Audi Q9 gegen BMW X7 und Mercedes GLS
Audi schiebt den neuen Q9 als Top-SUV über Q7 und Q8 – und tritt gegen BMW X7 und Mercedes GLS an. Wir vergleichen die drei Diesel-Siebensitzer nach Daten, Technik und Raumkonzept.
Der neue Audi Q9 3.0 V6 TDI tritt gegen den BMW X7 xDrive40d und den Mercedes GLS 450 d 4Matic an. Die drei XXL-SUV sind alle mit Sechszylinder-Dieseln und drei Sitzreihen ausgerüstet, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Weil es zum Q9 noch keine Fahreindrücke gibt, starten wir zunächst einen "Kaltvergleich" auf Basis von Technik, Daten und Konzept.
Karosserie
Der Audi Q9 setzt in diesem Trio den Längenmaßstab: Mit 5.310 mm ist er länger als BMW X7 (5.181 mm) und Mercedes GLS (5.209 mm). Beim Radstand liegen alle drei dicht beieinander, der Q9 kommt auf 3.137 mm, der X7 auf 3.105 mm und der GLS auf 3.135 mm. In der Breite ohne Spiegel bewegen sich Audi (2.009 mm) und BMW (2.000 mm) nahezu auf einem Level, der Mercedes ist mit 1.956 mm spürbar schlanker. Mit Außenspiegeln dreht sich das Bild leicht: Der X7 ist mit 2.218 mm am breitesten, dahinter folgt der Q9 mit 2.210 mm, der GLS bleibt mit 2.157 mm der kompakteste im Spiegelmaß. In der Höhe reicht die Spanne von 1.768 mm beim Q9 über 1.823 mm beim GLS bis 1.835 mm beim X7 – der Audi steht also am flachsten, BMW und Mercedes bauen sichtbar höher.
Beim Gewicht liegt der BMW nach DIN (ohne Fahrer) mit 2.490 kg am niedrigsten, der Audi folgt mit 2.530 kg, der Mercedes ist mit 2.540 kg der Schwerste. Nach EU-Norm (inklusive 75 kg Fahrer) ist Reihenfolge natürlich gleich: X7 2.565 kg, Q9 2.605 kg, GLS 2.615 kg. Bei den zulässigen Gesamtgewichten hat der BMW mit 3.325 kg die höchste Freigabe, Audi und Mercedes liegen mit 3.250 kg (Q9) beziehungsweise 3.300 kg (GLS) knapp dahinter. Die größte rechnerische Zuladung bietet ebenfalls der X7: 835 kg (DIN) beziehungsweise 760 kg (EU). Der GLS liegt bei 760 kg (DIN) beziehungsweise 685 kg (EU), der Q9 bei 720 kg (DIN) beziehungsweise 645 kg (EU).
Bei den Zuglasten herrscht auf dem Papier Gleichstand: Alle drei dürfen 3.500 kg (gebremst, 12 Prozent Steigung) und 750 kg ungebremst ziehen. Ein Detail betrifft den Mercedes: Je nach Ausstattung/Felgengröße liefert Mercedes den GLS teils ab Werk mit auf 3.300 kg reduzierter Anhängelast aus; über Händler beziehungsweise den Code 557 (Erhöhte Anhängelast) ist eine Anhebung auf die vollen 3,5 Tonnen möglich. Bei der Dachlast liegen alle drei gleichauf: jeweils 100 kg, die Dachreling gehört bei Q9, X7 und GLS zum Serienumfang. Die Stützlast ist bei BMW und Mercedes mit 140 kg ausgewiesen; Audi nennt sie im Datenblatt noch nicht – als Orientierung gelten im Segment die 140 kg der beiden Konkurrenten.
Zwischenfazit Karosserie
Der Q9 ist von außen der Größte, der X7 verkraftet die höchste Zuladung und der GLS bleibt im Spiegelmaß am kompaktesten. Bei Zug- und Dachlast sind alle drei auf Augenhöhe – mit dem GLS-Detail, dass die vollen 3,5 Tonnen Anhängelast teils ausstattungsabhängig einer Freischaltung bedürfen.
Innenraum
Audi Q9, BMW X7 und Mercedes GLS definieren Luxus stark über Screens, Software und Bedienlogik. Unterschiede entstehen weniger bei der Frage "digital oder nicht", sondern bei App-Ökosystem, AR-Umsetzung (Augmented Reality – beispielsweise das Einblenden von virtuellen Navigationspfeilen direkt ins Fahrersichtfeld), Bedienergonomie und Stromversorgung.
