Audi prüft rechtliche Schritte gegen AUDI-Import
Ein ominöser China-Importeur bietet die Modelle der China-Marke AUDI in Deutschland an. Audi Deutschland prüft rechtliche Schritte und schließt ein eigenes, autorisiertes Angebot aus.
Audi kämpft mit den gleichen Problemen wie viele europäische Hersteller. Das Größte: Absatz- und Gewinneinbruch in China. Um dort schnell konkurrenzfähige E-Modelle anbieten zu können, haben die Ingolstädter einen Kombi und einen SUV (E7X) in Kooperation mit Joint-Venture-Partner SAIC entwickelt und in China unter dem Markennamen AUDI (in Versalien) ohne die vier Ringe im Logo auf den Markt gebracht. Der Kombi namens E5 Sportback (siehe Bildergalerie) kam Ende August 2025 und wurde im vergangenen Jahr etwa 7.000 Mal verkauft. Erfolg geht anders. Infolgedessen senkte Audi den Preis Anfang 2026 auf umgerechnet gut 25.000 Euro.
Dabei ist der E5 Sportback 4,88 Meter lang, hat bis zu 579 kW Leistung und eine bis zu 100 kWh große Batterie für 773 Kilometer Reichweite und eine 800-Volt-Plattform, mit der sich 370 Kilometer Reichweite in nur zehn Minuten nachladen lassen sollen. Nach dem Rabatt rangierte der E5 preislich nahe bei Wettbewerbern wie dem Xiaomi SU7, den der Hersteller im vergangenen Jahr mehr als 250.000 Mal verkauft hat.
AUDI E5 – viel Power und Schnick-Schnack zum halben Preis?
Attraktive Technologie und Design, aber Preise, die auf den ersten Blick nicht mal halb so hoch sind wie die von vergleichbaren Audi-Modellen in Europa – das könnte doch auch hierzulande Kunden ansprechen. Dachte sich wohl auch der Importeur Auto China. Der bietet aktuell auf seiner Website den E5 Sportback und den SUV E7X an. Der Importeur ruft 59.980 Euro für den E5 und 72.900 Euro für den E7X in der Ausstattung Flagship auf. Schon diese Preise liegen etwa doppelt so hoch wie die in China. Und das sind (unzulässigerweise) nur die Netto-Basispreise. Hinzu kommen automatisch ein Ladeadapter für 950 Euro, eine hierzulande ebenso zwingend erforderliche EU-Straßenzulassung für 1.500 Euro, die Lieferung für weitere 2.800 Euro und zwei Jahre Garantie kosten 3.500 Euro. Auf die dann 68.730 Euro kommt noch die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent – macht aufgerundet 81.789 Euro.
In China kostet der E5 Sportback Flagship etwa 36.000 Euro – der deutsche Preis ist also mehr als doppelt so hoch, womit das scheinbare Billigangebot eher teurer ist als ein vergleichbares europäisches Modell. Ein A6 E-Tron Sportback (4,93 Meter lang) mit 210 kW und etwas größerem NMC- statt LFP-Akku beginnt nämlich bereits bei 62.800 Euro.
AUDI spricht nur Englisch und erkennt keine Schilder
Hinzu kommt: Der E5 aus China hat zwar nominell eine reichhaltigere Ausstattung, aber einiges davon funktioniert in Deutschland nicht, wie Auto China auf Anfrage bestätigt: Nicht funktionsfähig seien "China-spezifische Fahrfunktionen, die in der EU nicht zulässig oder nutzbar sind oder auf chinesischen Servern/Karten basieren, wie z. B. autonomes Fahren. Verkehrszeichenerkennung und autonome Fahrfunktionen würden in Europa möglicherweise eingeschränkt oder gar nicht arbeiten.
