Wer baut die stärkste Panzerbrücke?
Brückenlegefahrzeuge ermöglichen Kampfpanzern und anderen schweren Fahrzeugen das schnelle Überwinden von Gräben, zerstörten Straßenabschnitten und Gewässern. Technik-Vergleich der vier wichtigsten Modelle.
Der französische SPRAT, der amerikanische M1074 Joint Assault Bridge, der britische Titan und der deutsche Leguan verfolgen dabei unterschiedliche Konzepte. Neben der Spannweite der Brücke bestimmen vor allem deren Tragfähigkeit, die Verlegezeit und die Geländegängigkeit des Trägerfahrzeugs den militärischen Nutzen.
Zum Einsatz kommen die Fahrzeuge dort, wo vorhandene Übergänge zerstört, beschädigt oder für schwere Panzer ungeeignet sind. Die Besatzung legt die mitgeführte Brücke aus dem geschützten Innenraum ab und kann sie nach der Überfahrt wieder aufnehmen. Dadurch lassen sich Hindernisse ohne länger dauernde Bauarbeiten überwinden.
Der SPRAT setzt als einziges Fahrzeug dieses Vergleichs auf ein fünfachsiges Radfahrgestell. Das ermöglicht eine hohe Geschwindigkeit und Reichweite auf der Straße. M1074, Titan und Leguan verwenden dagegen Kettenfahrgestelle, die vom M1 Abrams, Challenger 2 und Leopard 2 abgeleitet wurden. Sie sind schwerer, können den jeweiligen Kampfpanzerverbänden aber auch auf weichem Untergrund folgen.
SPRAT und Leguan (hier im Vergleich zum Biber) schieben ihre Brücken weitgehend horizontal nach vorn. Der M1074 legt seine Brücke nach dem Scherenprinzip aus, während der Titan unterschiedliche Elemente des britischen BR90-Systems verwenden kann. Damit unterscheiden sich die vier Fahrzeuge nicht nur bei der technischen Ausführung, sondern auch bei den möglichen Brückenkombinationen und ihrem vorgesehenen Einsatzbereich.
SPRAT
Der französische SPRAT ist ein spezialisiertes fünfachsiges Radfahrzeug. Es kann entweder eine 26 Meter lange Brücke oder zwei jeweils 14 Meter lange Brücken transportieren. Die lange Brücke überspannt Hindernisse von bis zu 24 Metern, während eine kurze Brücke für Gräben von bis zu zwölf Metern ausgelegt ist.
Die Brücke wird horizontal über das Führerhaus hinweg ausgefahren. Dadurch bleibt die Silhouette während des Verlegens vergleichsweise niedrig. Abstützungen gleichen Neigungen und schwierige Uferbereiche aus. Die hohe Straßenreichweite ist ein wesentlicher Unterschied zu den drei kettengetriebenen Systemen. Nach Angaben von CNIM stehen zehn Fahrzeuge seit 2010 im Dienst der französischen Streitkräfte.
M1074 Joint Assault Bridge
Der M1074 Joint Assault Bridge basiert auf der Wanne des M1A1 Abrams und verwendet verstärkte Fahrwerkskomponenten des M1A2. Sein hydraulisches Verlegesystem kann unterschiedliche amerikanische Sturmbrücken aufnehmen. Die Brücke wird nach dem Scherenprinzip aufgeklappt und anschließend auf der gegenüberliegenden Seite des Hindernisses abgelegt.
Die Abrams-Basis bietet eine hohe Geländegängigkeit und einen Schutz, der mit den amerikanischen Kampfpanzerverbänden kompatibel ist. Das Fahrzeug ist allerdings schwer und übernimmt auch den logistischen Aufwand der Abrams-Familie. Leonardo DRS nennt unter anderem Videoausstattung für den Einsatz bei Tag und Nacht sowie ein integriertes Diagnosesystem.
Bei den Brückenangaben muss zwischen der ursprünglich vorgesehenen MLC-85-Brücke und neueren Heavy Assault Scissor Bridge-Ausführungen unterschieden werden. Das Fahrzeug selbst bleibt dabei grundsätzlich gleich, während Belastbarkeit und einzelne Abmessungen von der aufgenommenen Brücke abhängen.
Titan Armoured Bridge Launcher
Der britische Titan nutzt das Fahrgestell des Challenger 2. Er gehört zur BR90-Brückenfamilie und kann unterschiedliche Close Support Bridges verlegen. Neben einzelnen Sturmbrücken lassen sich Tandemlösungen, Zwischenstützen und schwimmende Elemente kombinieren.
Die britische Armee gibt für entsprechende Systemkombinationen Querungen von bis zu 60 Metern an. Dabei handelt es sich nicht um eine einzelne, vom Fahrzeug ausgelegte 60-Meter-Brücke. Die Reichweite entsteht durch zwei Brückenspannen, Stützen oder Pontonelemente. Titan besitzt ein Schutzniveau auf Grundlage des Challenger 2 und kann zusätzlich mit einem Minenpflug ausgestattet werden.
Die größte Stärke des Titan liegt nicht in einer einzelnen Rekordspannweite, sondern in der Zusammenstellung verschiedener Brücken, Stützen und Übergangselemente. Diese Flexibilität erfordert zusätzliche Fahrzeuge und eine umfangreichere Pionierausstattung.
Leguan auf Leopard 2
Der Leguan kombiniert das horizontale Brückenlegesystem von KNDS mit dem Fahrgestell des Leopard 2. Das Fahrzeug kann entweder eine 26 Meter lange Brücke oder zwei 14-Meter-Brücken transportieren. Die 26-Meter-Brücke überwindet ein Hindernis von bis zu 24 Metern.
Das Verlegen erfolgt automatisiert aus dem geschützten Innenraum und dauert nach Herstellerangaben weniger als fünf Minuten. Weil die Brücke horizontal vorgeschoben wird, bleibt die Silhouette niedriger als bei einem klassischen Scherenmechanismus. Mehrere Leguan-Brücken können für größere Übergänge kombiniert werden. KNDS nennt Querungen von bis zu 50 Metern.
Die genaue Fahrzeugmasse unterscheidet sich nach Fahrgestell, Schutzpaket und nationaler Ausführung. Auch Leguan-Systeme auf anderen Ketten- und Radfahrzeugen sind verfügbar. Für diesen Vergleich wird ausschließlich die Ausführung auf Leopard 2 betrachtet.
Die Stärken und Schwerpunkte der vier Systeme
Die Unterschiede zwischen den vier Fahrzeugen werden vor allem in der Praxis deutlich. Beim SPRAT stehen die hohe Straßenreichweite und die flexible Brückenausstattung einem großen Fahrzeug und einer längeren Verlegezeit gegenüber. Der M1074 verbindet Geländegängigkeit, Schutz und eine kurze Verlegezeit, benötigt mit seiner Abrams-Technik aber viel Kraftstoff und logistische Unterstützung. Der Titan bietet innerhalb der BR90-Familie die meisten Möglichkeiten für komplexe Übergänge, erreicht große Spannweiten jedoch nur mit zusätzlichen Brücken und Unterstützungsgeräten.
Der Leguan kombiniert hohe Tragfähigkeit mit einem schnellen horizontalen Verlegeverfahren und ist international weit verbreitet, bleibt als schweres Kettenfahrzeug auf der Straße aber auf einen aufwendigen Transport angewiesen. Die folgende Tabelle stellt diese Vorteile und Grenzen direkt gegenüber.
