Erste Autobahn-Bushaltestelle wird konkret
Auf der A9 soll Deutschlands erste Bushaltestelle direkt auf einer Autobahn entstehen. Der Plan für die Station bei Allershausen nördlich von München ist bereits ziemlich konkret.
Ende August 2026 hat die Internationale Bauausstellung Metropolregion München (IBA-M) das Vorhaben zum offiziellen Projektkandidaten erklärt. Beteiligt sind die Gemeinden Allershausen und Kranzberg, das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) und die ADAC Stiftung.
Die Idee geht deutlich über eine Bushaltestelle in der Nähe einer Autobahnanschlussstelle hinaus. Die Busse sollen direkt von der A9 zur Station fahren, dort halten und anschließend wieder auf die Autobahn zurückkehren. Der Umweg über die Anschlussstelle und das örtliche Straßennetz würde damit entfallen.
Haltestelle soll Teil eines größeren Verkehrsknotens werden
Vorgesehen ist die Station im Bereich der Anschlussstelle Allershausen. Die eigentliche Bushaltestelle soll mit weiteren Verkehrsmitteln verbunden werden. Geplant sind unter anderem Park-and-Ride-Stellplätze, Fahrradverbindungen, Carsharing und Angebote für Fahrten auf Abruf.
Damit sollen auch Orte im Umfeld der A9 besser an den öffentlichen Verkehr angebunden werden. Allershausen und Kranzberg verfügen über keinen eigenen Bahnanschluss. Gleichzeitig führt mit der A9 eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen Bayerns unmittelbar an den Gemeinden vorbei.
Für die Haltestelle kommen bereits konkrete Busverbindungen infrage. Die Expressbuslinie X109 zwischen Ingolstadt und dem Flughafen München fährt über die A9. Sie könnte nach den bisherigen Planungen dort halten. Hinzu kommt die geplante Linie X610 zwischen Mainburg und Garching-Hochbrück. In Garching besteht Anschluss an die U6 nach München. Auch Fernbusse könnten die Station nutzen.
Fraunhofer untersucht das Projekt
Wie viele Fahrgäste eine solche Station tatsächlich nutzen würden, wird derzeit genauer untersucht. Hier kommt das Fraunhofer IML ins Spiel. Das Institut gehört zu den Projektpartnern und beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, wie groß der Mobilitätsbedarf rund um Allershausen ist.
Parallel soll berechnet werden, ob sich die Station wirtschaftlich umsetzen lässt. Vertreter von Allershausen und Kranzberg, Fraunhofer und IBA-M haben sich dazu Ende August 2026 getroffen.
Die Untersuchungen sind wichtig, weil das Konzept nicht nur für Allershausen gedacht ist. Funktioniert die direkte Anbindung von Linien- und Fernbussen an die Autobahn, könnte das Modell auch für andere Standorte interessant werden.
Eine wichtige Hürde liegt im Autobahnrecht
Bevor gebaut werden kann, muss allerdings noch eine grundsätzliche Frage geklärt werden. Bushaltestellen mit eigenen Zu- und Abfahrten direkt an Bundesautobahnen sind im bestehenden System nicht vorgesehen.
Deshalb ist inzwischen auch die Autobahn GmbH ein wichtiger Ansprechpartner. Der Parlamentarische Staatssekretär Michael Schrodi stellte nach Medienberichten den Kontakt her. Bei dem Projekt muss damit nicht nur geklärt werden, wie die Haltestelle gebaut wird, sondern auch, unter welchen rechtlichen Bedingungen Busse direkt von der Autobahn zu einer solchen Station fahren dürfen.
