Autofahrer super-happy, Konkurrenz mega-wütend
TotalEnergies hat sich einen eigenen Spritpreisdeckel verordnet, zur Freude der Autofahrer – die Konkurrenz ist indes sauer.
Total hält die Kraftstoffpreise an seinen rund 3.300 Tankstellen in Frankreich freiwillig bei 1,99 Euro je Liter für Benzin, Diesel darf maximal 2,25 Euro kosten. Das sorgt für Andrang an den Stationen des Energiekonzerns und für wachsenden Ärger bei freien Tankstellen und Supermarktketten.
Der Grund für den Preisunterschied liegt im Geschäftsmodell. Während unabhängige Betreiber Benzin und Diesel bei Raffinerien oder Großhändlern einkaufen, deckt TotalEnergies einen großen Teil der Lieferkette selbst ab. Der Konzern fördert Rohöl, verarbeitet es in Raffinerien, handelt mit Mineralölprodukten und verkauft den fertigen Kraftstoff im eigenen Tankstellennetz.
TotalEnergies verdient schon vor dem Verkauf an der Zapfsäule
Auch TotalEnergies kann sich von den Marktpreisen nicht abkoppeln. Rohöl und fertige Kraftstoffe besitzen unabhängig davon einen Wert, ob sie innerhalb des Konzerns weitergegeben oder an andere Unternehmen verkauft werden. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass das Unternehmen nicht allein auf die Marge an der Zapfsäule angewiesen ist. Der Konzern kann Gewinne aus Förderung, Raffination und Handel nutzen, um beim Verkauf an Autofahrer geringere Einnahmen hinzunehmen.
Die Geschäftszahlen verdeutlichen diesen Spielraum. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte TotalEnergies einen bereinigten Gewinn von 11,4 Milliarden Dollar. Höhere Ölpreise, gestiegene Raffineriemargen und der Handel mit Rohöl und Mineralölprodukten trugen dazu bei. Die Preisbegrenzung an den französischen Tankstellen soll den Konzern bisher zwischen 250 und 300 Millionen Euro gekostet haben.
Die aktuellen Preisgrenzen gelten seit Juli
Total führte die Obergrenzen erstmals im März 2026 ein und behielt sie bis Juni bei. Wegen des erneuten Anstiegs der internationalen Produktpreise setzte das Unternehmen die Regelung am 22.7.2026 wieder in Kraft. Wobei es sich nicht um Festpreise handelt. Gibt der Markt niedrigere Preise her, kann der Energieriese diese an seine Kunden weitergeben.
Für viele Konkurrenten ist genau das zum Problem geworden. Mehrere freie Tankstellen erklären, dass sie für ihren Kraftstoff inzwischen mehr bezahlen müssten, als TotalEnergies an seinen Stationen verlangt. Auf Korsika stellten zeitweise mehr als ein Dutzend Betreiber den Verkauf ein. Nach ihren Angaben lag der Einkaufspreis trotz Zugeständnissen der Lieferanten um mehrere Dutzend Cent über den Preisen des Energiekonzerns.
Auch Supermarktketten sehen keinen Spielraum mehr
Kritik kommt zudem von E.Leclerc und Système U. Französische Supermärkte verkaufen Kraftstoff gewöhnlich mit geringen Margen, um Kunden auf ihre Gelände und anschließend in die Märkte zu bringen. E.Leclerc-Chef Michel-Édouard Leclerc erklärte gegenüber französischen Medien, seine Tankstellen verdienten bereits nichts mehr am Kraftstoff und könnten die Preise deshalb nicht weiter senken.
Der Verband FF3C, der rund 1.000 unabhängige Kraftstoffhändler vertritt, hat sich nach eigenen Angaben an die französische Wettbewerbsbehörde gewandt. Er wirft TotalEnergies vor, seine starke Stellung auf mehreren Stufen des Kraftstoffgeschäfts für Preise zu nutzen, mit denen reine Händler nicht konkurrieren könnten. Eine Entscheidung der Behörde liegt nicht vor. Sie müsste klären, ob Total lediglich auf einen Teil seiner Gewinne verzichtet oder seine Marktstellung nutzt, um Wettbewerber zu verdrängen.