Displays und Head-up-Displays
Beim Audi Q9 ist das Head-up-Display aufpreispflichtig, bietet dafür er aber auch als einziger im Feld ein echtes Augmented-Reality-HUD, das Informationen direkt in die Frontscheibe projiziert. BMW geht einen anderen Weg: Der X7 nutzt ein 12,3-Zoll-Instrumentendisplay und ein 14,9-Zoll-Zentraldisplay, ein klassisches Head-up-Display gehört serienmäßig dazu. "Augmented View" gibt es zwar, die AR-Pfeile landen aber nicht im HUD, sondern als Overlays in einem Live-Kamerabild im Kombiinstrument (oder optional im Zentraldisplay). Mercedes setzt im GLS auf drei 12,3-Zoll-Displays (Fahrer, Zentral, Beifahrer) und bietet ebenfalls ein Head-up-Display gegen Aufpreis. Ein AR-HUD wie aus S-Klasse oder EQS ist im GLS konstruktionsbedingt nicht verfügbar; auch hier wandern AR-Hinweise als Grafiken in das Live-Videobild auf dem Zentralbildschirm.
Beifahrer-Entertainment
Ein echtes Beifahrer-Entertainment mit separatem Touchscreen gibt es nur bei Audi Q9 und Mercedes GLS – jeweils mit Blickschutz-Technik, damit die Bilder den Fahrer nicht ablenken. BMW bleibt beim Curved Display mit zwei Screens und setzt stärker auf Fahrerfokus.
Betriebssysteme, Apps und Updates
Audi fährt im Q9 mit nativem Android Automotive OS und spielt den App-Vorteil aus: Apps lassen sich direkt im Auto installieren, ohne Smartphone-Spiegelung, über den Audi Application Store. BMW bleibt beim geschlossenen, Linux-basierten BMW Operating System (iDrive 8.5): Streaming und Over-the-Air-Updates sind integriert, die App-Auswahl ist restriktiver als bei Audis Android-Ansatz. Mercedes rollt im GLS das neue MB.OS aus, kombiniert das mit tiefer Google-Maps-Integration und positioniert MBUX als Entertainment- und Komfortzentrale, inklusive Games und Streaming je nach Ausstattung.
Sprachbedienung und generative KI
Alle drei Hersteller nutzen generative KI-Sprachmodelle ab Werk und ermöglichen so natürliche Dialoge und Wissensabfragen. Audi koppelt das an den Audi Assistant und leitet allgemeine Fragen verschlüsselt an ChatGPT weiter. BMW betont die lernende Assistenzlogik mit Gewohnheiten und proaktiven Vorschlägen. Mercedes zielt auf maximalen Komfort: MBUX erlaubt je nach Situation Interaktion ohne Aktivierungswort und erkennt per Mehrkanal-Mikrofon, von welchem Sitzplatz der Befehl kommt.
Bedienlogik und Ergonomie
Der X7 bleibt in dieser Runde der einzige Kandidat, der weiterhin vollständig über den physischen iDrive-Drehdrücksteller bedienbar ist. Audi und Mercedes setzen deutlich stärker auf Touch und Sprache – das wirkt modern, verlangt im Alltag aber eher Blickkontakt zur Bildschirm-Oberfläche.
Stromversorgung, USB und 230 Volt
Audi löst das Laptop-Thema am konsequentesten: bis zu acht USB-C-Anschlüsse über drei Reihen, jeweils mit bis zu 100 Watt pro Buchse, plus 12V vorn und im Kofferraum sowie eine 230V-Steckdose im Fond. BMW bietet bis zu neun USB-C-Buchsen, lädt aber standardmäßig mit 45 Watt; stark ist die Platzierung mit Buchsen in den Vordersitzlehnen. 12V gibt es vorn, in Reihe zwei und im Kofferraum – eine 230V-Steckdose ist im X7 ab Werk nicht lieferbar. Mercedes verteilt im GLS, je nach Paket, bis zu elf USB-C-Anschlüsse; die Leistung ist gestaffelt (im Fond bis 100 Watt, in Reihe drei gedrosselt). 12V-Buchsen gibt es vorn und im Kofferraum, eine 230V-Steckdose im Fond gibt es je nach aufpreispflichtigem Komfort-Paket (bis 150 Watt).
Kofferraum
Mit aufgestellter dritter Reihe liefert der Audi Q9 den größten Nutzwert: rund 538 Liter stehen auch bei voller Bestuhlung bereit, deutlich mehr als BMW X7 (zirka 326 Liter) und Mercedes GLS (zirka 355 Liter) bieten. Legt man zweite und dritte Reihe flach, dreht der Mercedes den Spieß um: Mit 2.400 Litern bietet er das größte Maximalvolumen vor Audi (2.308 Liter) und BMW (2.120 Liter). Die ISOFIX-Verteilung in Reihe 1 bis 3 zeigt die eingebundene Grafik für 7- und 6-Sitzer-Konfigurationen im Direktvergleich.
