Francisco. Das Unternehmen will die Flotte später vergrößern. Konkrete Fahrzeugzahlen nennt Waymo auf Anfrage nicht.
Viele Stadtviertel, Flughafen als nächster Schritt
Waymo plant einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb im Münchner Stadtgebiet und nennt schon jetzt zahlreiche Stadtteile. Dazu zählen Altstadt-Lehel, Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt, Maxvorstadt, Schwabing-West, Au-Haidhausen, Sendling-Westpark, Neuhausen-Nymphenburg, Bogenhausen und Ramersdorf-Perlach – plus weitere Bezirke bis nach Hadern und Laim. Fahrten zu wichtigen Knotenpunkten wie dem Flughafen München stellt Waymo in Aussicht, nennt dafür aber noch keinen Termin. Zum Marktstart werden also keine Fahrten zum und vom Flughafen möglich sein.
Straßenbahn, Radverkehr, dichte City
Waymo rüstet seine Fahrzeuge mit Kameras, LiDAR und Radar aus und deckt damit die Fahrzeug-Umgebung sensorisch rundum ab. Eine Software analysiert das Verkehrsgeschehen fortlaufend, antizipiert Bewegungen anderer und steuert vorausschauend, um Sicherheitsabstände einzuhalten. Waymo nutzt visuelle und akustische Signale, damit andere Verkehrsteilnehmer die Absichten des Fahrzeugs besser einschätzen können. Zusätzlich kündigt Waymo ein "Safe Exit"-System an, unter dessen Einsatz Fahrgäste beim Aussteigen Radfahrer nicht gefährden. Insbesondere die in San Francisco gesammelten Erfahrungen mit steilen Hügeln und teilweise engen, unübersichtlichne Straßen, permanent dichtem Verkehr, aggressiven Fahrweisen, unberechenbaren Fußgängern und Radfahrern sowie den berühmten Cable Cars, machen Waymo für seinen Start in europäischen Städten zuversichtlich.
Winterfrage
Waymo betont, dass seine Systeme bereits mit Regen und dichtem Nebel (oft in San Francisco) zurechtkommen, selbst Sandstürme im US-Bundesstaat Arizona meistert die Technik inzwischen. Beim Thema Schnee bleibt Waymo zurückhaltend: Das Unternehmen hat zwar anscheinend in US-Städten teilweise schon erste Erfahrungen mit Schnee gesammelt, betreibt bislang aber keinen kommerziellen Dienst in schneereichen Regionen. In Deutschland testet und validiert Waymo die Wintertauglichkeit seines Dienstes intensiv.
Technische Aufsicht
Bei der in Deutschland vom Gesetzgeber geforderten "Technische Aufsicht" als zentralem Baustein für den Betrieb bleibt Waymo auf Nachfrage wage. Das Unternehmen verweist auf Erfahrungen mit 24/7-Fernunterstützung und Notfallreaktion aus dem US-Betrieb. Zu einer eigenen Leitstelle in Deutschland oder zu möglichen Partnern möchte der Anbieter aktuell keine Angaben machen.
App, Partner, Preise: Waymo hält sich bedeckt
Waymo macht außerdem noch keine Angaben dazu, ob Fahrgäste in München ausschließlich über eine Waymo-App buchen oder auch Plattformen wie Uber oder Freenow nutzen können. Auch zu den Preisen äußert sich das Unternehmen nicht.
Sicherheit als Verkaufsargument
Waymo wirbt im Rahmen seines München-Starts mit seiner Sicherheitsbilanz: Das Unternehmen verweist auf mehr als 20 Millionen bezahlte Fahrten und über 350 Millionen vollautonom gefahrene Kilometer. Laut Waymo-Daten verwickelt sich der vollautonome Waymo Driver im Vergleich zu menschlichen Fahrern in 16-mal weniger Unfälle mit Schwerverletzten, 14-mal weniger Fußgängerunfälle mit Personenschaden und 6-mal weniger Fahrradunfälle mit Personenschaden – unabhängig von der Schuldfrage.
Konkurrenz in Sichtweite
Waymo reagiert auf die Frage nach Konkurrenz wie Moja, Uber-Kooperationen oder möglichen Tesla-Angeboten mit einem Hinweis auf seine Erfahrung: Das Unternehmen bringe einen sicherheitsorientierten, kommerziell erprobten Dienst nach Deutschland. Die US-Amerikaner begrüßen Fortschritte im automatisierten Fahren grundsätzlich und wollen in München eng mit lokalen Akteuren und Behörden zusammenarbeiten. Eine Ansage, die auf einen Wettstreit um Vertrauen und Zuverlässigkeit hinausläuft.