Auch "im europäischen Straßenverkehr ordnungsgemäß funktionieren" laut Importeur angeblich: Spurhalteassistent, Abstandsregeltempomat (Distronic), Tempomat, Kamerasysteme (z. B. 360°- und Rückfahrkamera), Anzeige von Fahrzeugen und Fahrspuren im Zentraldisplay, Smartphone-Integration via Apple CarPlay und Android Auto. Weitere Einschränkung: "Fahrzeug ist auf Englisch", was sich auf die Menüs in Infotainment und Bedienung bezieht und wohl auf die Sprachsteuerung. Die Lieferzeit beträgt laut Auto China übrigens sechs Monate.
Warum bringt Audi keine AUDIs nach Europa?
So was anzupassen, übersteigt die technischen Möglichkeiten eines Importeurs. Für Audi, so denkt der Laie, sollte das aber eine kleinere Übung sein. Warum also nicht die chinesischen Hersteller, die in Deutschland mit ihren günstigen Autos bereits Marktanteile erobern, mit den eigenen günstigen China-Modellen kontern? Ähnliches ist für die China-Modelle von Volkswagen zumindest im Gespräch gewesen, allerdings im Zusammenhang mit einer Produktion der Modelle in schwach ausgelasteten Werken in Deutschland.
Die Nachfrage in Ingolstadt ergibt allerdings ernüchterndes: "Die Modelle der Marke AUDI sind tief in das digitale Ökosystem Chinas integriert. Die Fahrzeuge sind gezielt auf die spezifischen Bedürfnisse und Anforderungen unserer chinesischen Kundinnen und Kunden zugeschnitten und werden ausschließlich für den chinesischen Markt entwickelt. Wir planen keine Anpassung für den europäischen Markt, da dies quasi einer Neuentwicklung der Fahrzeug-Elektronik gleich käme".
Keine Wartung, keine Garantie von Audi für AUDIs
Wenig erstaunlich warnt Audi aber auch vor dem Kauf eines direkt Europa importierten AUDI: "Es freut uns, dass das Interesse und die Begeisterung für AUDI-Modelle auch über den chinesischen Markt hinaus wachsen. Wir geben jedoch zu bedenken: Modelle der Marke AUDI haben keine EU-Typzulassung. Diese Fahrzeuge werden nicht über einen offiziellen, von der AUDI AG autorisierten Vertriebsweg in einzelne Länder außerhalb von China exportiert und dann unter uns nicht bekannten Bedingungen zugelassen".Das habe für potentielle Kundinnen und Kunden einschneidende Konsequenzen: "Zum Beispiel kann die Versorgung mit Ersatzteilen oder Service-Dienstleistungen in anderen Ländern außerhalb von China nicht garantiert werden. Vermeintlich geringfügige Reparatur- und Wartungsarbeiten können daher nicht abschätzbare Kosten nach sich ziehen, die mit langen Wartezeiten verbunden sein können, wenn die benötigten Ersatzteile aus China über Umwege importiert werden. Im Fahrzeug enthaltene Connectivity-Features und Assistenzsysteme werden nicht zuverlässig funktionieren, Software-Updates können nicht durchgeführt werden."
Audi prüft rechtliche Schritte gegen freien Import von AUDIs
"Modelle der Marke AUDI können außerhalb Chinas nicht zuverlässig betreut werden", heißt es aus Ingolstadt. Weder Audi noch autorisierte Audi-Händler außerhalb Chinas könnten Wartungsarbeiten übernehmen. AUDI-Modelle würden in diesen Ländern als Fremdfabrikate gelten, für die Audi-Partnerbetriebe nicht die notwendigen technischen Ausstattungen mitbrächten. "Kundinnen und Kunden machen sich damit von nicht autorisierten Importeuren abhängig. Die Audi AG prüft mögliche rechtliche Schritte gegen den Import von Modellen der Marke AUDI".
Keine leere Floskel, wie der Fall von 22 aus China importierten VW UD.6 Crozz zeigt. Volkswagen zog gegen den Händler vor Gericht und gewann: Die betroffenen Fahrzeuge gelten als nicht zulässig im europäischen Markt. Neben dem Verkaufsverbot macht das Urteil sogar die zwangsweise Vernichtung der Fahrzeuge rechtlich möglich.
