Welche Firmen gehören ihm, was wird aus dem Team?
Jean Pierre Kraemer baute in Dortmund aus einer Tuningwerkstatt eine Erlebniswelt mit Museum, Burgerladen und Onlinehandel. Hinter dem Hype steht ein Firmengeflecht, das stark an seine Person gebunden war. Das gilt auch für die mehr als 80 Beschäftigten, deren Jobs nun bedroht sind.
In Dortmund wuchs rund um JP Performance seit Jahren eine Erlebniswelt für Autofans. Fans besuchen Werkstatt, Burgerladen und Museum, kaufen Kleidung, Autopflege und Felgen online – und verbinden alles mit dem Gesicht von Jean Pierre Kraemer. Wirtschaftlich bündelt die Gruppe ihre Aktivitäten über die JP Holding GmbH. Der Umsatz der Gruppe ist überraschend hoch – und ihr plötzliches Ende bedauert wegen wirtschaftlicher Relevanz sogar die Stadt Dortmund.
JP Performance: Werkstatt, Studio, Reichweitenmaschine
JP Performance startete 2012 als Tuningbetrieb und wurde zur Kulisse für YouTube-Produktionen. In jüngerer Vergangenheit nutzte die Gruppe die Werkstatt vor allem als Studio für Projektfahrzeuge und Content – Kundenfahrzeuge nahm JP Performance nicht mehr an. Kraemer und sein Geschäftspartner Fabian Kubik bezifferten den Anteil des klassischen Tuninggeschäfts am Gesamtumsatz zuletzt nur noch auf rund vier Prozent. Die Werkstatt lieferte damit weniger Umsatz als früher – aber sie lieferte weiter die Bilder, die den Verkauf der übrigen Produkte anschoben.
PACE Automobil Museum: Besucher ziehen UmsatzSeit 2022 ergänzte das PACE Automobil Museum die Dortmunder Erlebniswelt. Das Museum setzte auf wechselnde Ausstellungen, Concept Cars und besondere Umbauten und entwickelte sich laut North-Data-Schätzungen zu einem der größten Umsatzblöcke der Gruppe. Für 2024 nennt die Analyse rund 21 Millionen Euro Umsatz; der Bau soll rund sechs Millionen Euro gekostet haben. Kraemer selbst sprach 2025 zudem von 5.000 bis 6.000 Museumsbesuchern pro Woche.
Big Boost Burger: Gastronomie als Fan-Treffpunkt
Mit Big Boost Burger koppelte Kraemer 2017/2018 Gastronomie an die Autowelt nebenan. Der Laden funktioniert als Treffpunkt, Foto-Spot und Pausenraum für Besucher, die wegen der Marke nach Dortmund kommen. North Data veranschlagt den Umsatz 2024 auf rund 7,5 Millionen Euro. Kraemer nannte 2025 außerdem im Schnitt rund 15.000 Gäste pro Woche. Er selbst stellte sich zwar nicht hinter den Grill oder an die Kasse, aber die Wahrscheinlichkeit, dass Fans ihn im Burgerladen treffen konnten, war recht hoch – schließlich befindet sich das Restaurant auf dem Dortmunder Firmengelände. Und das war eine Pilgerstätte: 5.000 Museumsbesucher und 15.000 Restaurantbesucher pro Woche macht etwas über eine Millionen Besucher pro Jahr. Zum Vergleich: Dortmund hat zirka 600.000 Einwohner.
Shop, Mode, Autopflege: Hier entsteht das Wachstum
Den größten Hebel liefert der Onlinehandel mit Eigenmarken. Neben Merchandising und Kleidung entwickelte sich vor allem Autopflege zu einem Wachstumstreiber: Die Marke Dr. Glossy stieg laut North Data von rund 730.000 Euro Umsatz (2023) auf rund 3,6 Millionen Euro (2024). JP selbst betonte, wie sehr ihn der Verkaufserfolg der Autopflegeprodukte überrascht hat. Dazu kommen Mode- und Textillinien wie JP Clothing und Loners, Modellautos unter der Marke Kraemo sowie Felgen unter der Marke K80 Wheels. Die Gruppe verkauft nach Kraemers Aussagen weitgehend über eigene Strukturen statt über Plattformen wie Amazon – das spart Gebühren, bindet das Geschäft aber noch enger an JPs Reichweite und Markenimage.
