Ineos schickt ausgerechnet den Grenadier ins Rennen
Mit Ineos geht ein weiterer Autohersteller ins Rennen um die Nachfolge der betagten Land Rover der britischen Armee. Der Grenadier soll dafür zur Basis einer ganzen Familie militärischer Spezialfahrzeuge werden.
Das britische Verteidigungsministerium sucht mit dem Light Mobility Vehicle Programme nicht nur einen neuen Geländewagen. Vorgesehen sind neun Varianten für unterschiedliche Aufgaben. Langfristig könnte der Auftrag mehr als 9.500 Fahrzeuge umfassen. Um diese Bandbreite abzudecken, arbeitet Ineos mit vier britischen Spezialisten zusammen.
Vom Transporter bis zum geschützten Grenadier
Zu den bereits bekannten Ausführungen gehören das General Purpose Vehicle, das Multi-Role Light Vehicle (MRLV) und das Enhanced Protection Vehicle. Das General Purpose Vehicle soll vor allem Personal und Material transportieren. Das Multi-Role Light Vehicle ist für wechselnde Aufbauten und militärische Ausrüstung vorgesehen.
Das Enhanced Protection Vehicle erhält zusätzlichen Schutz für gefährdete Einsätze. Welche Panzerung vorgesehen ist und gegen welche Bedrohungen sie schützen soll, hat das Konsortium noch nicht mitgeteilt. Auch Angaben zu Gewicht, Nutzlast und möglicher Bewaffnung fehlen noch.
Die Konstruktion erleichtert militärische Umbauten
Als Grundlage dient der zivile Grenadier mit seinem separaten Leiterrahmen, permanentem Allradantrieb und Starrachsen. Anders als bei Fahrzeugen mit selbsttragender Karosserie lassen sich auf dem Rahmen unterschiedliche Kabinen und Aufbauten montieren. Auch zusätzliche Schutzplatten, Funktechnik, Waffenhalterungen oder medizinische Module können je nach Ausführung ergänzt werden.
Diese Konstruktion ist ein wesentlicher Unterschied zum aktuellen Land Rover Defender, der eine selbsttragende Karosserie besitzt. Wie viel Technik Ineos vom Serien-Grenadier übernimmt, ist allerdings offen.
Fünf Unternehmen bilden Team Grenadier
Ineos Automotive liefert das Basisfahrzeug. SMT Defence soll daraus die verschiedenen Militärversionen entwickeln und die benötigte Ausrüstung integrieren. Das Unternehmen arbeitet an modularen Spezialfahrzeugen und geschützten Konstruktionen für militärische Nutzer.
NMS UK übernimmt Aufgaben bei Fertigung, Systemintegration und Qualitätssicherung. Der britische Rüstungsspezialist entwickelt gepanzerte und geschützte Fahrzeuge und soll die Grenadier auch während ihrer späteren Dienstzeit betreuen. Ineos stellt zudem eine Montage in Großbritannien und die Einbindung britischer Zulieferer in Aussicht.
Neue Partner kümmern sich um die Flotte
Mit Hobson Industries und TVS Supply Chain Solutions wächst das Konsortium nun auf fünf Unternehmen. Beide sollen vor allem den Betrieb der Fahrzeuge nach der Auslieferung absichern. Damit reagiert Ineos auf die Forderung des Verteidigungsministeriums, nicht nur Fahrzeuge zu liefern, sondern deren Einsatzbereitschaft über viele Jahre zu gewährleisten.
Hobson Industries arbeitet Fahrzeuge auf, modernisiert bestehende Flotten und hält ältere Modelle bis zum Ende ihrer Dienstzeit instand. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über 40 Jahre Erfahrung mit Verteidigungsprogrammen und war bereits für das britische Verteidigungsministerium tätig.
TVS Supply Chain Solutions übernimmt das Ersatzteilmanagement und die Organisation der Lieferketten. Dazu gehören die Beschaffung, Lagerung und Verteilung von Bauteilen. Gemeinsam sollen NMS UK, Hobson und TVS auch spätere Umbauten und technische Aktualisierungen der Fahrzeuge ermöglichen.
Sieben Bewerber sind noch im Rennen
Das britische Verteidigungsministerium hat sieben Unternehmen oder Bietergemeinschaften für die engere Auswahl vorgesehen, nennt jedoch nicht alle Teilnehmer. Neben Ineos haben mehrere Anbieter ihre Konzepte bereits öffentlich gemacht.
