Kommt Tesla technologisch unter die Räder?
Angesichts der Pläne von Elon Musk zur Übernahme von Tesla durch SpaceX stellt sich die Frage: Wann bringt der E-Autobauer der ersten Stunde neue Technologien in seine Fahrzeuge und wo sollen die herkommen?
Der europäische E-Auto-Markt startet durch und mit ihm hebt der Tesla-Absatz ab wie eine SpaceX-Rakete: Die Verkäufe stiegen um 71 Prozent. Das Model 3 legte um 106 Prozent auf gut 25.000 Stück zu, das Model Y um 55 Prozent auf fast 41.000 Exemplare. Damit belegen Musks E-Modelle Platz 1 und 2 im Verkaufs-Ranking. Einstige Bestseller mit Verbrenner folgen abgeschlagen: VW Golf und Dacia Sandero kamen auf etwas mehr als beziehungsweise nicht ganz 18.000 Exemplare.
Weltweit läuft’s bei Tesla nicht so gut: Im dritten Quartal lieferte das US-Unternehmen 486.532 Fahrzeuge aus, zwei Prozent weniger als im Vorjahr, der Nettogewinn sank um 43 Prozent, der Umsatz stagnierte, der operative Gewinn schrumpfte um mehr als die Hälfte. Das hält Elon Musk nicht von optimistischen Prognosen ab: 2030 soll Tesla jährlich fünf Millionen Autos bauen, dreimal so viele wie 2025 (1,64 Millionen). 2020 sagte der reichste Mann der Welt allerdings 20 Millionen Teslas pro Jahr voraus – für 2030. Die Prognose verlor also in sechs Jahren 75 Prozent. Unsere Prognose: 2030 verkauft Tesla immer noch unter zwei Millionen Autos.
Es wächst zusammen, was nicht zusammenpasst
Macht nix. Musk sieht in Tesla eh keinen reinen Autobauer mehr, sondern ein Unternehmen für KI und Robotik. In der Zukunft (2030?) sollen selbstfahrende Autos und humanoide Roboter wie der Optimus Milliarden bringen. Beim autonomen Fahren liegt Tesla allerdings meilenweit hinter Konkurrenten wie Waymo und über humanoide Roboter sagt Musk selbst: "Es gibt rund 10.000 Dinge, die bei der Produktion des Roboters reibungslos funktionieren müssen". Das kostet Zeit und Geld. In beide Entwicklungsprojekte muss noch ordentlich Geld fließen. Aber während Musk den Republikanern für den Wahlkampf Geld in Rekordhöhe spendet, hat Tesla die Jahres-Investitionen von mehr als 25 auf rund 20 Milliarden Dollar gekürzt. Vielleicht, weil Musk noch viel größer denkt. Er möchte Tesla mit SpaceX fusionieren.
Warum? Die Berührpunkte der Unternehmen wirken bislang eher gewollt: Die E-Autos nutzen das Satelliteninternet Starlink von SpaceX, das wiederum ein paar tausend Teslas für einen dreistelligen Millionenbetrag kaufte. Und gerade eben stattete der Raketenbauer Teslas Roadster mit Triebwerken aus, die den Zweisitzer bei der Präsentation als Aufmerksamkeitsbooster zum Erstflug verhalfen.
Mehr Substanz hat einzig das Gemeinschaftsunternehmen Terafab für die Chipfertigung. Eine geplante Fabrik in Texas soll irgendwann jährlich etwa 50 Mal so viele KI-Chips-aushusten wie die Welt im Jahr 2026. Unwahrscheinliche Prognosen kann Musk – bei SpaceX hat der Realisierungsgrad trotz immenser Verzögerungen für einen unwahrscheinlichen Erfolg mit vergleichsweise günstigen und teilweise wiederverwertbaren Raketen genügt.
Raketen-Fantasie fürs Börsenfeuerwerk
Seitdem fressen die Kapitalmärkte Musk aus der Hand. Ziel und Ergebnis der Fusion dürften daher die Steigerung des Börsenwerts seiner Unternehmen sein. Laut "Handelsblatt" erkennt mancher Analyst in dem Merger eine vertikale KI-Integration, die Teslas "physische KI" mit Robotaxis, dem humanoiden Roboter Optimus, dem KI-Chatbot Grok und den KI-Aktivitäten von SpaceX verbindet. Klingt nach Raketenwissenschaft. Wie das "Handelsblatt" weiter meldet, hat die Investmentbank JP Morgan ihr Kursziel für die SpaceX-Aktie von 240 auf 500 Dollar angehoben.
Unsere Prognose, was die Fusion nicht bringen wird: Technik, mit der andere Hersteller Tesla derzeit überholen – wie leistungsstärkere Batteriezellen oder 800 Volt. Aber vielleicht bringt der Merger ja einen Cybertruck, der zum Mars fliegen kann, weil ihn hier keiner braucht. Der Pick-up könnte dabei KI-Bilder von Grok emittieren, die auf der Erde keiner will. Die Fantasie an den Börsen dürfte das dennoch anregen.
Und was ist mit China?
Ganz irdische Probleme könnten Musks hochfliegende Pläne noch torpedieren: Teslas performanteste Gigafactory steht in Shanghai, das China-Geschäft bringt den größten Gewinn und es gibt chinesische Anteilseigner wie Tencent. Das sieht die US-Politik kritisch, wie etwa das Beispiel Mercedes zeigt. Noch kritischer wird es mit der Fusion, weil SpaceX eng mit dem US-Verteidigungsministerium zusammenarbeitet. Denn ordentlich Fantasie braucht man auch für die Vorstellung, dass China eine Autofabrik auf seinem Staatsgebiet duldet, wenn die zu einem Unternehmen gehört, das gleichzeitig Spionage-Satelliten ins All schießt, die auch China ausspähen.
