Keyou HICE.40 und MAN hTGX mit 350 und 700 bar
Keyou setzt beim HICE.40 auf 350 bar Tankdruck, MAN beim hTGX auf 700 bar. Für Flotten entscheidet dieser Unterschied mit über Betankungszeit, Reichweite und passende H2-Infrastruktur entlang der Routen.
350 bar und 700 bar beschreiben den Druck, mit dem gasförmiger Wasserstoff im Fahrzeugtank gespeichert wird. Je höher der Druck, desto mehr Wasserstoff passt in ähnlich große Tanks – das ist wie Luft in einen Reifen: mehr Druck bedeutet mehr "Vorrat" im gleichen Bauraum.
Für Flotten ist das kein Detail, weil der Tankdruck zur Zapfsäule passen muss. Wenn ein Lkw für 700 bar ausgelegt ist, braucht er eine 700-bar-Abgabe an der Station, sonst wird das Fahrzeug nicht wie vorgesehen befüllt.
Daimler Truck begründet seine Infrastruktur-Linie deshalb breiter: Tankstellen sollen sowohl gasförmigen als auch flüssigen Wasserstoff abgeben können. Der Hersteller argumentiert, eine "integrierte" Station senke Kosten über bessere Auslastung – ähnlich wie heute, wenn Diesel und Benzin denselben Standort tragen.
350 bar beim Keyou HICE.40
Der Keyou HICE.40 basiert auf einem Mercedes-Benz Actros L 1848 und nutzt einen auf Wasserstoff umgerüsteten Verbrennungsmotor auf Basis der 12,8‑Liter-Plattform aus Mannheim. Keyou nennt für die 40‑Tonner-Sattelzugmaschine 350‑bar-Druckwasserstoff, bis zu 650 Kilometer Reichweite und als Ziel rund 20 Minuten für einen Tankvorgang.
Für die Flottenplanung ist 350 bar vor allem ein Signal für den Einstieg über vorhandene oder einfacher aufzubauende H2-Infrastruktur. Keyou will die Technologie zügig in den Markt bringen; Daimler Truck und Keyou planen die Markteinführung für 2027.
Wichtig ist dabei die Einsatzlogik: Der Hersteller zielt auf eine robuste, weniger komplexe Alternative zur Brennstoffzelle und auf Anwendungen, bei denen kurze Tankstopps und hohe Nutzlast zählen. Wer eigene Depot-Tankstellen oder feste Relationen fährt, kann 350 bar leichter in ein planbares Versorgungskonzept übersetzen.
700 bar beim MAN hTGX
MAN zeigt mit dem hTGX eine Wasserstoff-Verbrenner-Alternative, die auf 700 bar setzt. Der Hersteller nennt vier H2-Tanks mit zusammen 56 kg gasförmigem Wasserstoff, eine Reichweite von rund 600 Kilometern und eine Betankungszeit von unter 15 Minuten.
Der technische Mehrdruck zielt auf hohe Energiedichte im Fahrzeug, ohne dass dafür zwangsläufig größere oder mehr Tanks nötig sind. Für Flotten kann das helfen, wenn Bauraum knapp ist oder spezielle Achskonfigurationen gefragt sind, etwa im Baustellen- oder Schwerlastumfeld.
Auf der anderen Seite steigt der Anspruch an die passende H2-Infrastruktur entlang der Strecke. Wer 700‑bar-Fahrzeuge einplant, muss sicherstellen, dass die eigenen Standorte oder die H2-Infrastruktur im relevanten Korridor diese Druckstufe tatsächlich anbieten – sonst verpufft der Vorteil im Alltag der Disposition.
