Der neue Wintercaravan mit XPS statt Styropor
Wo bisher eine Couch stand, hat der 663 HT nun Garderobe und TV-Sideboard. Dafür lassen sich jetzt optional zwei Liegen aus der Sitzgruppe drehen.
Zum Modelljahr 2027 erhält der Adria Alpina 663 HT einen neuen XPS-Dämmaufbau. Unser Test zeigt seine Stärken und Schwächen von Wohnen bis Technik.
Seit fast 20 Jahren ist der Adria Alpina fester Bestandteil der kleinen, aber feinen Klasse der Winter-Caravans mit serienmäßiger Warmwasserheizung. Preislich im Wettbewerb steht er mit dem Fendt Diamant, dem Kabe Estate, dem Polar Blueline – und ganz neu dem Knaus Nordwind. Letzterer ist dem Alpina so ähnlich, dass wir die beiden auf Seite 18 inklusive Daten und Fakten gegenüberstellen.
Adria Alpina 663 HT
- Schlafplätze: 2+2
- Zul. Gesamtgewicht: 2.500 kg
- Länge/Breite/Höhe: 8,63/2,46/2,60 m
- Grundpreis ab: 48.190 Euro
Doch auf den folgenden Seiten geht es allein um den Adria Alpina 663 HT. Zum Modelljahr 2027 hat Adria Styropor (EPS) komplett und Holz zu großen Teilen aus dem GfK-Sandwich verbannt. Die Dämmung übernimmt nun XPS, zur Verstärkung und Versteifung kommen Einleger aus Holz-PU- respektive Alu-PU-Profilen zum Einsatz. Zu erkennen gibt sich der 2027er Alpina außen vor allem am silbernen Aufbau. Auch innen hat Adria Hand angelegt – im 663 HT besonders präsent ist das neue, optionale Lounge-Modul. Zudem sticht der Eingangsbereich mit neuer Garderobe und Sideboard statt Sofa ins Auge. Der Möbelbau selbst bleibt unangetastet. Ist der Alpina jetzt also auf dem Gipfel seines Daseins angekommen?
Wohnen im Adria Alpina 663 HT
Caravans für den Wintereinsatz müssen besonders hohe Anforderungen an die Aufenthaltsqualität erfüllen. Der Alpina 663 HT wirft dafür unter anderem eine Sitzgruppe in den Ring, die optional mit einer einzigartigen, 889 Euro teuren Möglichkeit aufwartet: Die äußeren Schenkel samt verstellbaren Lehnen lassen sich drehen, sodass zwei Canapés für gemütliches Halbliegen entstehen.
Optionale Sitzgruppen-Anpassungen
Im Normalmodus stehen sich die Drehelemente der Lounge-Module als straffe, durchschnittlich bequeme Sitzplätze gegenüber. Die Längsbank indes taugt trotz – oder gerade wegen – des weichen Kissens als Lehne nicht als Dauersitzplatz. Am bequemsten verweilt man tatsächlich auf den beiden Chaiselongues; deren Lehnenneigung lässt sich über Aufsteller hinter den Polstern anpassen. Die Serien-Sitzgruppe verzichtet an den Außenplätzen auf Rückenlehnen – ein weiteres Argument fürs Lounge-Modul. Der Tisch ist groß genug für zwei, dürfte auf seinem Rundfuß aber stabiler stehen. Für 749 Euro Aufpreis offeriert Adria eine Tischvergrößerung. Was an der Sitzgruppe fehlt, sind Ablagen – und Lichtschalter.
Schlafzimmer und Betten
Das Bett misst 1,93 m Länge und 1,47 m Breite – keine feudalen Maße. Wie bei Grundrissen mit Quer-Queensbett üblich, lässt es sich für den komfortablen Durchgang ins Bad verkürzen, wobei sich das Kopfende aufstellt; im Alpina geschieht das nun elektrisch. Der Lattenrost liegt in einem sehr stabilen Stahlrahmen. Wegen relativ großer Abstände zwischen den Latten und der nur 11 cm dicken, in drei Klappsegmente unterteilten Kaltschaummatratze bleibt der Liegekomfort allerdings etwas hinter den Erwartungen zurück. Matratzen-Upgrades ab Werk bietet Adria übrigens nicht an. Dank des schön verkleideten Betthaupts mit zwei einhängbaren Ablageschalen und flankierenden Kleiderschränken entsteht dennoch ein sehr gemütliches Schlafzimmer.
