BMW liegt vor Audi, Mercedes und womöglich VW
BMW hat zwei Millionen Elektroautos verkauft und liegt damit klar vor Mercedes und Audi. Und dabei nehmen die Münchener gerade erst Fahrt auf.
Zwei Millionen vollelektrische Fahrzeuge hat die BMW Group seit Ende 2013 weltweit an Kunden übergeben. Damit haben sich die Münchener einen klaren Vorsprung vor der deutschen Premium-Konkurrenz gesichert. Audi kommt über die Jahre auf knapp 900.000 reine Elektroautos, Mercedes-Benz auf knapp 800.000. BMW liegt damit beim bisherigen BEV-Absatz deutlich vor seinen beiden wichtigsten deutschen Premiumkonkurrenten und auf Augenhöhe mit der Marke VW.
Noch spannender wird, wann BMW bereits die nächste Million knackt. Für die ersten zwei benötigte der Konzern fast 13 Jahre. Mit der Neuen Klasse soll sich das Tempo nun deutlich erhöhen. Der neue iX3 liefert dafür bereits erste Anzeichen.
Zwei Millionen Elektroautos seit dem i3
Der Meilenstein wurde im August 2026 erreicht. Das zweimillionste vollelektrische Fahrzeug der BMW Group war ein BMW i5 M60 xDrive, der im Werk Dingolfing produziert und anschließend an einen Kunden in Spanien ausgeliefert wurde. Damit liegen zwischen dem Marktstart des ersten BMW i3 Ende 2013 und der Zwei-Millionen-Marke knapp 13 Jahre. Der Weg dorthin verlief allerdings nicht linear. Nach dem i3 dauerte es zunächst einige Jahre, bis BMW das Elektroangebot auf weitere Segmente ausweitete.
Mit i4, iX, iX1, i5 und weiteren Baureihen entstand schließlich ein breiteres elektrisches Portfolio. Gleichzeitig setzte BMW weiterhin auf einen Antriebsmix aus Verbrennungsmotoren, Plug-in-Hybriden und reinen Elektroautos. Werden neben den BEVs auch Plug-in-Hybride berücksichtigt, hat die BMW Group seit 2013 weltweit rund 3,5 Millionen elektrifizierte Fahrzeuge ausgeliefert. Im ersten Halbjahr 2026 war bereits mehr als jedes vierte verkaufte Fahrzeug der BMW Group elektrifiziert.
BMW noch kein Massenhersteller
BMW hat beim bisherigen Elektroabsatz von Premium-Fahrzeugen einen deutlichen Vorsprung. Beim Blick auf die Zahlen der großen Konzerne relativiert sich der Vorsprung allerdings etwas. Der Volkswagen-Konzern hat Anfang 2026 die Zahl von vier Millionen vollelektrischen Fahrzeugen überschritten. Hinter dieser Zahl stecken jedoch nicht nur Volkswagen, sondern unter anderem auch Audi, Škoda, Porsche und Cupra.
Betrachtet man ausschließlich die Kernmarke Volkswagen, liegt deren kumulierter BEV-Absatz ungefähr bei zwei Millionen Fahrzeugen und damit in einer ähnlichen Größenordnung wie BMW. Chinesische Hersteller oder Tesla spielen beim weltweiten Volumen noch einmal in einer anderen Liga: Der US-Hersteller dürfte inzwischen etwa sieben bis acht Millionen reine Elektroautos ausgeliefert haben.
Die Neue Klasse beschleunigt den Hochlauf
Doch BMW ist auf dem besten Weg, den Absatz bei Elektroautos deutlich zu beschleunigen. Hier kommt die Neue Klasse ins Spiel. Der neue BMW iX3 ist das erste Serienmodell der neuen technischen Generation und soll den Beginn eines wesentlich breiteren Modellhochlaufs markieren. In Europa zeigt sich bereits ein deutlicher Effekt. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Absatz vollelektrischer BMW Group-Fahrzeuge auf dem Kontinent um 38 Prozent auf 81.445 Einheiten.
