Zwei ganz spezielle Porsche-Rennwagen
Manthey wird 30 Jahre alt und feiert dieses Jubiläum mit zwei ganz besonderen Versionen der Rennautos Porsche 911 GT3 Cup und 718 Cayman GT4 Clubsport.
1996 gründete Ex-Rennfahrer Olaf Manthey seine Tuning- und Motorsportfirma. Das seit August zu 67 Prozent in Porsche-Besitz befindliche Unternehmen Manthey Racing GmbH trägt diesem Jubiläum Rechnung und präsentiert zwei ganz besondere Versionen der Rennautos Porsche 911 GT3 Cup und 718 Cayman GT4 Clubsport.
Auf den ersten Blick stehen sie ganz unauffällig da, die zwei Jubi-Porsche aus dem Hause Manthey. Weiße Grundlackierung, dazu ein dezentes Design. Ansonsten eröffnen sich erst beim zweiten Hinsehen die Unterschiede gegenüber den Basis-Rennautos. Die sind aber tiefgreifender, als man denken würde. Dass beispielsweise auch der gesamte Innenraum samt Sicherheitskäfig des 911 weiß lackiert ist, gibt einen ersten Hinweis auf die Detailarbeit, die in Meuspath geleistet wurde. Denn standardmäßig rollen die Cup-Porsche ja in Silber zur Auslieferung. Mit der neuen Farbgebung, inklusive roten Akzenten und speziellen Logos, spielt man zum einen auf die klassischen Porsche-Rennwagen, zum anderen auf die eigene Historie an.
Unter 8 Minuten auf der NLS-Variante
Herzstück des Jubi-Elfers auf Basis des 911 GT3 Cup (992.1) ist der überarbeitete Motor im Heck. Statt vier hat dieser 4,2 Liter Hubraum. Klingt erstmal stark nach dem GT3-Rennwagen GT3 R, stimmt aber nicht: Statt ins Regal zu greifen, fasste Manthey selbst die Hardware an. Kurbelwelle, Nockenwelle, Pleuel, Kolben – die Überarbeitung dieser und weiterer Teile sowie der größere Hubraum steigern die Leistung von 510 auf 560 PS.
Ein größerer, nach hinten überstehender Heckflügel ist ein auffälliges, optisches Merkmal. Dafür wurde auch die Heckflügelanbindung angefasst, welche wiederum eine strömungsoptimierte Ansaugung ermöglicht. Diese ist bereits vom 911 GT3 Cup MR (991.2) bekannt. Ebenfalls sticht die Verbreiterung der hinteren Spur um 50 Millimeter und die dazugehörige Kotflügelverbreiterung ins Auge. Die macht, ebenso wie die vordere Verbreiterung um 20 Millimeter, einiges an Karosseriearbeit nötig. Allein für die Anpassungen der standardmäßigen Cup-Rohkarosse gehen rund zehn Stunden pro Auto drauf.
An der Front fallen sofort die fehlenden Blinker in der Frontschürze auf. Hier installierte man die Scheinwerfer aus dem für 2026 neuen 911 Cup (992.2) mit integrierter Blinkerfunktion. So konnte man eine große, schnell auszutauschende Frontschürze realisieren. Diese hängt mit einem einteiligen Splitter mit Frontdiffusor zusammen. Hinter der Schürze befindet sich, wie bei früheren Cup-MR-Modellen, ein großer, mittiger Kühler. Auch die Bremskühlung wurde modifiziert. Sie fußt auf den Entwicklungen für den GT2 RS Clubsport Evo.