Bad und Küche
Im Bad wartet links die piekfeine Dusche mit sauber verfugter Wanne, hinterleuchteter Duschsäule, verstecktem Heizkörper und praktischer Trockenstange an der Decke. Fürs Zähneputzen und Händewaschen taugt das Aufsatzwaschbecken auf dem doppeltürigen Unterschrank gut. An Stauraum spart Adria nicht, wohl aber an Spiegelfläche und Licht. Und: Große Personen wünschen sich auf der Toilette mehr Platz für und um den Oberkörper. Ausstattung und Lüftungsmöglichkeiten sind dagegen gut.
Bei Sonne kann’s heiß werden in der Küche – gut also, dass sich das riesige Panoramafenster und das Bugfenster öffnen und verdunkeln lassen. Ein Apothekerauszug, drei Schubladen, ein Vorratsschrank und zwei weitere Auszüge darunter schaffen im Küchenkorpus viel Platz.
Kochen und Essen
Dachstauschränke gibt es nicht, dafür eine tiefe Ablage auf dem Fenstersims und eine weitere in Kopfhöhe, die während der Fahrt allerdings nicht nutzbar ist. So groß die Küche ist, so knapp ist die Arbeitsfläche. Da freut man sich über das Schneidebrett, das genau auf die für Platzteller zu kleine Spüle passt. Die größte Fläche in der linken Ecke ist ideal für Küchengeräte; zwei Steckdosen sind dort vorhanden.
Gekocht wird auf einem Hybrid-Herd mit zwei eng beieinanderliegenden Gasflammen und einer 230-V-Induktionsplatte. Wenn man nicht lüften kann, soll ein Aktivkohlefilter im Abzugsgebläse den Kochdunst reinigen – ob das funktioniert, konnten wir allerdings nicht ausprobieren. Dafür wissen wir: Der Kompressor des großen Thetford-Kühlschranks brummt beim Runterkühlen, erledigt diese Aufgabe aber schnell. Über und unter dem Kühlschrank sitzen zwei weitere Staufächer; oben kann eine Mikrowelle eingebaut werden – die Steckdose ist bereits vorhanden.
Verarbeitungsqualität
Zum Schluss dieses Kapitels noch ein Blick auf Möbelkonstruktion und Verarbeitung: Auszüge, Schlösser, Scharniere und die polierten Vollmetallprofile unter den Dachstauschränken zeugen von hohem Qualitätsanspruch. Auch an der Robustheit des Innenausbaus gibt es keinen Zweifel. Am Ende sind es Nuancen, die gerade wegen des edlen Auftritts auffallen: sichtbarer Kleber auf Schrauben und Möbelverbindern, die oben leicht abstehende Verblendung des Backofens und – außen – die unter dem GfK sichtbare Lattung. Bei alledem darf man nicht vergessen: Der Alpina kostet unter 50.000 Euro.
Beladung und Stützlast
Das Kapitel wird von der Stützlast dominiert. Schon ohne Gasflaschen und Wasser im Tank zeigt die Waage 113 kg. Zwar ist die Deichsel des 2,5-Tonnen-Chassis für 120 kg Stützlast ausgelegt – doch auch die ist kaum zu halten: Alles, was in die Küche, in den Gaskasten und in den vorderen Teil des Sideboards gepackt wird, schlägt direkt auf die Stützlast.
Stauraumlösungen
Und mit Ladung im Bettstauraum und im Heckbad allein lässt sich das Übergewicht an der Deichsel nicht wegtrimmen. Andererseits sinkt die Stützlast eines Tandemachsers, sobald die Anhängerkupplung des Zugwagens niedriger als "Normal-Null" liegt, weil dann die vordere Caravanachse die Deichsel entlastet.
