Nie wieder Angst vor einem Zahnriemen in Öl
Ein kleines Werkzeug soll helfen, teure Motorschäden bei den problematischen PureTech-Dreizylindern zu verhindern. Wie die Prüfung des Zahnriemens funktioniert und was sie über dessen Zustand verrät.
Die PureTech-Motoren mit Zahnriemen im Ölbad sorgen noch immer für Gesprächsstoff. Zuletzt entschuldigte sich Stellantis-Chef Antonio Filosa bei den betroffenen Kunden für die Probleme. Anders als bei Motoren mit herkömmlichem Zahnriemenantrieb läuft der Zahnriemen bei bestimmten PureTech-Dreizylindern nicht trocken, sondern im Motoröl. Die Konstruktion sollte Reibungsverluste reduzieren und die Lebensdauer des Riemens verlängern. In der Praxis kam es zum gegenteiligen Ergebnis.
Unter ungünstigen Bedingungen kann das Motoröl den Zahnriemen angreifen. Besonders problematisch sind dabei Ölalterung und Kraftstoffeintrag, wie sie beispielsweise bei häufigem Kurzstreckenbetrieb auftreten können. Der Riemen beginnt aufzuquellen, bekommt Risse und kann sich mit der Zeit zersetzen. Im schlimmsten Fall reißt er, wodurch ein schwerer Motorschaden droht.
Doch auch ohne Riemenriss kann es teuer werden. Lösen sich kleine Partikel aus dem Material, gelangen diese in den Ölkreislauf und können das Ansaugsieb der Ölpumpe zusetzen. Dadurch sinkt der Öldruck und wichtige Bauteile werden nicht mehr ausreichend geschmiert. Im schlimmsten Fall führt auch das zu einem kapitalen Motorschaden.
Zahnriemen prüfen
Doch wie lässt sich feststellen, ob der eigene PureTech-Motor bereits von dem Problem betroffen ist? Tatsächlich gibt es eine einfache Möglichkeit, zumindest eine der typischen Veränderungen am Zahnriemen zu erkennen. Dafür benötigen Fahrzeugbesitzer eine spezielle Prüflehre, mit der sich die Breite des Riemens kontrollieren lässt. Das entsprechende Werkzeug trägt bei PSA die Bezeichnung G-0109-6, ist aber auch von verschiedenen Werkzeugherstellern erhältlich. Im Online-Handel schwankt der Preis dafür zwischen rund acht und 15 Euro.
Die Prüfung ist unkompliziert, denn bei den betroffenen PureTech-Motoren verläuft der Zahnriemen direkt unterhalb der Öleinfüllöffnung. Nach dem Abnehmen des Öleinfülldeckels ist ein Teil seiner Oberfläche sichtbar. Durch diese Öffnung lässt sich die Prüflehre einführen. An ihrem Ende besitzt sie zwei kleine Messschenkel, deren Abstand auf die zulässige Breite des Zahnriemens abgestimmt ist.
Bei abgestelltem, betriebswarmem Motor wird die Lehre vorsichtig über den sichtbaren Zahnriemen geführt. Passt der Riemen zwischen die beiden Schenkel, liegt seine Breite noch innerhalb der vorgesehenen Toleranz. Lässt sich das Werkzeug dagegen nicht über den Riemen schieben, ist dieser bereits aufgequollen und muss ausgetauscht werden.
Was verrät die Prüfung über den Zustand des Zahnriemens?
Allerdings hat die Methode ihre Grenzen. Die Prüflehre erkennt lediglich, ob sich die Breite des Zahnriemens durch Aufquellen verändert hat. Über seinen Gesamtzustand sagt das Ergebnis nur bedingt etwas aus. Auch ein Riemen, dessen Breite noch innerhalb der Toleranz liegt, kann Risse, ausgefranste Kanten oder andere Beschädigungen aufweisen.
Hier gibt es das Prüfwerkzeug für die Fahrzeuge von Citroën, Peugeot, Opel und Toyota mit 1,0 und 1,2 Benzin-Motoren zu kaufen.
Deshalb empfiehlt sich zusätzlich eine Sichtprüfung durch die Öleinfüllöffnung. Zeigt die Oberfläche bereits Risse, lösen sich Materialbestandteile oder sind die Kanten beschädigt, besteht ebenfalls Handlungsbedarf. Ein unauffälliges Ergebnis der Breitenkontrolle bedeutet also keineswegs, dass der Zahnriemen bedenkenlos bis zum nächsten Wechselintervall durchhält.
Ist der Riemen bereits aufgequollen oder sichtbar beschädigt, reicht es außerdem nicht unbedingt aus, ihn einfach zu ersetzen. Schließlich können sich schon zuvor Partikel gelöst und im Schmiersystem abgelagert haben. Bei einem entsprechenden Schadensverdacht müssen deshalb unter anderem das Ansaugsieb der Ölpumpe und weitere ölführende Bauteile kontrolliert und gegebenenfalls gereinigt oder ersetzt werden.
Die Prüflehre bietet damit vor allem eine einfache Möglichkeit, eine typische Schwachstelle frühzeitig zu erkennen. Eine vollständige Diagnose des Zahnriemens oder des Schmiersystems ersetzt sie jedoch nicht. Gerade bei Fahrzeugen mit höherer Laufleistung oder überwiegendem Kurzstreckenbetrieb kann eine regelmäßige Kontrolle helfen, größere Schäden rechtzeitig abzuwenden.
