Darum ist der Diesel eine verlockende Wahl
Der Selbstzünder verschweigt zwar nicht seine Herkunft, entfaltet seine Kraft aber gleichmäßig, während die Neungang-Automatik sachte die Gänge schaltet und verwaltet.
440 Nm, Allrad und Neungang-Automatik: Wir fahren den Mercedes C 250 d als T-Modell. Ist dieser Diesel die beste Wahl für den C-Klasse-Kombi? Wir erörtern diese Frage im Fahrbericht.
Gottlieb Daimler no amol – die letzten Wochen hat Mercedes ja so viel für neue Modelle getrommelt, in Tests überzeugt, mit dem AMG GT-SUV triumphiert und in Untertürkheim seine 140-jährige Geschichte gefeiert, dass man sich schon fragen konnte, wieso die Personaler zugleich Aufhebungsverträge verteilen. Dass rund 650 Kilometer weiter nördlich in Bremen die C-Klasse , frisch modellgepflegt und seit Jahrzehnten der Klassenschlager, vom Band läuft, ging da ohnehin ein bisschen unter.
Fülle an mild hybridisierten Otto- und Dieselmotoren
Wobei – bis auf den neu gestalteten Kühlergrill gibt es viel Neues nicht zu vermelden. Gutes noch besser zu machen – das war die Maxime, und wenig an der Optik und Modellvielfalt zu ändern. Sprich: Auch diese C-Klasse treiben milde hybridisierte Otto- und Dieselmotoren (163 bis 258 PS) an. Plug-in-Hybride unterschiedlicher Stärke mit großem Stromvorrat (19,53 kWh) sind ebenfalls zu haben. Alle zudem mit Allradantrieb – als Limousine und T-Modell. Bei den Turbobenzinern (M254 Evo) reduziert nun ein hochdrehender elektrisch betriebener Zusatzverdichter mögliche Anfahrschwächen. Versorgt wird er über das 48-Volt-Bordnetz. Alle Aggregate erfüllen die Regeln der künftigen Euro-7-Norm.
Für diesen Ausflug wählen wir dennoch nicht den meistverkauften C-200-Benziner (177 PS/250 Nm), sondern den 250 d 4Matic als T-Modell mit adaptiven Dämpfern und mitlenkenden Hinterrädern. 440 Newtonmeter – wer kann da schon widerstehen? Also Platz nehmen und schon fällt auf: Auch hier flog das Lenkrad mit seinen hypersensiblen Touchflächen raus, ersetzt durch Wippen und Lautstärke-Walze für das getunte Burmester-Radio, das seine Insassen mittels 3D-Sound nun umfassender beschallen kann. An der Kombination aus wohlgeformtem Armaturenbrett, leicht erhabenem Touchscreen und breiter Mittelkonsole hält Mercedes dagegen fest. Gleichfalls an der beachtlichen Materialqualität (des Testwagens). Frisch bei allen Modellen aufgespielt ist die aktuelle MB.OS-Software samt top aufgestellter KI-Assistenz.
Diesel mit gleichmäßiger Kraftentfaltung
Ob das alles so funktioniert wie versprochen, klärt der erste Test. Wir klären lieber, ob der drehmomentstarke Allradler wirklich die richtige Entscheidung war. Antwort: na klar! Der Selbstzünder verschweigt zwar nicht seine Herkunft, entfaltet seine Kraft aber gleichmäßig, während die Neungang-Automatik sachte die Gänge schaltet und verwaltet. Selbst per Wippe schalten? Unnötig.
Eher lohnt sich ein Druck auf die Fahrmodi-Taste. Schließlich loben die Fahrwerker doch ihre leicht optimierte Abstimmung. Weniger Wogen im Komfortbetrieb, etwas straffere Anbindung im Dynamic-Modus – so der Ansatz. Aber ganz ehrlich: Um das herauszufahren, auf den Straßen und Sträßlein im Schwarzwald, wäre ein Vergleich mit der ungemopften C-Klasse eine gute Idee. So oder so ist und bleibt das T-Modell ein Kombi, der mehr Komfort bietet als viele Konkurrenten; und sich dennoch kaum minder forsch und mit ruhigem Aufbau durch Kurven treiben lässt. Hier wiederum ist die mit-lenkende Hinterachse (bis zu 2,5°) nicht ganz unbeteiligt.
Lange Stromern? Kein Problem!
Nach so viel Dynamik steht zum Abschied noch ein Törn im Plug-in-Hybrid an. Bewusst nur im E-Betrieb. Mit 100 kW Leistung ist so ein C 400 e ja keineswegs unterbemittelt, dafür aber leise und bei gemäßigtem Stil auch über längere Distanzen (nach WLTP rund 100 Kilometer) zu bewegen. Als einer der wenigen PHEV füllt der Benz am Schnelllader seine Zellen zudem mit 55 kW flott wieder auf.
Da stört es auch nicht weiter, dass das gewichtige T-Modell (immer frei von adaptiven Dämpfern und mitlenkenden Hinterrädern) nicht so schwungvoll fährt. Eher schon der putzig kleine Kofferraum. 360 Liter sind für einen Kombi nun wirklich keine Feier wert.
