40 Prozent neu - so frisch fährt der Mercedes GLE
Mercedes frischt den GLE 450 e umfassend auf – von MBUX mit MB.OS über neue Assistenzen bis zur akribisch abgestimmten Airmatic. Bei der ersten Probefahrt trifft der Plug-in-Hybrid auf anspruchsvolle Straßen und zeigt, wie viel Feinarbeit in Komfort, Bedienung und Licht steckt.
Die Rente mit sieben? Von wegen! Nicht bei Mercedes, nicht beim GLE . Der würde nach einer turnusmäßigen Pflege zur Lebensmitte jetzt eigentlich nach sieben Jahren Bauzeit abtreten, Platz für einen Nachfolger machen. Hm, unnötig, dachte man sich in Stuttgart. Wer weiß, was noch kommt, der Typ hält noch ein paar Jahre, eine weitere Modellpflege genügt.
Schließlich hörte man bei der Baureihe V167 wenig Klagen über holprigen Komfort, steinzeitliche Assistenz oder blutarme Motoren. So butlerte, flauschte und assistierte der 167er GLE schon bisher ziemlich fein, zog überdies bis zu 3,5 Tonnen weg. Und das mit der permanenten Reichweiten- und Tanksicherheit kultiviert-kräftiger Benzin und Diesel. Nicht schlecht, oder? Und nun? Kommt der neue Alte, bei dem sie schließlich doch rund 40 Prozent der Teile angefasst haben. Direkt erkennbar am neuen Grill im zeitgenössischen Marken-Stil, LED-beleuchtet und besternt, je nach Markt.
Interieur: Modern und klassisch zugleich
Steigen wir ein und, hui… schick! Man muss das Interieur nicht mögen, aber der GLE macht es einem schwer, dies nicht zu tun. Modern und klassisch zugleich, solide verarbeitet mit hochwertigen Oberflächen und ein paar fancy Details. Das dürfte dem traditionellen Mercedes-Kunden ebenso gefallen wie möglichen Neuen. Trotz des vollformatigen MBUX-Bildschirms mit seinen drei Displays sieht es hier nicht aus wie beim Glotzen-Discounter, sondern wie in einem hochwertigen SUV, in dem noch echte Tasten und Regler für mechanische Behaglichkeit sorgen, nun auch wieder an den Lenkradbedienfeldern. Automobiles Lagerfeuer, ohne technisch in die Steinzeit zurückzutaumeln. Zukunft? Kann er auch. Etwa mit dem aktuellen Betriebssystem MB.OS, umfassender KI-Unterstützung sowie einer schlauen, verständigen Sprachsteuerung, mit der man sich sogar unterhalten kann.
Und welchen Motor nehmen? Eigentlich egal, eine taube Nuss versteckt sich eh nicht unter den Motorhauben der GLE. Jedes der optimierten und weltweit für Euro7 fit gemachten Aggregate hat seinen eigenen Reiz.
Motoren: Reihensechser statt Vierzylinder
Die Vierzylinder sind Geschichte, jetzt arbeiten Dreiliter-Reihensechser als Diesel oder Benziner sowie ein Vierliter-V8 – neu mit Flatplane-Kurbelwelle – im Maschinenraum. Wir wählen den Plug-in-Hybriden GLE 450 e. Hier ersetzt eine kräftige E-Maschine Startergenerator und elektrischen Zusatzverdichter, die den 326 PS-Benziner mit 480 Nm unterstützt. Und das sehr geschmeidig mit kaum merklichen Übergängen, gekonnter Rekuperation und Boost, wenn verlangt. Rund 100 Kilometer soll der GLE sogar rein elektrisch schaffen, bei konstanter Fahrt hält sich der Verbrenner jedoch auch dezent im Hintergrund. So fährst du dahin und denkst an eine schon etwas zurückliegende Prototypenfahrt in eben diesem aktuellen GLE.
Mit welcher Akribie die Fahrwerksleute das Ansprechverhalten optimieren, die Spreizung zwischen Komfort und Dynamik vergrößern, das Schwingungsverhalten harmonisieren, kurze Unebenheiten egalisieren helfen. Gut reicht ihnen nicht, das spürt man. Wenn ihnen 80 Prozent reichen würden, hätten sie schon vor dem Marktstart 2019 aufhören können, aber sie evolutionieren weiter. Selbst wenn man trotz viel Test-Erfahrung nicht jede Änderungs-Nuance spürt, fühlt sich das Ergebnis der nunmehr einen Tick strafferen Airmatic rund an. Was auch für die ausgewogene Lenkung gilt mit entspannender Mittenzentrierung, sauberem Ansprechen und passendem Kraftaufwand.
Starker Komfort und viel Platz
Auf verschiedenen, teils herausfordernden amerikanischen Straßen zeigt der GLE, was er kann. Sitzkomfort, Übersicht und Ergonomie passen eh, daran hat sich nichts geändert. Das Fahrgefühl? Nach wie vor ausgeglichen und entspannt, die Luftfederung akribisch und sanft und kontrolliert. Das Aktivfahrwerk passt vor größeren Bodenwellen die adaptive Dämpfung cloudbasiert an, was speziell Fondpassagieren helfen soll. Die logieren wie gehabt auf bequemen Polstern und einer Beinfreiheit, die der Standard-S-Klasse entspricht. Dahinter warten 630 Liter Ladevolumen, im Speditionsmodus sind es 2.060 (PHEV: 485 bis 1.915 Liter).
Damit Mensch und Material sicher ans Ziel kommen, rechnet nicht nur ein wassergekühlter Prozessor, sondern fusionieren zehn Kameras, fünf Radar- und zwölf Ultraschallsensoren ihre Informationen unterstützt von der KI. Der Abstandsregeltempomat ist Serie, verbesserte Parkassistenz und teilautomatisierte Fahrfunktionen bis hin zum selbstständigen Spurwechsel kommen hinzu. Dank Over-the-air-Update ist der Wagen immer auf dem neuesten Gesamt-Softwarestand, zudem lassen sich damit Features nach Bedarf dazukaufen. Der GLE soll ja schließlich noch ein paar Jahre frisch bleiben. Man weiß ja nie, was kommt.
