Chinesischer Staubsauger-Exit bei Raketen-E-Auto
Dreame kündigte ein Elektro-Hypercar mit Raketenantrieb und 0–100 in 0,9 Sekunden an – jetzt endet das Projekt. Der Staubsaugerhersteller liquidiert seine Autosparte nach nur einem Jahr.
Der chinesische Staubsauger-Hersteller Dreame wollte mit einem Elektr-Sportwagen Schlagzeilen wie ein Hypercar-Startup schreiben: 0–100 km/h in 0,9 Sekunden, dazu ein doppeltes Raketen-Booster-System mit Festtreibstoff und ein Datenblatt, das nach Raumfahrt klang. Ohne jemals abgehoben zu sein, zieht der chinesische Staubsauger- und Saugroboterhersteller die Reißleine. Car News China meldet: Dreame schließt sein Automotive-Geschäft und liquidiert das interne "Starry Sky"-Projekt – ein abruptes Ende für das angekündigte "Nebula Next 01 Jet Edition".
Ein Jahr im Automarkt reichte
Dreame stieg im August 2025 in den Automarkt ein. Anfang 2026 folgte der große Auftritt: Im Januar zeigte Dreame auf der CES in Las Vegas ein Supercar-Konzept, am 27. April inszenierte die Firma in San Francisco die "Nebula Next 01 Jet Edition" als spektakulären Technologieträger. Die Botschaft: Ein Haushaltsgeräte-Hersteller liefert plötzlich Bugatti-Fahrwerte und nimmt es locker mit dem im November 2017 angekündigten und bis heute (Ende August 2026) nicht vorgestellten Tesla Roadster 2.0 auf.
Spezifikationen aus einer Traumwelt
Dreame bewarb das Auto als Durchbruch, als "Raumfahrt für die Straße." Die Energie sollte ein ein sulfidhaltiger Feststoffakku mit angeblich über 450 Wh/kg Energiedichte speichern. Damit sollte die Straßenrakete nach chinesischem CLTC-Verbrauchszyklus mehr als 550 Kilometer weit kommen. Dazu nannte Dreame einen maximalen Schub von 100 Kilonewton für das Antriebssystem.
Vom 1.000er-Team zum Abwicklungs-Rest
Die Chinesen zogen das Projekt zunächst groß auf. Die Autosparte beschäftigte in der Spitze fast 1.000 Menschen. Ab Mai begannen jedoch Entlassungen, am Ende blieben nur noch wenige Dutzend Beschäftigte übrig. Diese Restmannschaft kommt laut Bericht vor allem aus Finanzen, Recht und Personal – und sie soll Lieferantenschulden abarbeiten, Verträge schließen und die rechtliche Abwicklung der beteiligten Gesellschaften organisieren.
Marketing zuerst, Entwicklung später
Car News China stützt sich auf interne Quellen und Aussagen ehemaliger Mitarbeiter, die ein anderes Bild zeichnen als das Bühnenprogramm. Dreame lockte demnach Fachkräfte aus etablierten Autobauern mit hohen Gehältern und großen Titeln – und setzte sie anschließend stärker auf Finanzierung als auf Produktarbeit an.
Showcar ohne Substanz
Besonders heikel wirken die Details rund um das CES-Fahrzeug. Ehemalige Mitarbeiter sagten gegenüber China Economy: Das auf der CES gezeigte Supercar-Modell habe kein Chassis gehabt und habe sich per Fernsteuerung bewegen lassen. Zudem soll Dreame das Modell bei einer Modellbaufirma in Shanghai gekauft und anschließend mit Chassis und mit anscheinend nicht betriebsbereiten Schubdüsen modifiziert haben.
Behörden untersuchen Finanzierung
Berichten zufolge griffen lokale Behörden ein und prüften die Nutzung von Investmentmitteln; außerdem soll die Behörde die freie Verwendung staatlicher Fördermittel eingeschränkt haben und untersuchen, ob das E-Auto-Projekt nicht nur ein Werbemittel zum Geldeinsammeln war.
Zurück zu Staubsaugern
CEO Yu Hao richtet Dreame wieder auf das Kerngeschäft aus. Der Konzern konzentriert sich auf vier Produktreihen: Staubsauger, Roboterrasenmäher, elektrische Zweiräder und "Magic Atom"-Roboter (zwei- und vierbeinige Roboter für Produktions-, Logistik- und Überwachungsaufgaben). Laut Bericht strebt das Unternehmen auch weiterhin einen Börsengang an.
Parallele zu Dyson
Dreame steht als Staubsauger-Spezialist mit dem Ausflug in die Auto-Welt nicht allein. Dyson stoppte sein Elektroauto-Projekt 2019 aus wirtschaftlichen Gründen, obwohl der Hersteller zuvor große Investitionen, hohe Stückkosten und ambitionierte Batteriepläne kommuniziert hatte. Der Unterschied: Dyson arbeitete jahrelang an einem realen Fahrzeugkonzept – Dreame setzte auf maximale Show und kassiert jetzt den Vorwurf, gar kein Auto bauen zu wollen. Eine Gemeinsamkeit bleibt aber: Autobauen zwingt selbst sehr erfolgreiche Haushaltsgeräte-Marken in eine Disziplin, die sie nicht nebenbei lernen.