Zwischenfazit Innenraum
Der Q9 macht den größten Schritt Richtung "rollendes Device" und ist gleichzeitig der stärkste 7-Sitzer-Gepäckträger. Der X7 punktet über Bedienergonomie und Materialwelt, Mercedes über Fond- und Komfortinszenierung – und holt beim Maximalvolumen im Heck den Sieg.
Fahrwerk
Alle drei Luxus-SUV setzen serienmäßig auf adaptive Mehrkammer-Luftfederungen mit elektronisch geregelten Dämpfern. Die Unterschiede liegen im Hub, in der Serienausstattung bei der Hinterachslenkung und in den optionalen Aktivsystemen.
Luftfederung und Verstellwege
Der Audi Q9 bietet mit 90 Millimetern den größten gesamten Verstellbereich. Er hebt sich im Offroad-Modus am weitesten an und senkt sich im Dynamic-Modus beziehungsweise zum bequemen Ein- und Aussteigen am deutlichsten ab. BMW X7 und Mercedes GLS liegen beim maximalen Verstellweg gleichauf: Beide kommen auf rund 80 Millimeter.
Hinterachslenkung und Wendekreis
Eine Hinterachslenkung ist bei allen drei erhältlich. Audi Q9 und BMW X7 haben sie serienmäßig an Bord, Mercedes koppelt sie an ein aufpreispflichtiges Fahrwerkspaket. Audi hat den größten Hinterachslenkwinkel: bis zu 5 Grad, der Wendekreis beträgt 13,3 Meter. Der BMW lenkt hinten mit rund 3,5 Grad mit und liegt bei 13,0 Meter. Mit 12,52 Metern hat der GLS im reinen Serienzustand, also ohne Allradlenkung, überraschenderweise den besten und kleinsten Wendekreis in diesem Trio. Mit Allradlenkung geht es auf 12,4 Meter runter.
Aktive Komfort- und Dynamiksysteme
Audi liefert beim Q9 eine integrierte Wankstabilisierung serienmäßig. Sie reduziert die Seitenneigung in Kurven über extrem schnell regelnde, elektronische Dämpferventile und zielt damit auf eine möglichst ruhige, kontrollierte Karosseriebewegung. BMW X7 und Mercedes GLS wirken in der Basisabstimmung dagegen wohl spürbar wankfreudiger; eine aktive Unterdrückung der Kurvenneigung ist bei beiden aufpreispflichtig. BMW bündelt das im optionalen Executive Drive Pro mit elektromechanischen Stabilisatoren und kamerabasierter Vorausschau, Mercedes setzt mit der optionalen E‑Active Body Control auf ein 48‑Volt-hydropneumatisches System samt Road-Scan und Freischaukel-Modus – das vielleicht komfortabelste, aber auch teuerste Fahrwerks-Setup in diesem Segment.
Räder und Bremsen
Alle drei lassen sich mit bis zu 23 Zoll großen Rädern konfigurieren. Audi und Mercedes starten serienmäßig mit 20 Zoll, BMW startet mit 21 Zoll. Der Q9 fährt ab Werk 275/50 R20 auf 9J x 20 und bietet 23-Zoll-Audi-Sport-Räder als Spitze; die Reifenbreiten bewegen sich dabei vorn um 285 mm, hinten bis 315/325 mm. BMW startet mit 285/45 R21 auf 9,5J x 21, 23 Zoll gibt es als Mischbereifung (275/35 R23 vorn, 315/30 R23 hinten). Mercedes beginnt mit 275/50 R20 auf 8,5J x 20 und geht bis 23 Zoll (285/40 R23 vorn, 325/35 R23 hinten).
Bei den Bremsen setzt Audi im Diesel auf ein sehr großes Serien-Setup: vorn 400 mm mit innenbelüftetem Mehrkolben-Festsattel, hinten 350 mm mit Faustsattel. BMW arbeitet serienmäßig mit Verbundscheiben (vorn 348 mm mit 4-Kolben-Festsattel, hinten 345 mm mit 1-Kolben-Faustsattel), die M Sportbremse vorn hat einen Durchmesser von 395 mm. Mercedes nennt je nach Paket vorn 375 bis 390 mm (AMG-Line) und hinten 345 bis 355 mm; Keramik bleibt bei allen drei Modellen außen vor.
Zwischenfazit Fahrwerk
In der Serie setzt Audi den stärksten Haken: Luftfederung, Hinterachslenkung und integrierte Wankstabilisierung sind ab Werk dabei. BMW kontert mit Luftfeder und Hinterachslenkung ebenfalls serienmäßig, die aktive Wankunterdrückung (Executive Drive Pro) kostet aber extra. Mercedes bleibt beim Fahrwerk der Komfort-Extremist, wenn das optionale E‑Active Body Control an Bord ist – und der teuerste Weg zur maximalen Technik.
