Bis zu 1,5 Millionen Skoda-Modelle betroffen
Der VW-Konzern steht vor dem größten Rückruf seit dem Diesel-Skandal. Bis zu vier Millionen Fahrzeuge könnten wegen einer korrosionsgefährdeten Lenkungsschraube betroffen sein – allein bei Skoda wird mit bis zu 1,5 Millionen Autos gerechnet.
Es ist nur eine kleine Schraube – doch sie könnte für Volkswagen zum großen Problem werden. Nach VW, Audi und Seat ist nun auch Skoda von der konzernweiten Rückrufaktion wegen einer möglicherweise korrodierenden Befestigungsschraube der Lenkung betroffen. Und damit wächst die Dimension der Aktion weiter: Nach ersten Schätzungen könnten weltweit 1,2 bis 1,5 Millionen Skoda unter den Rückruf fallen, in Deutschland voraussichtlich rund 370.000 Fahrzeuge. Die Zahl ist deshalb so hoch, weil die bei anderen Marken betroffenen Produktionszeiträume ungewöhnlich lang sind (von 2013 bis 2024). In diesem Zeitraum verließen Millionen von neu produzierten Fahrzeugen die Werkshallen.
Damit könnte sich die aktuelle Aktion zum größten Rückruf des Volkswagen-Konzerns seit dem Diesel-Skandal entwickeln. Aktuell wird konzernweit von bis zu rund vier Millionen betroffenen Fahrzeugen berichtet. Zum Vergleich: Im Zuge der Diesel-Affäre mussten in Europa rund 8,5 Millionen Fahrzeuge nachgebessert werden. Noch fehlen allerdings wichtige Details. Das Kraftfahrt-Bundesamt hat für Skoda bislang keinen eigenen Rückrufcode und keine KBA-Referenznummer veröffentlicht. Auch die vollständige Liste der betroffenen Baureihen steht noch aus. Die genannten Stückzahlen sind deshalb derzeit als Schätzungen zu verstehen.
Eine Schraube mit Folgen
Technisch geht es um dasselbe Problem, das bereits bei den anderen Konzernmarken für Rückrufe sorgt. Eine Befestigungsschraube der Lenkung kann unter bestimmten Umweltbedingungen und nach langjährigem Einsatz unter Streusalzeinfluss korrodieren. Schreitet die Korrosion fort, kann die Schraube im Extremfall brechen.
Dann ist das Lenkgetriebe möglicherweise nicht mehr ausreichend befestigt. Unter hoher Belastung kann es zu einer Beschädigung der Befestigung beziehungsweise des Lenkgetriebegehäuses kommen – im schlimmsten Fall droht ein Verlust der Lenkfähigkeit. Bislang sind keine Personen- oder weitergehenden Sachschäden bekannt. Der Rückruf erfolgt vorsorglich. Die betroffene Verschraubung soll durch eine korrosionsbeständigere Ausführung ersetzt werden.
Karoq, Kodiaq und weitere Modelle?
Welche Skoda-Modelle tatsächlich betroffen sind, wird der Hersteller beziehungsweise das KBA erst noch offiziell bekanntgeben. Nach den bisherigen Informationen stehen insbesondere Karoq und Kodiaq im Fokus. Beide basieren auf der MQB-Plattform und sind technisch eng mit bereits betroffenen Konzernmodellen verbunden und laufen teils auch vom gleichen Band. Bestes Beispiel: Škoda Karoq und Kodiaq werden im tschechischen Kvasiny gebaut – genau wie der offiziell betroffene Seat Ateca.
Erst mit der offiziellen KBA-Aktion lässt sich aber feststellen, welche Fahrzeuge anhand ihrer Produktionszeiträume und verbauten Komponenten tatsächlich betroffen sind. Bei den anderen Konzernmarken sind die Dimensionen inzwischen konkreter: Volkswagen selbst meldet mehr als 2,15 Millionen betroffene Fahrzeuge weltweit, Audi ist mit dem Q3 dabei, Seat mit Ateca und Tarraco. Für Seat läuft die Aktion unter dem Code 48T7, bei VW lautet der Code 48VS.
Skoda-Code steht noch aus
In der öffentlichen KBA-Datenbank ist für Skoda derzeit noch keine eigene KBA-Referenznummer und kein Herstellercode hinterlegt. Die Eintragung dürfte im Zuge der weiteren behördlichen Bearbeitung folgen. Sobald die Skoda-Aktion offiziell eingetragen und die Halterdaten abgeglichen sind, werden betroffene Besitzer angeschrieben. Die Reparatur soll wie bei den Schwestermarken kostenlos erfolgen.
Was bei internen Qualitätsüberprüfungen als Problem einer einzelnen Befestigungsschraube entdeckt wurde, zieht sich inzwischen durch mehrere Marken und zahlreiche Baureihen. Die gemeinsame MQB-Technik und die konzernweite Verwendung bestimmter Gleichteile und -Komponenten machen aus einem Bauteilproblem eine Rückrufaktion über große Teile des Konzerns. Wie groß der Rückruf am Ende tatsächlich wird, dürfte sich in den kommenden Tagen zeigen. Spätestens wenn Skoda seine offiziellen Zahlen und Modelle meldet, lässt sich die Dimension genauer beziffern.
