Überstimmt angeblich den Fahrer
Teslas neues FSD-Update in den USA kann angeblich in kritischen Situationen beim Lenken und Beschleunigen den Fahrer überstimmen. In Deutschland würde so ein Eingriff an der Pflicht scheitern, dass der Mensch Lenken, Gas und Bremse jederzeit übersteuern oder abschalten können muss.
Teslas Assistenzsystem FSD (Full Self-Driving – Supervised/Überwacht durch den Fahrer) v14.3.9 hat eine neue Sicherheitsfunktion für Notsituationen bekommen. Tesla AI, der X-Account, über den Tesla Autopilot- und FSD-Updates ankündigt, beschreibt das System so: Erkennt die Software eine unmittelbar bevorstehende Kollision und reicht automatisches Notbremsen (AEB – Automatic Emergency Braking) voraussichtlich nicht aus, kann FSD für den Fahrer aktiv werden. Dann kombiniert das Auto Lenkung, Bremsen und bei Bedarf auch Beschleunigung, um einem Aufprall auszuweichen. Einige US-Medien interpretieren das so: Das System überstimmt bei Lenkung und Beschleunigung den Fahrer.
So greift FSD ein – auch bei manueller Fahrt
Die Funktion greift auch dann ein, wenn der Mensch gerade selbst lenkt. Teslarati und Autoblog berichten, das System schalte sich in diesem Moment aktiv zu, führe das Manöver aus und fordert dann den Fahrer auf, wieder die Kontrolle zu übernehmen. Während der Notsituation soll der Fahrer nur noch bremsen können – Lenken und Beschleunigen sei für ihn nicht mehr möglich.
Auslöser: drohender Crash, Ablenkung, versehentliches Abschalten
Auf Tesla AI führt der Hersteller als Hauptgrund die Gefahr eines unmittelbaren Aufpralls an, wenn die KI erkennt, dass AEB allein nicht genügt. Zusätzlich berücksichtigt die Technik angeblich zwei menschliche Fehlerbilder: starke Ablenkung, die die Innenraumkamera erkennt, sowie ein unbeabsichtigtes Deaktivieren des FSD – etwa durch einen kleinen Lenkeingriff in einer ungünstigen Situation. Hier soll die neue Ebene als sogenanntes Sicherheitsnetz dienen, dass permanent im Hintergrund aufgespannt ist.
Wie weit das System den Fahrer überstimmt: Streitpunkt in den USA
Die US-Debatte entzündet sich an der Frage, wie viel Mitsprache der Mensch während des Eingriffs behält. Wie oben gesagt, beschreibt autoevolution die Funktion besonders drastisch: Das System könne in der Gefahrensituation Lenkung und Beschleunigung übergehen, während nur die Bremse als Eingriffsmöglichkeit bleibe. Teslarati und Autoblog formulieren diesen Punkt zurückhaltender und fokussieren stärker auf die automatische Aktivierung und das Ausweichmanöver selbst – ohne die Reichweite der Fahrer-Übersteuerung so hart zuzuspitzen.
Deutschland: Warum das so nicht zulässig wäre
Das deutsche Straßenverkehrsgesetz verlangt bei hoch- oder vollautomatisierten Fahrfunktionen die manuelle Übersteuer- oder Deaktivierungsmöglichkeit durch den Fahrzeugführer (§ 1a Abs. 2 Nr. 3 StVG). Der Mensch muss damit im Zweifel die Entscheidung über Lenken, Beschleunigen und Bremsen behalten. Klassische Notfallfunktionen wie Notbremsen oder Notfall-Spurhalten dürfen kurzzeitig eingreifen, sie dürfen den Fahrer jedoch nicht dauerhaft von den primären Bedienelementen abkoppeln. Ein System, das Lenken und Gas blockiert und den Fahrer auf die Bremse als einzigen Ausweg reduziert, würde nach dieser Maßgabe in einem normalen Pkw-Zulassungsrahmen in Deutschland scheitern.
