Ihre Kfz-Versicherung wird billiger - und Ihre nicht
2027 ändern sich für fast zehn Millionen Autofahrer die Regionalklassen in der Kfz-Haftpflichtversicherung. Rund 5,2 Millionen profitieren von einer besseren Einstufung, für 4,8 Millionen steigt die Regionalklasse. Ob auch Sie betroffen sind, zeigt unsere Übersicht.
In welchen Regionen es für Versicherte teurer oder günstiger werden kann, zeigt die neue Regionalstatistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Für die Berechnung wird die Schadenentwicklung in den 413 deutschen Zulassungsbezirken ausgewertet. In Regionen mit vielen oder besonders teuren Schäden fällt die Einstufung entsprechend höher aus (hier finden Sie auch noch einen Beispiel-Rechnung).
Ländliche Regionen günstig, Großstädte häufig teuer
Für mehr als 32 Millionen Autofahrer ändert sich die Haftpflichtklasse nicht. Das betrifft insgesamt 304 Zulassungsbezirke. Rund 5,2 Millionen Autofahrer aus 63 Bezirken werden niedriger eingestuft. Für 4,8 Millionen Menschen in 46 Bezirken steigt die Regionalklasse.
Die schlechteste Schadenbilanz weist erneut Offenbach auf. Dort liegen die Schäden fast 40 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Dahinter folgen Gelsenkirchen und Berlin. Am günstigsten fällt die Bilanz im brandenburgischen Landkreis Elbe-Elster aus. Dort liegen die Schäden rund 33 Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt.
Unter den Großstädten gibt es mehrere Veränderungen. Essen steigt in der Haftpflicht von Klasse elf auf zwölf und erreicht damit die höchste Stufe. Mannheim und Hannover rücken jeweils von neun auf zehn, Stuttgart von acht auf neun und Bonn sowie Bremen von sieben auf acht. Nürnberg verbessert sich dagegen von Klasse elf auf zehn.
Berlin wird in der Haftpflicht weiterhin der Klasse zwölf und in der Vollkasko der Klasse neun zugeordnet. In beiden Versicherungssparten ist dies die höchste Stufe. Wiesbaden erreicht in der Haftpflicht ebenfalls Klasse zwölf. Münster/Westfalen weist unter den aufgeführten Großstädten mit Haftpflichtklasse vier sowie Klasse eins in der Voll- und Teilkasko die niedrigsten Einstufungen auf.
2,1 Millionen Kaskoversicherte werden schlechter eingestuft
Für die meisten Voll- und Teilkaskoversicherten ändert sich durch die Anpassung der Regionalklassen nichts. Rund 2,1 Millionen Versicherte erhalten jedoch eine schlechtere Einstufung. Für etwa 2,6 Millionen verbessert sich die Risikobewertung.
Bei den Kaskoklassen werden andere Schäden berücksichtigt als in der Kfz-Haftpflicht. In die Teilkaskostatistik fließen unter anderem Diebstähle, Glasschäden, Fahrzeugbrände, Wildunfälle sowie Schäden durch Sturm und Hagel ein. Die Vollkasko berücksichtigt zusätzlich Schäden am eigenen Auto nach einem selbst verursachten Unfall.
In der Vollkaskoversicherung weist die niedersächsische Wesermarsch die günstigste Schadenbilanz auf. Bei der Teilkasko erreicht Bielefeld die niedrigste Einstufung. Garmisch-Partenkirchen steht dagegen am anderen Ende der Vollkaskostatistik und weist dort die höchste Einstufung auf.
Im Video: So funktionieren die Regionalklassen
Der Zulassungsbezirk entscheidet über die Klasse
Maßgeblich ist nicht, an welchem Ort ein Unfall oder ein anderer Schaden entstanden ist. Die Versicherungsleistungen werden dem Zulassungsbezirk des Fahrzeugs zugerechnet. Wer außerhalb seines Wohnorts einen Unfall verursacht, beeinflusst damit die Schadenbilanz des Bezirks, in dem sein Auto angemeldet ist.
Die Schadenbilanzen rechnen Versicherungsmathematiker in einen Indexwert um. Der Bundesdurchschnitt entspricht dem Wert 100. Ein niedrigerer Index steht für eine günstigere, ein höherer Wert für eine schlechtere Schadenbilanz.
Die Kfz-Haftpflicht ist in zwölf, die Vollkasko in neun und die Teilkasko in 16 Regionalklassen eingeteilt. Die Unterschiede zwischen den Versicherungssparten entstehen, weil jeweils andere Schadenarten in die Berechnung einfließen.
Neue Regionalklasse ändert den Beitrag nicht automatisch
Die Regionalstatistik des GDV ist für die Versicherungsunternehmen nicht verbindlich. Sie können selbst entscheiden, ob und wann sie die Einstufungen übernehmen. Für Neuverträge ist das unmittelbar möglich, bei bestehenden Verträgen ab dem nächsten Versicherungsjahr. Bei vielen Verträgen erfolgt eine mögliche Umstellung zur Hauptfälligkeit am 01.01.2027.
Aus einer höheren oder niedrigeren Regionalklasse lässt sich die konkrete Beitragsänderung nicht direkt ableiten. Neben dem Zulassungsbezirk berücksichtigen die Versicherer unter anderem die Typklasse des Autos, die Schadenfreiheitsklasse, die jährliche Fahrleistung und den vereinbarten Selbstbehalt. Auch die Entwicklung der Ersatzteil-, Werkstatt- und Schadenkosten wirkt sich auf die Prämie aus.
Regionalklassen nach Bundesländern (Gratis-pdf-Download)