Im ersten Halbjahr erreichte der Anteil vollelektrischer Fahrzeuge am europäischen Gesamtabsatz rund 28 Prozent. Damit war bereits mehr als jedes vierte verkaufte Fahrzeug ein reines Elektroauto. Besonders auffällig ist die Rolle des iX3. Seit seiner Weltpremiere war laut BMW etwa jedes dritte in Europa bestellte vollelektrische BMW-Fahrzeug ein iX3. Innerhalb der X3-Familie entfällt inzwischen sogar jede zweite Bestellung auf die elektrische Variante. Für den neuen SUV liegt die Zahl der Auftragseingänge in Europa bei 100.000.
Der iX3 ist erst der Anfang
Der iX3 ist für BMW deshalb mehr als ein weiteres Elektro-SUV. Das Modell ist der erste Großserienvertreter der Neuen Klasse und soll zeigen, ob BMW mit der neuen technischen Basis einen größeren Teil der Kunden für den elektrischen Antrieb gewinnen kann. Im August 2026 folgt bereits das zweite Modell. Im BMW-Werk München startete die Serienproduktion des neuen BMW i3. Vom ursprünglichen i3 unterscheidet sich die neue Limousine allerdings grundlegend. Der erste i3 war als kompakter Elektro-Pionier konzipiert. Der neue i3 ist dagegen eine elektrische Mittelklasse-Limousine und damit deutlich näher am Kern des BMW-Geschäfts positioniert.
Auch hier berichtet BMW bereits kurz nach dem vorgezogenen Bestellstart von einer hohen Nachfrage. Im Werk München soll die Anlaufkurve entsprechend steil ausfallen. Damit stehen innerhalb kurzer Zeit zwei Modelle auf der neuen technischen Basis. Weitere sollen folgen.
Rund 40 Modelle bis 2027
BMW will die Technologien und Elemente der Neuen Klasse bis 2027 auf rund 40 neue oder überarbeitete Modelle weltweit übertragen. Dabei geht es nicht ausschließlich um reine Elektroautos. Auch Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor sollen von einzelnen technischen Entwicklungen profitieren. Für das BEV-Geschäft ist der Ansatz dennoch entscheidend. BMW kann die neue Antriebs-, Batterie- und Elektronikarchitektur schrittweise über zahlreiche Baureihen skalieren.
Das unterscheidet die aktuelle Phase von den ersten Jahren der BMW-Elektromobilität. Der i3 war ein eigenständiges Projekt, später folgten einzelne Elektrovarianten und zusätzliche Baureihen. Mit der Neuen Klasse soll dagegen eine gemeinsame technologische Basis für einen großen Teil des zukünftigen Modellprogramms entstehen.
Die dritte Million könnte schneller kommen
Die Voraussetzungen für die nächste Million sind heute also völlig andere. Das Unternehmen verfügt über ein deutlich breiteres Elektroportfolio, eine etablierte Kundenbasis und mit der Neuen Klasse eine technische Architektur, die auf zahlreiche Modelle übertragen werden soll. Der iX3 zeigt bereits, welches Potenzial darin steckt. Wenn weitere Modelle ähnlich stark nachgefragt werden, könnte BMW die dritte Million deutlich schneller erreichen als die zweite. Eine konkrete Prognose für den Zeitpunkt nennt der Konzern allerdings nicht.
China bleibt die Herausforderung
Die Entwicklung in Europa macht BMW derzeit Mut. Ein BEV-Anteil von rund 28 Prozent im ersten Halbjahr und das Absatzplus von 38 Prozent im zweiten Quartal zeigen, dass die elektrischen Modelle zunehmend zum normalen Bestandteil des BMW-Geschäfts werden. Global ist das Bild schwieriger. Vor allem China ist für BMW ein wesentlich härter umkämpfter Elektroautomarkt. Dort treten zahlreiche heimische Hersteller mit einer großen Modellvielfalt, schnellen Produktzyklen und teilweise aggressiver Preispolitik an.
Die Neue Klasse muss deshalb nicht nur in Europa funktionieren. Für BMW wird entscheidend sein, ob iX3, i3 und die folgenden Modelle auch in China ausreichend Nachfrage erzeugen können. Die Preise wurden bereits gesenkt. Gerade der globale Erfolg wird darüber entscheiden, ob BMW seinen bisherigen Vorsprung bei den deutschen Premiumherstellern weiter ausbauen kann.
