Fast 44.000 Modelle müssen in die Werkstatt
Nach Volkswagen und Audi weitet sich der Rückruf wegen einer möglicherweise korrodierenden Befestigungsschraube der Lenkung auf Seat aus. Betroffen sind die SUV-Modelle Ateca und Tarraco – in Deutschland geht es um mehr als 43.000 Fahrzeuge. Und dann ist da ja noch Cupra.
Der große Lenkungs-Rückruf im Volkswagen-Konzern erreicht die nächste Marke: Auch Seat muss Fahrzeuge jetzt offiziell in die Werkstatt bitten. Betroffen sind zunächst die beiden SUV Ateca und Tarraco, die zwischen April 2016 und September 2024 produziert wurden. Die Aktion läuft bei Seat unter dem KBA-Rückrufcode 48T7.
Es könnten bis zu 200.000 Autos werden
Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes sind in Deutschland vorerst 43.574 Fahrzeuge betroffen, wobei die Erfassung der Fahrzeuge noch nicht abgeschlossen ist. Einige Experten schätzen die Zahl auf 200.000 betroffene Fahrzeuge in Europa. Grund für den Rückruf ist eine Befestigungsschraube der Lenkung. Unter bestimmten Umweltbedingungen und insbesondere nach längerem Einsatz bei Streusalz kann die Verschraubung korrodieren. Schreitet die Korrosion weit genug fort, kann die Schraube im Extremfall brechen. Dadurch kann die Befestigung des Lenkgetriebes beeinträchtigt werden – mit der möglichen Folge eines Verlusts der Lenkfähigkeit.
Das Problem entspricht damit grundsätzlich dem bereits bei Volkswagen und Audi bekannt gewordenen Fehler. Beim Volkswagen-Rückruf sind unter anderem Golf, Golf Variant, Tiguan, Touran und Caddy betroffen, bei Audi geht es um bestimmte Produktionschargen des Q3. Beim Seat-Ableger Cupra ist die Lage eins zu eins mit Seat verknüpft, da Cupra vor der Verselbstständigung der Marke als sportliche Ausstattungslinie lief und viele Fahrzeuge weiterhin unter derselben Typgenehmigung und auf demselben Montageband geführt werden.
Keine bekannten Unfälle oder Verletzungen
Ein akuter Grund zur Panik besteht laut den bisher vorliegenden Informationen dennoch nicht. Unfälle oder Personenschäden im Zusammenhang mit dem Problem sind bislang nicht bekannt. Der Rückruf erfolgt vorsorglich, um die möglicherweise korrodierende Verschraubung auszutauschen, bevor es zu einer Beeinträchtigung der Lenkung kommt.
In der Werkstatt wird die vorhandene Schraube durch eine korrosionsbeständigere Ausführung ersetzt. Die Maßnahme ist für die betroffenen Halter kostenlos und soll rund eine Stunde dauern. Besitzer eines Seat Ateca oder Tarraco aus dem genannten Bauzeitraum sollten deshalb prüfen, ob ihr Fahrzeug von der Aktion betroffen ist. Entscheidend ist dabei die Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN), da nicht zwangsläufig jedes Fahrzeug des genannten Bauzeitraums betroffen ist.
MQB-Plattform im Fokus
Dass der Rückruf gleich mehrere große Konzernmarken trifft, ist technisch nicht überraschend: Die Modelle basieren vielfach auf gemeinsamen Plattformen und nutzen teilweise identische oder sehr ähnliche Komponenten. Zudem werden einzelne Fahrzeuge markenübergreifend gefertigt. Der Seat Ateca beispielsweise wurde bei Škoda in Kvasiny gebaut, der Tarraco entstand im Volkswagen-Werk Wolfsburg.
Auch wenn es sich nur um eine Schraube handelt – für Volkswagen dürfte sich die Rückrufaktion zu einer der größten der vergangenen Jahre und seit dem Dieselskandal von 2015 entwickeln. Weltweit trifft es mehrere Millionen Fahrzeuge. Alle Halter müssen angeschrieben werden, für jeden muss es einen Werkstatttermin und eine passende neue Schraube geben. Letzte sind noch Mangelware und müssen jetzt beschafft werden. Der Aufwand für eine Rückrufaktion in dieser Größenordnung ist also immens.