Der Bettstauraum ist frei von Technik, bietet aber keine Möglichkeit, Gepäck zu sichern. Von außen ist er über eine Serviceklappe zugänglich, von innen über das klappbare Ende des Lattenrosts – dem allerdings ein Aufsteller fehlt. Die Sitztruhen fallen als Stauraum weg: Unter den Drehsesseln brauchen Heizung und Drehmechanismen der Lounge-Module Platz, unter der Querbank sind Elektrik und Wasseranlage installiert.
Hängeschränke und Kleiderschränke
Im Wohnraum gibt es acht mechanisch verriegelte Hängeschränke; sechs davon hat Adria mit Zwischenböden ausgestattet, die den tieferen oberen Teil voll nutzbar machen. Die neue Garderobe mildert den Umstand, dass die Kleiderschränke links und rechts des Bettes klein sind – und dass Ausgleichsbehälter der Warmwasserheizung sowie Sicherungskasten dem rechten Schrank die für Kleiderbügel nötige Tiefe rauben.
Fahrstabilität und Bremsen
Mit 2,46 Metern Aufbaubreite trifft Adria seit Jahren einen guten Kompromiss aus komfortabler Innenbreite und akzeptabler Übersichtlichkeit. Dazu tragen auch die vier vorderen Positionslichter bei. Durch Doppelachse und hohe Stützlast ist der Alpina 663 HT ausgeprägt fahrstabil. Die einzige Auffälligkeit ist der spürbare Auflaufdruck trotz selbstnachstellender Bremsen. Das deutet auf ein ab Werk nicht ausreichend justiertes Bremsgestänge hin.
Reifen und Sicherheit
Pluspunkte gibt’s für junge Premiumreifen von Continental auf den optionalen Alufelgen und dem serienmäßigen Stahl-Reserverad, für den am Radlauf ablesbaren Reifenfülldruck sowie für die serienmäßigen Schmutzfänger, die den GfK-Unterboden sauberer halten und die Gischt etwas reduzieren.
Technik und Ausstattung
Stilbildend für Adria sind die Mini-LED-Spots in stromführenden Schienen. Sie sind nicht nur schick, sondern auch hell. Menschen über 1,90 m Körpergröße können allerdings damit kollidieren. Die Lichtsteuerung hat Tücken: Links und rechts des Bettes ist die Tastenbelegung klar, doch die beiden Tasterreihen über dem Eingang sind diffus. In der Sitzgruppe gibt es – abgesehen von den Lesespots – keine Schalter.
Steuerung und Systeme
Zwar ließe sich alles über die "Mach"-App steuern, die wir nicht aktivieren konnten, weil der Testwagen auf einen Händler registriert war. Das Zentralpanel schaltet sich zu schnell ab, sodass Menüs erneut aufgerufen werden müssen. Der Alpina hat sehr viel Licht und erreicht bis aufs Bad hervorragende Beleuchtungsmesswerte. Die Umrissbeleuchtung statt einer Vorzeltlampe macht was her und kostet nicht die Welt.
Wasser und Heizung
Serienmäßig ist ein City-Wasseranschluss mit Tankumgehung – der tröstet darüber hinweg, dass jetzt wieder eine Tauch- statt einer Druckwasserpumpe zum Einsatz kommt. Abwasser von allen Stellen, also auch aus der Dusche, sammelt der isolierte und beheizte 40-Liter-Unterflur-Tank. Entleert oder auf Durchfluss geschaltet wird der mit einem elektrischen Ventil. Abwasserschlauch zur Direktentsorgung und einen mobilen Abwassertank packt Adria ebenfalls in die Serienausstattung.
USB-A- und -C-Dosen gibt es links und rechts am Bett, an der Sitzgruppe und am Sideboard. Dort fehlt aber eine zweite 230-V-Steckdose, weil es eben auch zwei TV-Plätze für Sitzgruppe und Schlafzimmer gibt. Dank vorhandenem Ladegerät und Batterievorbereitung ist der Alpina schnell und recht günstig autark zu machen. Die Batterie wird allerdings nur in der Sitztruhe festgebunden. Das sollte stabiler gelöst werden. Nicht zu testen bei fast 40 Grad plus war die bewährte Warmwasserheizung von Alde, die auch den Fußboden durchströmt und wärmt.
