Autohaus König rutscht in die Insolvenz
Der große Mehrmarkenhändler Autohaus König ist zahlungsunfähig. Das Amtsgericht Charlottenburg hat vorläufige Insolvenzverfahren angeordnet. Betroffen sind rund 1.200 Mitarbeiter.
Beim Autohaus König ist ein vorläufiges Insolvenzverfahren angeordnet worden. Das bestätigte auf Anfrage von auto-motor-und-sport.de eine Sprecherin des vorläufigen Insolvenzverwalters. Das Amtsgericht Charlottenburg bestellte für die Autohaus Gotthard König GmbH aus Berlin und deren hundertprozentige Tochtergesellschaft Autohaus König GmbH aus Teltow jeweils Rechtsanwalt Dr. Rainer Eckert zum vorläufigen Insolvenzverwalter.
Zahlungsunfähigkeit
Die Geschäftsführung hatte zuvor gemeinsam mit Gesellschaftern, Kreditgebern und Herstellerpartnern versucht, eine Lösung außerhalb eines Insolvenzverfahrens zu erreichen. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters ließ sich diese zuletzt nicht mehr umsetzen. Nach Informationen von WELT online beliefen sich die fälligen Verbindlichkeiten zum Zeitpunkt der Insolvenzanträge auf mehr als 200 Millionen Euro.
Als Grund nennt das Unternehmen die eingetretene Zahlungsunfähigkeit vor dem Hintergrund des strukturellen Wandels im Automobilhandel. Die Umstellung vom Verbrennungsmotor auf den Elektroantrieb, der zunehmende Wettbewerb durch neue Marktteilnehmer und ein insgesamt stagnierendes Neuwagengeschäft hätten die wirtschaftliche Situation belastet. Nun soll eine Restrukturierung innerhalb des vorläufigen Insolvenzverfahrens die Grundlage für eine Fortführung schaffen.
Mehrmarkenhändler für Renault und Stellantis
Das Autohaus König zählt mit 84 Standorten und rund 1.200 Beschäftigten zu den größeren Mehrmarkenhändlern in Ostdeutschland. Die Standorte befinden sich in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Zum Markenportfolio gehören unter anderem Renault und Dacia sowie die Stellantis-Marken Opel, Fiat, Jeep und Citroën. König ist seit 1980 Renault-Vertragspartner und zählt nach eigenen Angaben zu den größten Renault-Händlern Deutschlands.
Für die Kunden soll sich durch das Verfahren zunächst nichts ändern. Verkauf, Werkstätten, Ersatzteilversorgung und Serviceleistungen werden nach Angaben des Unternehmens an allen Standorten unmittelbar fortgeführt. Laufende Reparaturen, Aufträge und Fahrzeugbestellungen sollen planmäßig bearbeitet werden. Bei bereits geleisteten Anzahlungen sollen Geschäftsführung, vorläufiger Insolvenzverwalter und Herstellerpartner gemeinsam nach individuellen Lösungen suchen.
Tagesgeschäft geht vorläufig weiter
Auch die Beschäftigten sollen zunächst abgesichert sein. Die Gehälter sind im Rahmen des vorläufigen Insolvenzverfahrens gesetzlich abgesichert. Das August-Gehalt soll rückwirkend über das Insolvenzgeld ausgezahlt werden.
Im Mittelpunkt des Verfahrens steht nun die Restrukturierung der Unternehmensgruppe. Geschäftsführung, Gesellschafterfamilie, vorläufiger Insolvenzverwalter, Herstellerpartner und Herstellerbanken arbeiten nach Unternehmensangaben an einem Fortführungskonzept. Dabei sollen möglichst viele Standorte und Arbeitsplätze erhalten werden.
Seit 60 Jahren im Geschäft
Mit Renault und Stellantis laufen Gespräche über die weitere Zusammenarbeit. Nach Angaben des Autohauses geht es dabei sowohl um die Ausgestaltung der Partnerschaften während des Insolvenzverfahrens als auch um deren Fortsetzung. Konkrete Entscheidungen zur künftigen Struktur der Gruppe wurden bislang nicht mitgeteilt.
Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis 1966 zurück. Damals eröffnete Gotthard König in West-Berlin eine freie Autowerkstatt. Aus dem zunächst auf Reparaturen ausgerichteten Betrieb entwickelte sich über Jahrzehnte eine große Handelsgruppe mit mehreren Marken und Standorten in Ostdeutschland.
