Kunden bauen ihren Radpanzer künftig selbst
Wer trägt den Radpanzer, den Mannschaftstransporter oder die neue Amphibie der Zukunft? Der Rüstungskonzern KNDS hat darauf eine modulare Antwort: Celeris 8×8.
Die neue 8×8-Plattform wurde auf der Rüstungsmesse MSPO in Polen vorgestellt – als technischer Unterbau für eine ganze Fahrzeugfamilie. Darauf können ein Schützenpanzer mit Maschinenkanone, ein Mannschaftstransporter, ein amphibisches Fahrzeug oder ein militärischer Lastenträger aufgebaut werden – mit einem Gewicht von bis zu 36 Tonnen. KNDS liefert mit Celeris 8×8 indes kein fertiges Modell, sondern die technische Grundlage dafür. Kunden und ihre Industriepartner können darauf ein Fahrzeug entwickeln, das bei Aufbau, Schutz und Bewaffnung an die eigenen Anforderungen angepasst ist.
Die Technik steckt unter dem Panzer
Zur Plattform gehören Motor, Getriebe und Kühlung sowie Achsen, Federung, Lenkung und Bremsanlage. Auch die Fahrzeugelektronik, die Bedienelemente für die Besatzung und die Stromversorgung sind bereits Teil des Pakets. Allerdings fehlen noch Angaben zu Motorleistung, Geschwindigkeit und Reichweite.
Die Plattform kann mit einem separaten Rahmen oder einer selbsttragenden Panzerwanne verbunden werden. Bei der ersten Lösung sitzt der Aufbau auf einer tragenden Unterkonstruktion. Bei der zweiten übernimmt die gepanzerte Wanne selbst einen Teil der tragenden Funktion. Dadurch kann Celeris 8×8 an unterschiedliche Gewichtsklassen, Schutzniveaus und Aufbauten angepasst werden.
In zwölf Monaten soll der erste Prototyp stehen
Der Vorteil des Konzepts liegt in der kurzen Entwicklungszeit. Da die wesentlichen Komponenten bereits aufeinander abgestimmt sind, muss ein Fahrzeughersteller nicht mit einem leeren Blatt beginnen. Er entwickelt vor allem die Panzerwanne, legt Schutz und Innenraum fest und integriert die gewünschte Bewaffnung.
KNDS hält es für möglich, innerhalb von weniger als zwölf Monaten ein erstes lokal produziertes Fahrzeug vorzustellen. Serienreif wäre ein solcher Prototyp damit noch nicht. Erprobung, Schutztests und militärische Zulassung schließen sich erst danach an.
Erprobt wurde das Prinzip bereits beim Celeris 4×4
Neu ist vor allem die Größe. Das Celeris-Prinzip gibt es bereits als 4×4-Plattform, die für Fahrzeuge zwischen 13 und 18 Tonnen ausgelegt ist. Auf dieser Basis arbeiten Partner in Kanada, Indonesien und Finnland an eigenen Fahrzeugen. Nun überträgt KNDS Mobility den Ansatz auf die schwerere 8×8-Klasse.
Die Technik stammt nicht aus einem einzelnen vorhandenen Radpanzer. KNDS verweist auf Erfahrungen aus mehreren Programmen, darunter der französische VBCI, der singapurische Terrex und der serbische Lazar 3. Hinter Celeris steht der frühere Fahrwerksspezialist Texelis Defense, der seit April 2026 als KNDS Mobility zum Konzern gehört. Das Unternehmen liefert auch die Mobilitätstechnik für den französischen Serval.
