Italien schafft die Kfz-Steuer ab
In Italien wird ein großer Teil der Autofahrer von der Kfz-Steuer befreit. Damit reagiert die Regierung auf die anhaltend hohen Kraftstoffpreise. Auch Motorräder profitieren.
Ganz Europa ächzt unter den anhaltend hohen Kraftstoffpreisen. Auch in Italien liegen die Literpreise längst deutlich jenseits der Zwei-Euro-Grenze. Angesichts dieser Belastung, aktuell liegen die Literpreise in Italien bei 2,13 Euro für Benzin beziehungsweise 2,24 Euro für Diesel, hat die italienische Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni beschlossen, im Jahr 2027 weitgehend auf die Erhebung der Kfz-Steuer zu verzichten. Der Ministerrat stimmte der entsprechenden Regelung am Mittwoch in Rom zu. Betroffen sind Pkw mit einer Motorleistung von weniger als 80 Kilowatt, also rund 109 PS. Die Befreiung gilt zudem für alle Motorräder und Motorroller unabhängig von ihrer Hubraumgröße. Nach offiziellen Angaben der Regierung umfasst die Maßnahme rund 14,5 Millionen Fahrzeuge in Italien.
Vor allem Kleinwagen profitieren
Damit dürften vor allem einkommensschwächere Italiener von der Steuerbefreiung profitieren. Man könnte es auch eine "Lex Panda" nennen, denn der kleine Fiat, in Italien das meistverkaufte Auto, bleibt unter dieser 80-kW-Schwelle. Auch die in Italien sehr gefragten Modelle Jeep Avenger und Dacia Sandero (Plätze 2 und 3 in der Zulassungsstatistik) liegen mit vielen Motorisierungen unter der Schwelle.
In Italien werden Pkw nach ihrer Leistung besteuert, zusätzlich werden Umweltmerkmale berücksichtigt. Ein aktueller Dacia Sandero TCe 100 mit der 74-kW-Maschine liegt beispielsweise je nach Region bei bis zu 231 Euro Kfz-Steuer im Jahr.
Die jetzt angekündigte Steuerbefreiung in Italien ist auf das Kalenderjahr 2027 begrenzt. Pro Fahrzeughalter kann lediglich ein einziges Fahrzeug von der Regelung profitieren. Für Zweit- und Drittwagen sowie für Fahrzeuge mit höherer Leistung bleibt die Steuerpflicht bestehen. Die Sonderabgabe für besonders leistungsstarke Automobile, der sogenannte Superbollo für Modelle über 185 kW, bleibt von der Maßnahme ebenso unberührt.
Diesel-Rabatt bleibt bestehen
Die Einnahmen aus der Kfz-Steuer, auf Italienisch bollo auto, stehen eigentlich den italienischen Regionen zu. Wirtschaftsverbände beziffern die jährlichen Einnahmen auf mehr als sieben Milliarden Euro. Zur Kompensation der entstehenden Ausfälle stellte die Meloni-Regierung zunächst rund 2,3 Milliarden Euro im Haushalt für 2027 bereit. Diese Summe reicht nach Angaben der Regionen nicht aus, um die fehlenden Einnahmen vollständig zu ersetzen.
Ministerpräsidentin Meloni, die als Vorsitzende der Partei Fratelli d’Italia seit fast vier Jahren regiert, bezeichnete die Kfz-Steuer als eine der "meistgehassten Abgaben des Landes". Ihre Mitte-rechts-Koalition stellt den Beschluss als Teil einer Reihe von Steuerentlastungen dar, die vor allem Familien mit geringerem Einkommen finanziell entlasten sollen. Daneben verlängerte die Regierung einen bestehenden Rabatt auf die Mineralölsteuer für Dieselkraftstoff bis zum 5. Oktober.