Die Struktur dahinter: Holding, viele Einheiten, eine zentrale Marke
Das Erlebniswerk umfasst neben den prominenten Angeboten eine größere Zahl an Einzelunternehmen und Marken; Schätzungen bewegen sich im Bereich von rund 14 bis 18 Einheiten. Diese Vielfalt entsteht nicht aus einem klassischen Industrieverbund, sondern aus Community-Produkten: Hoodie, Politur, Felgensatz, Museumsticket und Burger verbinden keine gemeinsame Wertschöpfungskette. Die Gruppe verbindet vor allem ein Vertriebsprinzip: Kraemer erzeugt Aufmerksamkeit über Content und lenkt diese Nachfrage clever in eigene Shops und Standorte.
Reichweite als Vertrieb: Zahlen, die den Hebel zeigen
JPs Reichweite als erfolgreichster Auto-Youtuber Deutschlands ist seit Jahren die Grundlage für sein Geschäftsmodell. Medien beziffern die Reichweite seines YouTube-Kanals für 2017 bereits auf mehr als 700.000 Abonnenten und rund 230 Millionen Aufrufe; heute sind es zirka 2,7 Millionen Abonnenten und mehr als zwei Milliarden Aufrufe. Auf Instagram folgen ihm rund 1,4 Millionen Menschen. Diese Reichweite ersetzt in vielen Bereichen klassische Werbung – und macht die Personenmarke gleichzeitig zum zentralen Hochrisiko-Faktor.
Umsatz und Ergebnis: groß – aber mit Druck auf der Marge
North Data schätzt den Umsatz der JP Holding GmbH 2024 auf rund 110 Millionen Euro. Die Analyse sieht zugleich einen Rückgang beim geschätzten Gewinn: von rund zwölf Millionen Euro (2023) auf etwa zwei Millionen Euro (2024). Steigende Kosten, Expansion und der Betrieb mehrerer Standorte können solche Effekte erklären – belastbare Details liefern nur veröffentlichte Abschlüsse und offizielle Angaben.
Schließung am Standort: Sichtschutz, Läden zu, Ware raus
Nach Kraemers Abschiedsvideo vom 1. September 2026 schildern Medien hektische Szenen am Standort Dortmund. Demnach klebten Mitarbeiter die großen Glasfronten der JP-Performance-Werkstatt mit dunkler Folie ab und schlossen Werkstatt, Big Boost Burger und das PACE-Museum. Berichte beschreiben außerdem, dass Teams Inventar, Waren und Ausstellungsstücke einpacken und in Lagerflächen abtransportieren.
Mitarbeiter warten auf Ansagen – und machen ihrem Frust Luft
Offizielle Kündigungen meldeten Medien bis zum 3. September 2026 noch nicht. Mehrere Mitarbeiter sagten laut Bild, sie hätten seit dem Video keinen direkten Kontakt mehr zu Kraemer gehabt; Anweisungen seien über das Management gekommen. Ein Mitarbeiter wird mit den Worten zitiert: "Wir wissen nicht, was aus uns wird. Aber was sollen wir hier, wenn alles dicht ist? Ich wünschte mir, JP würde auch an uns denken."
Vieles bleibt offen
Kraemer selbst deutete in seinem Video nur an, er müsse nun "gucken, was mit den Gebäuden passiert". Damit bleibt offen, ob die Standorte kurzfristig wieder öffnen, ein Verkauf folgt oder die Gruppe die Angebote neu organisiert. Für die Teams vor Ort zählt vor allem ein belastbarer Zeitplan – und eine klare Ansprache, wer in den nächsten Wochen Entscheidungen trifft.
