Haben wir da wirklich Boxer-Bellen gehört?
Mit dem Mission S gibt Porsche einen Ausblick auf einen Nachfolger von 918 Spyder und Carrera GT. Noch ist der Mittelmotorsportler eine Studie. Die Serie könnte 2029 folgen.
Da steht er nun an einem Pier in Long Island City, der Porsche Mission S, direkt gegenüber der Skyline von Manhattan, wo vor rund 70 Jahren der Siegeszug von Porsche in den USA begann. Hier landete die ersten 550 Spyder an, die wenig später ihre Klasse bei der berüchtigten Carrera Panamericana gewannen. Und so nebenbei damit den Namen Carrera im Porsche-Modellprogramm verankerten.
Mission S wird eigene Baureihe
Ein Zufall ist es also nicht, dass der Mission S genau hier öffentlich gezeigt wird. Es ist mehr als nur eine Ansage von Porsche-CEO Michael Leiters und seinem Designchef Tobias Sühlmann.
Es ist eine Revolution. Denn der Mission S ist mehr als eine Fingerübung. Er soll – zum ersten Mal, seit es den 911 gibt – eine Modellreihe oberhalb des 911 begründen. Und zwar nicht als Sondermodell wie etwa Carrera GT und 918, sondern als zusätzliche Modellreihe, auch das wird betont.
Design als Zitaten-Sammlung
Kompakt und kraftvoll steht er da, und wenn man beim ersten Umrunden die Design-Zitate aus der ruhmreichen zusammenzählt, kommt man mit dem Addieren kaum noch hinterher. Die Front erinnert an Carrera GT und GT1, das Heck mit den von einem Schriftzug getrennten Leuchten hat etwas vom 928, ebenso die Räder mit ihrem Wählscheiben-Design. Und das Radialgebläse über dem Motorraum erinnert an den Le-Mans-Rennen der späten 60er und frühen 70er, den 917. Gedreht hat sich das Lüfterrad beim Mission S übrigens nicht, doch wenn es sich technisch anböte, sei ein solches funktionales und ästhetisches Detail durchaus etwas, was er sich beim späteren Serienmodell vorstellen könnte, verrät Designchef Sühlmann im Gespräch.
Dass die vielen Zitate und Reverenzen an die Vergangenheit ein harmonisches Ganzes ergeben, ist sicher ein Verdienst des akribischen Designs. Das Auto sieht einfach gut aus und wirkt auch auf den zweiten Blick nicht abgehoben oder gar aggressiv.
Kein E-Antrieb, aber vielleicht Boxer
Über die Technik wird noch nicht viel verraten. Die Gerüchteküche packt einen Achtzylinder-Boxer in den Raum zwischen Fahrerkabine und Hinterachs-Modul. Ein Elektromotor ist es jedenfalls nicht, der den Mission S aus den Kulissen auf die Bühne rollen lässt. Kenner meinen, einen Hauch von Boxer-Bellen aus dem Auspuffsound herauszuhören. Es sei eine Plattform, auf der vieles denkbar sei, sagt Michael Leiters. Vollelektro-Antrieb scheint jedoch nicht dazuzugehören, Plug-in- und Vollhybride hingegen schon.
Auch im Interieur zeigen sich Anklänge an historische Porsche-Modelle, nicht nur die fünf Rundinstrumente mit zentralem Drehzahlmesser. Ein Wählhebel gehört ebenfalls dazu. Der könnte außer einem PDK auch ein Schaltgetriebe befehligen, heißt es. Und der Zündschlüssel links ist ein echter Schlüssel, den man abziehen kann.
Was fehlt: ein großer Bildschirm, wie er heute in fast allen Autos zu finden ist. Dafür gibt es einen Smartphone-Halter, der bei Bedarf einen Monitor – etwa mit Carplay Plus – ersetzen kann.
Könnte 2029 starten
Später rollt der Mission S mit Verbrennungsmotorkraft in die Oktobersonne über New York. Die versinkt gerade zwischen den Wolkenkratzer, als sich das Publikum um den weißen Mission S und den silbernen 550 Spyder schart. Darunter Edelfan Jerry Seinfeld, der nicht nur eine rund 150 Autos umfassende Porsche-Sammlung besitzt, sondern sich auch ausführlich von Tobias Sühlmann Details zum Mission erklären lässt.
Einen Zeitplan gibt es noch nicht, frühestens 2029 soll der Porsche-Supersportwagen auf den Markt kommen. Mit einem Namen, der womöglich mit einer 9 beginnen könnte und nicht Mission S lauten dürfte. Von einer halben Million Euro oder Dollar als preisliche Ziellinie wird gemunkelt. Und auch wenn es noch ein paar Jahre dauern dürfte, bis der Über-Porsche marktreif ist, so wird das ein oder andere Designelement in künftigen Modellen auftauchen. Nur zu!