Wie potent das Gesamtkonstrukt mit mehr Leistung und mehr Abtrieb als beim Standard-Cup ist, zeigte schon der Einsatz auf der Nordschleife mit einem leistungsmäßig sogar etwas eingebremsten "MR 30". Auf der NLS-Variante des Nürburgrings (24,358 km) realisierte man damit eine Rundenzeit von 7.58,605 Minuten. Dadurch ist er der schnellste käufliche Cup-Elfer aller Zeiten. Und es besteht sogar noch mehr Potenzial: Durch die Anpassungen können nun auch die gängigen GT3-Reifengrößen gefahren werden, was den Einsatz von Entwicklungsgummis ermöglicht.
Auch Cayman stark überarbeitet
Dass man nicht nur eines, sondern gleich zwei Jubi-Modelle entwickelte, ergibt sich aus der jüngeren Manthey-Historie. Die umfasste vor etwas mehr als zehn Jahren die Entwicklung des Homologations-Kits für den ersten GT4-Cayman, damals noch auf Basis der Baureihe 981. Mit diesem Fahrzeug etablierte man auch die Cayman GT4 Trophy by Manthey Racing im Rahmen der VLN/NLS, aus der die heutige Porsche Endurance Trophy Nürburgring hervorging. Es folgten weitere Cayman-Projekte wie der "Trackday" und der "Leichtbau". Und gemeinsam mit den Brüdern Georg und Björn Griesemann entwickelte man schon für das 24h-Rennen am Nürburgring 2025 einen optimierten GT4-718er.
Der war auch im Prinzip die Basis für den "MR 30"-Cayman, welcher nach einem ähnlichen Ansatz wie der 911er überarbeitet wurde. Wie beim großen Bruder prangen spezielle Logos beispielsweise an der Fahrzeugseite und auf den Sitzschalen. Und auch hier findet sich eine Frontschürze vor einem großen, zentralen Kühler statt direkt dahinter liegender und damit kollisionsanfälliger kleinerer Kühler. Der Breitbau an der Karosserie fällt noch deutlicher aus als beim 911. Erstmals erhält der 718 Cayman GT4 zudem mit einem großen Heckflügel, massivem Frontdiffusor und Flics an der Frontschürze spürbaren aerodynamischen Abtrieb.
Am Motor wurde dagegen nichts verändert. Der Vierliter-Sechszylinder-Saugboxer verbleibt bei einer Leistung von rund 500 PS. Im Rahmen der Entwicklung zeigte man jedoch schon, was das Auto zu Leisten imstande ist. Beim besagten 24h-Einsatz 2025 holte man den 20. Gesamtrang – und lag damit trotz der gemischten Profi-Amateur-Besetzung klar vor dem besten "regulären" GT4-Fahrzeug. Hier zeigte sich, dass speziell der Cayman nicht nur auf schnellere Rundenzeiten, sondern auch auf bessere Fahrbarkeit hin entwickelt wurde.
First come, first serve – ab 299.000 Euro
Zwei Fragen stellen sich. Zum einen: Wo werden die Autos, die ja nun nicht mehr in den jeweiligen Klassen einsetzbar sind, zu sehen sein? Antwort: Wohl vor allem auf Clubsport-Ebene und bei Trackdays. Vielleicht finden sich aber auch Enthusiasten, die sie auf der Nordschleife einsetzen wollen, wobei hier nur die recht teure SP-PRO-Klasse in Frage kommt. Unfälle wären allerdings besonders schmerzhaft. Eine möglicherweise fällige Ersatzkarosserie käme ja wieder in Silber.
Zum anderen: Was kosten die Renner? Die Nettopreise betragen hierzulande 299.000 Euro für den Cayman und 419.400 Euro für den 911. Umbau-Kits gibt es übrigens nicht. Manthey hat die Autos für die 30-Jahre-Editionen nämlich schon angeschafft und verkauft sie nur komplett. Wer eine haben möchte, muss schnell sein. Zwar ist das Bestellfenster noch bis zum 30. Oktober geöffnet, statt eines klassischen Bewerbungsverfahrens gilt jedoch: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Die Auslieferung für den Cayman beginnt schon im November, die 911er folgen im ersten Quartal 2027.
