Der 924 mit dem echten Porsche-Motor
Motor vom 944, 160 PS und Transaxle-Bauweise im Porsche 924 S. Wie stehen Preisniveau und Wertentwicklung? Einschätzungen und Daten von Classic Analytics.
Der 924 wurde von Porsche unter dem Auftragscode EA 425 für Volkswagen entwickelt, weshalb bei der Konstruktion viele Teile aus dem konzerneigenen Regal zum Einsatz kamen. Tatsächlich aber erschien das Coupé 1975 mit Porsche-Emblem. Fans der Marke taten sich mit ihm von Anfang an schwer, vor allem, weil es von einem konventionellen Vierzylindermotor angetrieben wurde, der auch im kreuzbraven Audi 100 zum Einsatz kam.
Dank Transaxle-Fahrwerk mit Frontmotor und Getriebe über der Hinterachse hat der 924 eine sehr ausgeglichene Gewichtsverteilung, sein sportliches Potenzial ist unstrittig. Der 1979 nachgeschobene 924 Turbo, dank KKK-Lader zunächst 170, ab 1981 dann 177 PS stark, fand daher schon mehr Gnade. Die etwas unharmonische Leistungsentfaltung des per KKK-Lader gepushten Audi-Motors war allerdings nicht jedermanns Sache.
Ausgereift und ausgewogen
Ein Jahr nachdem 1981 der Porsche 944 eingeführt worden war, stellte Porsche die Produktion des 924 Turbo ein, der 924 mit Saugmotor lief Mitte 1985 ebenfalls aus. Die Nachfolge trat 1986 der 924 S an, der nicht mehr von dem alten Audi-Aggregat, sondern vom Motor des 944, quasi einem halbierten V8 des Porsche-Topmodells 928, und damit von einem echten Porsche-Motor angetrieben wurde.
Frank Wilke vom Marktbeobachter Classic Analytics in Bochum: "Das Sprichwort ‚Das Beste kommt zum Schluss‘ stimmt im Fall des Porsche 924 S definitiv. Der aus dem 944 bekannte ‚echte‘ Porsche-Motor brachte den 924 nicht nur in Sachen Fahrleistungen, sondern vor allem in Sachen Image ein großes Stück voran. Zumindest bei den Porsche-Vierzylinder-Fans war er jetzt als vollwertiges Clubmitglied angekommen." Tatsächlich spiegelt sich dies auch in den Verkaufszahlen der verschiedenen Modelle wider. Insgesamt wurden innerhalb von zehn Jahren deutlich mehr als 120.000 Porsche 924 abgesetzt. Für den 924 S entschieden sich mehr als 16.000 Käufer, etwas über 12.000 erstanden die 150 PS starke Version, rund 4.000 entstanden von der nur im Jahr 1988 verkauften 160-PS-Variante. Der 924 Turbo fand von 1979 bis 1982 etwas über 12.000 Käufer.
Preisniveau noch moderat
Nachdem sämtliche 924-Varianten, von den raren und schon immer im Fokus von Sammlern und Spekulanten stehenden 924 Carrera GT und 924 GTS einmal abgesehen, einen rapiden Preisverfall durchgemacht hatten, befinden sich auch "normale" 924 mittlerweile im Aufwind, wenngleich dieser bislang eher den Charakter eines lauen Lüftchens hat.
Viele Klassikerfans, die mit ihnen aufgewachsen sind, beginnen die Transaxle-Sportler allmählich zu schätzen. Das Preisniveau ist aber noch immer verhältnismäßig niedrig, etwas teurer als der Rest sind gut erhaltene 924 Turbo. Kaum höher als Basis-924 werden bislang 924 S gehandelt. Frank Wilke von Classic Analytics: "Der immer noch günstige Einstandspreis sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich fast alle Ersatzteile preismäßig auf Porsche-Niveau bewegen, auch wenn mittlerweile einige Teile von Zweitanbietern in guter Qualität zu günstigeren Kursen angeboten werden."
Wartung relativ teuer
Wenig Sorgen müssen sich Interessenten bei allen 924-Versionen hinsichtlich des Blechzustands machen – mit einer Ausnahme: "Rostschäden an der ab Werk vollverzinkten Karosserie können ein Alarmsignal für reparierte Unfallschäden sein", warnt Frank Wilke. Klar sein sollte aber, dass die Wartungskosten beim 924 S teurer sind als beim Basis-924, nur ein Beispiel ist der regelmäßig anstehende, aufwendige Wechsel des Zahnriemens.
Die teurere Wartung stört Vierzylinder-Transaxle-Fans aber üblicherweise kaum, als Gegenwert besitzen sie mit dem 924 S dafür einen"echten" Porsche bis hin zum Motor. Die Zeit, zuzuschlagen, ist günstig, bei den Preisen ist derzeit noch viel Luft nach oben. Frank Wilke: "Die positive Wertentwicklung des 924 S wird sich voraussichtlich auch in den nächsten Jahren fortsetzen."
Stärken
- kräftiger und zuverlässiger 2,5-Liter-Porsche- Motor, der gute Fahrleistungen ermöglicht
- ausgewogenes Fahrwerk, dank Transaxle-Bauweise nahezu perfekte Gewichtsverteilung
- sehr gute Rostvorsorge, feuerverzinkte Bleche, bei unfallfreien Fahrzeugen kaum Korrosion
Schwächen
- zuverlässige Technik, akzeptables Komfort- und Platzangebot, gute Alltagstauglichkeit
- günstige Angebote oft mit Wartungsstau, Arbeiten am Motor oft aufwendig
- Fahrwerks- und Bremsenteile Porsche-spezifisch und teurer als bei anderen Porsche 924
