7 Panzer, die Sie unter Garantie nicht kennen
Leopard 2, M1 Abrams und T-90 gehören zu den bekanntesten Panzerfahrzeugen der Welt. Abseits dieser großen Baureihen haben zahlreiche Länder jedoch eigene technisch sehr interessante Modelle entwickelt.
Sie verfolgen technische Konzepte, die sich deutlich von den verbreiteten europäischen und amerikanischen Fahrzeugfamilien unterscheiden.
Die Bandbreite reicht vom südafrikanischen Radpanzer Rooikat über den digitalisierten Hunter aus Singapur bis zum japanischen Type 16 MCV. Mit Badak, WhAP, Borsuk und Harimau kommen Konstruktionen aus Indonesien, Indien und Polen hinzu. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um Kampfpanzer im klassischen Sinn, sondern um unterschiedliche Klassen gepanzerter Kampffahrzeuge.
Rooikat wurde für große Entfernungen entwickelt
Südafrika entwickelte den Rooikat während der 1980er-Jahre als schwer bewaffnetes Aufklärungsfahrzeug. Statt eines Kettenfahrwerks erhielt der Panzer acht angetriebene Räder. Das Konzept war auf große Entfernungen und hohe Geschwindigkeit ausgelegt.
Die Serienversion Rooikat 76 trägt eine 76-mm-Kanone. Davon zu unterscheiden ist der später entwickelte Rooikat 105 mit einer 105-mm-Kanone, der als Exportvariante entstand. Denel nennt für den Rooikat eine Straßengeschwindigkeit von 120 km/h und eine Reichweite von 1.000 Kilometern. Der wassergekühlte V10-Turbodiesel leistet 417 kW.
Hunter ist Singapurs digitaler Schützenpanzer
Beim Hunter AFV handelt es sich um eine gemeinsame Entwicklung der singapurischen Streitkräfte, der Defence Science and Technology Agency und ST Engineering. Das Fahrzeug löst den Ultra M113 ab und wurde 2019 offiziell in Dienst gestellt.
Der Hunter ist vollständig digitalisiert und verfügt unter anderem über Drive-by-Wire. Der Kommandant kann dadurch bei Bedarf Fahrfunktionen übernehmen. Kameras unterstützen die Rundumsicht, während das Health and Utilisation Monitoring System technische Fahrzeugdaten überwacht und für die vorausschauende Wartung auswertet.
Type 16 setzt auf Geschwindigkeit statt Ketten
Japan verfolgt mit dem Type 16 Maneuver Combat Vehicle ein anderes Konzept. Der Radpanzer kombiniert eine 105-mm-Kanone mit einem vergleichsweise niedrigen Gewicht. Die japanischen Landstreitkräfte haben das Fahrzeug insbesondere für eine schnelle Verlegung auf der Straße konzipiert.
Turm und Fahrzeug werden von Mitsubishi Heavy Industries gefertigt, die Kanone stammt von Japan Steel Works. Mit 8,45 Metern Länge und 2,98 Metern Breite bleibt der Type 16 vergleichsweise kompakt. Die Besatzung besteht aus vier Soldaten.
Badak bringt eine 90-mm-Kanone auf sechs Räder
Aus Indonesien kommt mit dem Badak ein ungewöhnliches 6x6-Fahrzeug. Entwickelt wurde der Radpanzer von PT Pindad für die indonesischen Kavallerieverbände. Anders als ein gewöhnlicher Mannschaftstransporter ist der Badak für direkte Feuerunterstützung ausgelegt.
Dafür trägt das Fahrzeug eine 90-mm-Kanone und ein koaxiales 7,62-mm-Maschinengewehr. Der 340 PS starke Dieselmotor verfügt über Turbolader und Ladeluftkühlung. Auf befestigten Straßen erreicht der Badak bis zu 80 km/h, die Reichweite beträgt 600 Kilometer.
WhAP kann mit Wasserstrahlantrieb schwimmen
Indien entwickelte gemeinsam mit der staatlichen Defence Research and Development Organisation und Tata Advanced Systems eine eigene modulare 8x8-Plattform. WhAP steht für Wheeled Armoured Platform. Das Grundfahrzeug lässt sich für unterschiedliche Aufgaben und Waffensysteme konfigurieren.
Technisch fällt besonders die amphibische Auslegung auf. Bis zu einem Gesamtgewicht von 24,5 Tonnen kann der WhAP schwimmen und nutzt dafür Wasserstrahlantriebe. Für die Plattform sind drei Motorleistungsstufen mit 450, 525 und 600 PS vorgesehen. Die Kraftübertragung übernimmt ein vollautomatisches Getriebe, hinzu kommt eine hydropneumatische Federung.
Borsuk soll Polens BWP-1 ersetzen
Polen setzt mit dem Borsuk weiterhin auf Ketten. Der amphibische Schützenpanzer wurde von Huta Stalowa Wola entwickelt und soll die alten BWP-1 der polnischen Streitkräfte ersetzen. Dabei kombiniert Polen einen modernen unbemannten Turm mit einem schwimmfähigen Kettenfahrzeug.
Der Borsuk verwendet den ZSSW-30-Turm mit einer 30-mm-Maschinenkanone, einem 7,62-mm-Maschinengewehr und Spike-Panzerabwehrlenkflugkörpern. Fahrer, Kommandant und Richtschütze bilden die Besatzung, im hinteren Kampfraum finden zusätzlich sechs Soldaten Platz.
Harimau bringt eine 105-mm-Kanone auf rund 30 Tonnen
Beim letzten Fahrzeug arbeiten zwei Länder zusammen. Der Harimau beziehungsweise Kaplan MT entstand aus einer Kooperation zwischen dem indonesischen Hersteller PT Pindad und dem türkischen Unternehmen FNSS. Das Ergebnis ist ein mittlerer Kampfpanzer, der erheblich leichter als Leopard 2, M1 Abrams oder Challenger 3 ausfällt.
Der Dieselmotor sitzt gemeinsam mit dem Powerpack im Heck. Das Leistungsgewicht beträgt mehr als 22 PS pro Tonne. Die Vollautomatik besitzt vier Vorwärts- und zwei Rückwärtsgänge. Auf der Straße erreicht der Harimau bis zu 70 km/h, die Reichweite beträgt 450 Kilometer.
Sieben Fahrzeuge im direkten Vergleich
Die Fahrzeuge unterscheiden sich nicht nur bei ihrer Herkunft. Hinter den sieben Modellen stehen verschiedene Anforderungen an Aufklärung, Infanterietransport, Feuerunterstützung und direkten Kampf. Entsprechend groß ist die Spannweite bei Gewicht und Bewaffnung.
Rooikat, Type 16 und Badak kombinieren vergleichsweise schwere Bewaffnung mit einem Radfahrwerk. Während Südafrika beim Rooikat vor allem Reichweite und Geschwindigkeit berücksichtigt hat, trägt der japanische Type 16 bereits eine 105-mm-Kanone. Der indonesische Badak positioniert sich mit seiner 90-mm-Kanone darunter.
Hunter und Borsuk sind dagegen klassische Schützenpanzer mit Kettenfahrwerk und 30-mm-Bewaffnung. Der indische WhAP bildet eine eigene Gruppe, weil die 8x8-Plattform für verschiedene Aufbauten und Waffen vorgesehen ist. Der Harimau kommt mit seinem Kettenfahrwerk und der 105-mm-Kanone einem klassischen Kampfpanzer am nächsten.
