Mercedes G-Klassen als Defender-Erbe
Rheinmetall und Mercedes-Benz stellen der britischen Armee eine Fahrzeugfamilie auf Basis der militärischen G-Klasse vor. Timber Wolf, Silver Wolf, Shadow Wolf und Caracal übernehmen unterschiedliche Aufgaben.
Rheinmetall hat sein Angebot für das britische Light-Mobility-Vehicle-Programm erweitert. Auf der Militärmesse DVD 2026 in Millbrook zeigte der Konzern gemeinsam mit Mercedes-Benz UK erstmals den Timber Wolf und den Silver Wolf. Zusammen mit dem Shadow Wolf und dem bereits eingeführten Caracal bilden sie das "Wolf Pack".
Das Angebot umfasst einen geschlossenen Geländewagen, eine Transportplattform, einen Sanitätswagen und ein offenes Fahrzeug für Luftlande- und Spezialkräfte. Rheinmetall ergänzt die Mercedes-Technik um unterschiedliche Aufbauten, Kommunikationsmittel und militärische Ausrüstung.
Militärische G-Klasse bildet die Grundlage
Timber Wolf, Silver Wolf und Shadow Wolf basieren auf der Mercedes-Benz G-Klasse für Rettungs- und Spezialeinsätze der Baureihe W464. Dabei handelt es sich nicht um eine umgerüstete zivile G-Klasse, sondern um eine eigenständige Behörden- und Militärversion.
Die W464 besitzt weiterhin Starrachsen. Hinzu kommen permanenter Allradantrieb, eine Geländeuntersetzung und drei Differenzialsperren. Die elektrische Anlage ist für zusätzliche Geräte vorbereitet. Je nach Konfiguration lassen sich Funktechnik, Sensoren oder weitere Missionssysteme integrieren.
Als Antrieb dient ein 2,9-Liter-Sechszylinder-Diesel mit 183 kW beziehungsweise 249 PS. Das maximale Drehmoment beträgt 600 Newtonmeter. Die Kraftübertragung übernimmt eine Neungang-Automatik. Dabei handelt es sich um die Daten der Mercedes-Grundplattform. Mercedes bietet die militärische G-Klasse als fünftürigen Station Wagon und als Fahrgestell mit Einzelkabine an. Der geschlossene Wagen besitzt einen Radstand von 2,85 Metern. Beim Fahrgestell wächst der Radstand auf 3,65 Meter.
Timber Wolf übernimmt Materialtransporte
Der Timber Wolf nutzt das verlängerte Fahrgestell mit Einzelkabine. Hinter dem Fahrerhaus befindet sich eine offene Ladefläche, auf der Material, Ersatzteile, Versorgungsgüter oder spezielle Module transportiert werden können. Damit ist der Timber Wolf innerhalb der Familie am ehesten mit einem militärischen Pick-up vergleichbar.
Neben einer Pritsche sind geschlossene Transportmodule, Werkzeugausstattung oder Halterungen für weitere Systeme möglich. Rheinmetall hat bisher allerdings nur die offene Transportausführung gezeigt und keine vollständige Liste der geplanten Aufbauten veröffentlicht. Der Timber Wolf kann aber mehrere Aufgaben der britischen Ausschreibung abdecken. Dazu gehören das Utility Vehicle für allgemeine Transportaufgaben und das Equipment Support Vehicle für Wartung und technische Unterstützung.
Das Mercedes-Fahrgestell kann abhängig von der Konfiguration bis zu etwa 2,5 Tonnen Nutzlast aufnehmen. Wie hoch die Zuladung des vollständig ausgerüsteten Timber Wolf ausfällt, ist noch nicht bekannt.
Silver Wolf transportiert Verwundete
Der Silver Wolf ist die Sanitätsversion der Fahrzeugfamilie. Rheinmetall bezeichnet ihn als schnell einsetzbaren Ambulanzwagen. Hinter dem Fahrerhaus befindet sich ein geschlossener und gegenüber der normalen G-Klasse deutlich vergrößerter Aufbau.
Der Innenraum soll Platz für Verwundete, medizinisches Personal und Ausrüstung schaffen. Damit entspricht der Silver Wolf der in der britischen Ausschreibung vorgesehenen Battlefield Ambulance.
Shadow Wolf bleibt näher an der G-Klasse
Der Shadow Wolf verwendet den geschlossenen fünftürigen Aufbau der militärischen G-Klasse. Er ist als Mehrzweckfahrzeug für Patrouillen, Verbindungsfahrten, Führung und den Transport kleiner Einsatzgruppen vorgesehen.
Zur militärischen Ausstattung gehören je nach Ausführung zusätzliche Antennen, Staukästen, verstärkte Räder und Halterungen für Ausrüstung. Auf dem Dach können Gepäck, Tarnmaterial oder weitere Systeme mitgeführt werden. Eine erhöhte Luftansaugung erleichtert Fahrten durch Wasser und in staubiger Umgebung.