Motor
Alle kombinieren ihre Sechszylinder-Dieselmotoren mit einer 48-Volt-Unterstützung, unterscheiden sich aber deutlich bei Leistung und Drehmoment.
Q9 rangiert elektrisch
Der V6-Diesel des Audi Q9 leistet 299 PS und generiert 630 Newtonmeter Drehmoment bei 1.750 bis 3.000/min. Audi kombiniert den Diesel mit MHEV plus (Mild Hybrid Electric Vehicle Plus mit 48-Volt-System), das bis zu 18 kW (24 PS) Zusatzleistung und 230 Newtonmeter zusätzliches Drehmoment ermöglicht. Der elektrisch angetriebene Verdichter soll das Turboloch beim Anfahren reduzieren. Von null auf 100 km/h spurtet das große SUV in 6,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 240 km/h. Den Durchschnittsverbrauch gibt der Hersteller mit 7,4 bis 8,0 Liter pro 100 Kilometer an, der Tank fasst 80 Liter.
X7 für sportlichen Alltag
Der Diesel-Reihensechser des BMW X7 xDrive40d bringt es auf 340 PS, als Systemleistung mit 48-Volt-Mildhybrid sind es 352 PS. Das maximale Drehmoment beträgt 700 Newtonmeter, mit Hybrid-Boost sind bis zu 720 Newtonmeter möglich. Der im Getriebe integrierte Elektromotor steuert also 9 kW (12 PS) sowie 200 Newtonmeter Zusatzmoment bei. Den Sprint auf 100 km/h erledigt der X7 in 5,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 245 km/h. Beim WLTP-Verbrauch nennt BMW 7,3 bis 8,1 Liter pro 100 Kilometer, der Tank fasst, wie im Audi, 80 Liter.
GLS mit der meisten Power
Im Mercedes GLS 450 d arbeitet ein Reihensechszylinder-Diesel mit 367 PS, ergänzt durch 48-Volt-Technik mit integriertem Starter-Generator (ISG), der kurzzeitig 17 kW (23 PS) beisteuert. Das maximale Drehmoment beträgt 750 Newtonmeter, dazu kommt ein Elektro-Boost von bis zu 200 Nm. Von null auf 100 km/h beschleunigt der GLS in 5,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 250 km/h elektronisch begrenzt. Den WLTP-Durchschnittsverbrauch gibt Mercedes mit 7,8 bis 8,5 Litern pro 100 Kilometer an, der Tank fasst 90 Liter.
Zwischenfazit Motor
Der Mercedes liefert die meiste Kraft und das höchste Drehmoment, BMW und Mercedes sind die Sprint-Sieger. Audi kontert mit dem niedrigsten Verbrauchswert und dem Technikpaket aus MHEV plus und E-Verdichter, rangiert aber leistungsmäßig hinter den beiden Rivalen.
Getriebe
Im Audi Q9 ist eine 8-Stufen-Automatik von ZF (Evolutionsstufe 8HP) für die Einteilung der Momente zuständig. Durch MHEV plus sitzt ein Elektromotor im Getriebegehäuse und ermöglicht kurze Rangier- und Parkmanöver rein elektrisch. Im BMW X7 arbeitet die ZF-8-Stufen-Automatik (8HP), wie im Audi, mit einer vorausschauenden Schaltstrategie: Navi- und Radarinfos können vor Kurven, Kreuzungen oder Gefällen passende Gangwechsel anstoßen. Mercedes kontert beim Getriebe mit einer selbstentwickelten 9G-Tronic. Neun Fahrstufen senken das Drehzahlniveau auch auf der Autobahn und ermöglichen Geräuschkomfort auf langen Strecken. Schaltpaddles am Lenkrad gehören bei allen drei zur Serie.
Zwischenfazit Getriebe
ZF liefert bei Audi und BMW die bewährte 8-Gang-Referenz, Mercedes setzt über den neunten Gang den Komforthebel für lange Autobahnetappen. Den spannendsten Technik-Zusatznutzen bringt Audi: rein elektrisches Rangieren im Diesel.
Preise: Einstieg in die Luxusliga
Beim Grundpreis ist der BMW X7 xDrive40d am günstigsten: Er startet bei 104.200 Euro. Der neue Audi Q9 3.0 V6 TDI setzt darüber an und kostet mindestens 108.400 Euro. Am teuersten steigt der Mercedes GLS 450 d 4Matic ein: ab 112.450 Euro.
