Zurück zu Knöpfen und Tasten? Nicht bei BMW!
VW oder Mercedes wollen zurückrudern und wieder mehr echte Knöpfe verbauen – BMW will weiterhin auf Touchscreens und Sprachsteuerung setzen. Und ein australischer BMW-Manager behauptet, die Käufer sind zu Multitasking fähig.
Während andere Autohersteller bei Touchscreens wieder einen Gang zurückschalten, geht BMW offenbar weiter in die andere Richtung. Der neue iX3 der Neuen Klasse – der ja eine neue BMW-Generation einleitet – verzichtet etwa weitgehend auf klassische Tasten und Drehregler. Für BMW Australia ist das kein Problem – im Gegenteil: Vor allem jüngere Kunden seien an Touch- und Sprachbedienung gewöhnt und würden zunehmend mehrere Dinge gleichzeitig erledigen. Das zumindest sagt der australische BMW-Chef.
Junge Kunden spricht das an
"Jüngere Kunden wollen Dinge schnell erledigt haben und sie sind Multitasking-fähig", sagte Vikram Pawah, CEO von BMW Group Australia, im Gespräch mit CarExpert. Die Kunden würden sich verändern, deshalb müsse auch das Auto mitziehen. Gerade die Generation bis etwa 45 Jahre sei stärker mit Sprachsteuerung und Touchbedienung vertraut.
Das zeigt sich besonders deutlich in den neuen Cockpits, mit denen der iX3 begann. Klassische Bedienelemente für die Klimaanlage sucht man dort vergeblich. Statt Drehreglern und Tasten sitzen die entsprechenden Funktionen auf dem zentralen Touchscreen. Auch zahlreiche andere Einstellungen werden über den Bildschirm oder per Sprache gesteuert.
BMW setzt auf Touch und Sprache
BMW bezeichnet sein neues Bedienkonzept als besonders intuitiv. Der weiterentwickelte Sprachassistent soll dabei deutlich mehr können als einfache Befehle. So soll der Fahrer etwa sagen können, dass die Luft nicht mehr ins Gesicht blasen soll. Auch komplexere Wünsche wie die Suche nach einem bereits besuchten Café sollen sich per Sprache formulieren lassen. Zum neuen Innenraumkonzept gehört außerdem das BMW Panoramic iDrive. Ein zusätzliches Display erstreckt sich über die gesamte Breite des unteren Windschutzscheibenbereichs. Ergänzt wird es durch ein Head-up-Display und den zentralen Infotainment-Bildschirm. Ein klassisches digitales Kombiinstrument gibt es dagegen nicht mehr.
Ganz ohne physische Bedienelemente kommt BMW allerdings nicht aus. Lenkrad und Lenksäule verfügen weiterhin über einige klassische Funktionen. Zudem setzt BMW am Lenkrad auf sogenannte "ShyTech"-Bedienelemente, die erst dann sichtbar beziehungsweise beleuchtet werden, wenn sie benötigt werden. Pawah sieht darin eine logische Entwicklung. Das Auto sei schließlich kein isoliertes Produkt, sondern Teil der Gesellschaft. Touch- und Sprachbedienung würden im Alltag immer wichtiger – und BMW müsse diese Entwicklung berücksichtigen.
Andere Hersteller rudern zurück
Genau an diesem Punkt wird die BMW-Argumentation allerdings kontrovers. Denn während BMW den weitgehenden Abschied von Tasten als Anpassung an eine neue Generation versteht, beginnen andere Hersteller gerade damit, physische Bedienelemente wiederzuentdecken. Volkswagen hat nach viel Kritik seine Touch-Bedienung teilweise überarbeitet. Auch Mercedes hat eingeräumt, dass die Branche bei der Digitalisierung der Innenräume möglicherweise zu weit gegangen ist. Gleichzeitig sprechen Untersuchungen dafür, dass klassische Tasten und Regler bei bestimmten Funktionen schneller und weniger ablenkend bedient werden können als Touchscreens.
Auch regulatorisch zeichnet sich eine Gegenbewegung ab. China plant neue Vorgaben, nach denen zahlreiche wichtige Fahrzeugfunktionen wieder über physische Bedienelemente außerhalb eines Displays erreichbar sein müssen. Dazu gehören unter anderem Blinker, Scheibenwischer, Licht, Warnblinker und bestimmte Getriebefunktionen. Nach aktuellem Stand sollen die Regeln ab Juli 2027 gelten. BMW dürfte davon allerdings weniger stark betroffen sein als Hersteller, die nahezu sämtliche Funktionen auf einen zentralen Bildschirm verlagert haben. Der iX3 besitzt trotz des minimalistischen Cockpits weiterhin klassische Bedienelemente für einige wichtige Funktionen.
Der neue iDrive-Streit
BMW erinnert bei der Verteidigung seines Konzepts an einen bekannten Präzedenzfall: die Einführung des ersten iDrive im Jahr 2001. Auch damals gab es massive Kritik an der ungewohnten Bedienung. Heute gilt das System als charakteristisches Merkmal moderner BMWs. Der Unterschied: Beim iDrive wurde eine Vielzahl einzelner Schalter durch einen Dreh- und Drückregler ersetzt. Der Fahrer konnte ihn bedienen, ohne den Blick dauerhaft von der Straße nehmen zu müssen. Der aktuelle Trend geht dagegen vielfach in Richtung Touchscreen – also zu einer Bedienung, bei der der Fahrer häufig auf eine glatte Bildschirmoberfläche schauen und eine bestimmte Stelle treffen muss.
Genau deshalb wirkt die Begründung mit dem "Multitasking" zumindest diskussionswürdig. Autofahrer erledigen während der Fahrt ohnehin eine komplexe Aufgabe. Ob es tatsächlich ein Vorteil ist, zusätzlich noch Klimaanlage, Navigation oder andere Funktionen über einen Bildschirm bedienen zu müssen, ist eine andere Frage.