Der geschlossene Innenraum bietet Platz für Funk- und Führungsmittel. Dadurch kommt der Shadow Wolf unter anderem für die in der Ausschreibung genannten Rollen General Purpose Vehicle, Command and Control Vehicle oder Mission Systems Vehicle infrage.
Caracal ist für Luftlandetruppen ausgelegt
Der Caracal übernimmt zwar Komponenten der W464, besitzt aber einen offenen und eigens entwickelten Aufbau. Das Fahrzeug richtet sich vor allem an Luftlande- und Spezialkräfte. Die offene Karosserie erleichtert das schnelle Ein- und Aussteigen und hält die Fahrzeughöhe niedrig. Je nach Ausführung kann der Caracal bis zu sechs Soldaten aufnehmen. Auf der Ladefläche und an seitlichen Halterungen lassen sich Waffen, Munition, Funkgeräte und weitere Ausrüstung befestigen.
Der Caracal 4x4 ist etwa 4,70 Meter lang, 1,89 Meter breit und rund 1,82 Meter hoch. Sein Dreiliter-Diesel leistet 183 kW beziehungsweise 249 PS und entwickelt 600 Newtonmeter. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 130 km/h. Als Bewaffnung kommen Maschinengewehre, Granatmaschinenwaffen oder Panzerabwehrlenkflugkörper infrage. Rheinmetall bietet außerdem modulare Schutzelemente an. Vorgesehen sind Varianten für Aufklärung, Mannschaftstransport, Führung, Sanitätsaufgaben und Feuerunterstützung.
Caracal 6x6 trägt bis zu 3.200 Kilogramm
Auf der Eurosatory 2026 zeigte Rheinmetall eine dreiachsige Variante des Caracal. Der verlängerte 6x6 kann nach Angaben des Unternehmens bis zu 3.200 Kilogramm Nutzlast aufnehmen. Hinter der Kabine befindet sich eine offene Fläche für Ausrüstung und unterschiedliche Aufbauten. Genannt werden Transport- und Versorgungsaufgaben, Aufklärung, Feuerunterstützung und die Abwehr von Drohnen. Auch Ausführungen für Spezialkräfte sind vorgesehen.
Der Caracal 6x6 übernimmt zahlreiche Komponenten des 4x4. Trotz der zusätzlichen Achse bleibt er für den Lufttransport ausgelegt. Er kann in einer A400M verlegt werden. Rheinmetall nennt außerdem die CH-47F Chinook und die CH-53 als geeignete Transporthubschrauber.
Eine Plattform soll neun Aufgaben abdecken
Das britische Verteidigungsministerium verlangt für das Light-Mobility-Vehicle-Programm eine gemeinsame technische Basis. Darauf sollen neun Ausführungen für allgemeine Aufgaben, Verwundetentransport, taktische Mobilität, Materialtransport, zusätzlichen Schutz, Führung, Instandhaltung, Mannschaftstransport und Missionssysteme entstehen.
Rheinmetall verteilt diese Aufgaben auf mehrere Karosserieformen. Dabei sollen Antrieb, Fahrwerk, Elektrik, Schnittstellen und Bedienelemente möglichst einheitlich bleiben. Unterschiede entstehen vor allem durch den Radstand, den Aufbau und die jeweilige Ausrüstung. Das britische Programm verlangt zusätzlich die Möglichkeit, die Fahrzeuge während ihrer Nutzungszeit technisch weiterzuentwickeln. Dazu gehören Anpassungen an neue Kommunikationsmittel, Sensoren und andere Missionssysteme.
Integration soll in Großbritannien erfolgen
Die Fahrzeuge sollen bei Rheinmetall BAE Systems Land in Telford an die britischen Anforderungen angepasst werden. Der Standort dient als Integrationszentrum für Team Wolf. Dort sind die Systemintegration, Erprobung und technische Abnahme vorgesehen. Rund 30 Unternehmen aus Großbritannien sollen an dem Programm beteiligt werden. Der angebotene Support ist auf mehr als 20 Jahre ausgelegt.
Zum Angebot gehören zudem Ausbildung, Wartung, Reparaturen und Ersatzteilversorgung. Die britische Ausschreibung verlangt, dass die Flotte auch bei Einsätzen außerhalb des Landes unterstützt werden kann.
Auftrag kann mehr als 9.500 Fahrzeuge umfassen
Großbritannien will mit dem Programm ältere Land Rover und Pinzgauer ersetzen. Die Ausschreibung hat einen geschätzten Wert von zwei Milliarden Pfund ohne Mehrwertsteuer. Der Vertrag soll nach dem derzeitigen Zeitplan vom 31.5.2027 bis zum 30.5.2036 laufen und könnte über Optionen bis 2047 verlängert werden.
Der Bestand kann später auf mehr als 9.500 Fahrzeuge anwachsen.
Rheinmetall und Mercedes-Benz haben den Auftrag noch nicht erhalten. Team Wolf tritt unter anderem gegen Jaguar Land Rover mit dem Defender Wolf Series II sowie gegen Angebote auf Basis des Ford Ranger, des Ineos Grenadier und des GM Defense Infantry Squad Vehicle an.
