„Attacke“ in Finnland - Fahrer in Japan
Der finnische Rüstungskonzern Patria hat einen AMV-Radpanzer aus mehr als 7.800 Kilometern Entfernung ferngesteuert. Das Fahrzeug fuhr auf dem Testgelände Parola nahe dem Patria-Werk in Hämeenlinna. Der "Fahrer" saß an einem Steuerplatz in Tokio.
Die Vorführung fand am 25.8. und 26.8.2026 in Verbindung mit einer Veranstaltung in der finnischen Botschaft in Japan statt. Patria nennt weder die gefahrene Strecke und Geschwindigkeit noch die Verzögerung bei der Übertragung.
Steuerbefehle werden elektronisch übertragen
Der Radpanzer besitzt eine Drive-by-Wire-Steuerung. Lenkung, Gas und Bremse lassen sich damit über elektrische Signale betätigen. Die Befehle des Fahrers wurden über eine gesicherte 5G-Verbindung von Japan nach Finnland übertragen.
Kameras und Sensoren am Fahrzeug lieferten Bilder und Informationen vom Testgelände. Das Patria-System DOME ergänzte diese Daten um ein digitales Lagebild. Hinzu kamen Satellitendaten des finnischen Unternehmens ICEYE. Nokia, Savox und Basemark waren an der Kommunikations- und Darstellungstechnik beteiligt, Telia stellte die Datenverbindung bereit.
Patria plant weitere unbemannte Anwendungen
Die Technik ist für ferngesteuerte und teilweise automatisierte Aufgaben vorgesehen. Patria nennt Logistikfahrten, Fahrzeugkonvois und die automatische Navigation zwischen vorgegebenen Wegpunkten. Ein Bediener könnte solche Fahrzeuge aus sicherer Entfernung überwachen und bei Bedarf eingreifen.
Patria entwickelt seit mehreren Jahren unbemannte Systeme für unterschiedliche Einsatzbereiche. Der AMV dient dabei als Versuchsträger, weil seine elektronische Architektur die Einbindung zusätzlicher Sensoren, Kommunikationssysteme und automatisierter Fahrfunktionen erlaubt.
AMV ist die große 8×8-Plattform
AMV steht für "Armoured Modular Vehicle". Hinter der Bezeichnung steckt eine 8×8-Fahrzeugfamilie, die Patria in zahlreichen Varianten anbietet. Sie kann als Mannschaftstransporter, Schützenpanzer, Führungs- oder Sanitätsfahrzeug sowie als Träger schwerer Waffen aufgebaut werden.
Der AMV ist nicht mit dem Patria 6×6 aus dem europäischen CAVS-Programm identisch. Der kleinere 6×6 bildet unter anderem die Grundlage für den künftigen Fuchs-Nachfolger der Bundeswehr. Der AMV bietet dagegen mehr Nutzlast und kann schwerere Waffensysteme bis zum Kaliber 120 Millimeter aufnehmen.
Technische Daten des Patria AMV XP
Die genaue Variante des ferngesteuerten Fahrzeugs ist nicht bekannt. Die Tabelle enthält deshalb die Werksangaben zum aktuellen Patria AMV XP. Abmessungen, Gewicht und Antrieb des Versuchsträgers können davon abweichen.
