US-Armee zielt per KI
Acht neue TITAN-Systeme sollen Daten aus Weltraum-, Luft- und Bodensensoren schneller auswerten und für die Zielaufklärung nutzbar machen.
Die US Army hat das Tactical Intelligence Targeting Access Node, kurz TITAN, in die Serienproduktion überführt. Am 1. September 2026 gab der US-Heeresverband den ersten Produktionsauftrag im Wert von 192 Millionen US-Dollar an Palantir Technologies und Anduril Industries bekannt. Vorgesehen sind zunächst acht Systeme, jeweils vier in den Ausführungen TITAN Advanced und TITAN Basic. Die Auslieferung soll innerhalb der kommenden 18 Monate erfolgen.
Palantir erhält davon Aufträge im Wert von 127 Millionen US-Dollar, während auf Anduril 65 Millionen US-Dollar entfallen. Die acht neuen Systeme ergänzen neun Prototypen, die die Army für den weiteren operativen Einsatz behalten will. Damit soll zunächst eine Flotte von insgesamt 17 TITAN-Systemen entstehen. Eine weitere Produktionsbestellung ist nach Angaben der Army für das Haushaltsjahr 2027 vorgesehen.
TITAN sieht alles
TITAN ist als mobile und für den Einsatz im Gefechtsraum ausgelegte Aufklärungs- und Auswertungsplattform konzipiert. Das System soll Informationen aus unterschiedlichen Sensoren und Aufklärungsmitteln zusammenführen. Dazu gehören Daten aus dem Weltraum, von hochfliegenden Plattformen, aus der Luft und von bodengebundenen Sensoren. Die verschiedenen Datenströme werden zu einem gemeinsamen Lagebild verarbeitet, aus dem sich unter anderem Positionen und mögliche Ziele ableiten lassen.
Eine zentrale Funktion von TITAN ist dabei die automatisierte Verarbeitung großer Datenmengen. Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen sollen dabei helfen, Informationen aus unterschiedlichen Quellen miteinander zu korrelieren, Ziele zu erkennen und deren Position zu bestimmen. Die daraus gewonnenen Informationen können anschließend an Gefechtsverbände und Feuerunterstützungssysteme weitergegeben werden. Ziel ist es, die Zeit zwischen der Erfassung eines Objekts und der Bereitstellung verwertbarer Zielinformationen zu verkürzen.
Schnelle Zielerfassung
Das System soll verschiedene Aufklärungsebenen mit Führungs- und Feuerunterstützungsstrukturen verbinden. Insbesondere für weitreichende Präzisionswaffen ist eine schnelle Übertragung und Verarbeitung von Zielinformationen von Bedeutung, da sich Ziele während des Aufklärungs- und Entscheidungsprozesses bewegen oder die Möglichkeit zu ihrer Bekämpfung sich verändern können.
Die beiden Varianten sind für unterschiedliche Einsatzanforderungen vorgesehen. TITAN Advanced verfügt über umfangreichere Fähigkeiten zur Nutzung hochrangiger Nachrichtengewinnung und soll unter anderem direkten Zugriff auf weltraumgestützte Informationen ermöglichen. TITAN Basic ist dagegen stärker auf einen expeditionären Einsatz auf niedrigeren Führungsebenen ausgerichtet.
Die Automatisierung betrifft auch die Zielaufklärung. Nach Angaben der Army kann TITAN Informationen verschiedener Sensoren zusammenführen, Ziele erkennen und orten sowie automatisierte Zielvorschläge erzeugen. Das System übernimmt damit Aufgaben innerhalb der Aufklärungs- und Zielzuweisungskette. Eine autonome Freigabe oder Durchführung von Waffeneinsätzen wird in der vorliegenden Beschreibung dagegen nicht genannt.
Palantir hat die Führungsrolle
Palantir übernimmt bei der Produktion die Führungsrolle. Zum industriellen Verbund gehören unter anderem Northrop Grumman, Anduril Industries, L3Harris Technologies, Pacific Defense, Sierra Nevada Corporation, Strategic Technology Consulting und World Wide Technology. Anduril ist unter anderem für wesentliche Hardwarekomponenten und die Integration des Containers verantwortlich. Die Kombination aus Software, Datenverarbeitung, Sensorintegration, Kommunikation und mobiler Hardware bildet die technische Grundlage des Systems.
Oshkosh FMTV als Träger
Als Trägerfahrzeug für TITAN kommt der Oshkosh FMTV A2 6x6 zum Einsatz. Der FMTV, kurz für Family of Medium Tactical Vehicles, gehört zur Klasse der mittelschweren taktischen Militärfahrzeuge. Die A2-Generation ist eine Weiterentwicklung der bisherigen FMTV-A1P2-Familie und umfasst verschiedene 4x4- und 6x6-Ausführungen. Die A2-Baureihe verfügt gegenüber früheren Versionen über eine höher belastbare Federung, eine verbesserte Geländemobilität, mehr Motorleistung und ein modernisiertes 24-Volt-Bordnetz. Hinzu kommen unter anderem ein zentrales Reifendruckregelsystem und Schutzmaßnahmen für die Besatzung.
Für die 6x6-Cargo-Ausführung nennt Oshkosh eine Nutzlast von bis zu 7.257 Kilogramm sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 97 km/h. Die FMTV-A2-Familie ist zudem für den strategischen Lufttransport ausgelegt und kann je nach Variante mit Transportflugzeugen wie C-130, C-17 und C-5 verlegt werden.