Preis und Service
Gemessen an Aufbaukonstruktion und Bordtechnik ist der Grundpreis der Baureihe attraktiv. Mit 44 auf Caravans spezialisierten Adria-Händlern und 54 Servicebetrieben ist die Abdeckung in Deutschland befriedigend und gleichmäßig. Mit zehn Jahren Dichtheitsgarantie gehört Adria zu den Marken mit dem längsten Zeitraum – jährliche Prüfung vorausgesetzt.
Das fiel uns auf
(+) Der Abwassertank hat ein elektrisches Ablassventil. Zudem hat der Alpina einen City-Wasseranschluss.
(+) Stabiler Alu-Boden, Ersatzrad, Radmutternschlüssel – alles so, wie es sein soll.
(+) Bei Adria ist ein penibel abgedichteter Toilettenschacht Standard. Darum zeigen wir ihn hier auch.
(+) (-) Top-Aufbaukonstruktion – dass die Unterkonstruktion so deutlich sichtbar ist, stört darum umso mehr.
(+) (-) Großer Kühlschrank mit praktischem Gefrierauszug. Doch der streift leicht am Polster.
(-) Die Kleiderschränke sind ohnehin nicht groß. Der Ausgleichsbehälter macht den rechten noch knapper.
(-) Gitter ohne Lautsprecher? Soll in der Serie wohl nicht vorkommen. Ein Subwoofer kostet 249 Euro extra.
(-) Die schwere AGM-Batterie (Option) in ihrer Plastikbox ist nur mit einem Gurt gesichert – und rutscht umher.
Die Baureihe
- Preise: 47.390–61.990 Euro
- Aufbaulängen: 6,56–9,64 m
- Gesamtgewichte: 2000–2800 kg
- Max. Auflastung (nur 903 HT): 3000 kg
- Grundrisse: 6
Fünf der sechs Alpina-Grundrisse sind alte Bekannte, für 2027 neu ist der mit 6,56 m Aufbaulänge kompakte 583 UL mit Bugsitzgruppe und Heckeinzelbetten. Küche und Bad stehen sich mittig gegenüber – die Kleiderschränke hängen über den Betten. 663 PT und 663 UK bringen auf 7,35 m Aufbaulänge Familien unter: Im PT schlafen die Eltern im Bug-Queensbett, im UK in einem nahe der Kinder hinten postierten französischen Bett. Vorteil UK: die deutlich größere Bugsitzgruppe. Während der 663 PT serienmäßig die 2,3-Tonnen-Monoachse hat, ist sie bei 663 HT und UK optional. An der Spitze des Alpina-Programms stehen 763 UK und 903 HT. Der 763er offeriert Kindern ein Abteil im Heck, der 903 ähnelt dem Testwagen, hat aber in der Mitte noch Etagenbetten.
Nachgefragt
Kurt Manowski, Geschäftsführer von AdriaImporteur Reimo, nimmt Stellung ...
... zur Stützlast von 113 kg:Wir haben die Messwerte an die Adria-Entwicklungsabteilung weitergegeben und die Zusage erhalten, dass bei den Serienmodellen die Achse ein Stück nach vorne verschoben wird, um die Stützlast zu verringern.
... zu den leeren Lautsprecherabdeckungen:Beim Testwagen wurde die Soundanlage nicht eingebaut, weil es sich um ein Vorserienmodell handelt.
... zu den fehlenden Lichtschaltern und Ablagen in der Sitzgruppe:Der Hinweis ist sehr wertvoll. Wir werden Adria bitten, hier nachzubessern.
... zur festgebundenen Batterie:Normalerweise verschraubt Adria eine Hohlleiste vor der Batteriebox, um diese beim Bremsen abzustützen und Bewegung zu vermeiden. Diese Leiste wurde beim Testwagen offensichtlich vergessen. Aber wir werden uns die Batteriebefestigung insgesamt noch einmal genau ansehen.
... zur streifenden Gefrierschublade:Die Sitzgruppe wurde bereits so umgestaltet, dass der Auszug nicht mehr streift.
